Steuern ab Juli: 500-Euro-Prämie und 4,24% Rentenplus
25.06.2026 - 12:48:56 | boerse-global.de
Zum 1. Juli treten umfangreiche Änderungen bei Steuern, Rente und Sozialleistungen in Kraft. Unternehmen bekommen neue Spielräume für steuerfreie Boni – doch die Regeln für Sozialleistungen werden deutlich verschärft.
Steuerfreie Prämie: 500 Euro für Beschäftigte
Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern von Juli bis Dezember 2026 eine Prämie von bis zu 500 Euro steuerfrei auszahlen. Das sieht das Budgetmaßnahmengesetz 2026 vor. Die Obergrenze wurde damit deutlich gesenkt: 2025 lag sie noch bei 1.000 Euro, 2024 sogar bei 3.000 Euro.
Die Steuerfreiheit ist an Bedingungen geknüpft. Die Zahlung muss auf einer kollektivvertraglichen Regelung, Betriebsvereinbarung oder vertraglichen Abmachung für die gesamte Belegschaft basieren. Zudem muss es sich um eine zusätzliche Leistung handeln – nicht um Ersatz für ohnehin geschuldetes Entgelt.
Die Prämie ist zwar lohnsteuerfrei, bleibt aber sozialversicherungspflichtig. Unternehmen können sie mit einer Gewinnbeteiligung kombinieren. Der gemeinsame steuerfreie Deckel liegt bei 3.000 Euro. Eine Nachzahlung für 2026 ist bis zum 15. Februar 2027 möglich.
Überstunden entlasten – neue Zölle für Online-Shopping
Die Bundesregierung plant zudem eine Steuerentlastung für Vollzeitbeschäftigte. Ab Januar 2026 sollen Zuschläge für Überstunden bis 25 Prozent des Grundlohns steuerfrei werden. Die Regelung gilt nur für Vollzeitkräfte – definiert als mindestens 34 Stunden bei Tarifbindung oder 40 Stunden ohne Tarif.
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Kritiker aus Gewerkschaftskreisen rechnen vor: Die tatsächliche Entlastung dürfte gering ausfallen. Nur ein kleiner Prozentsatz der Beschäftigten erhalte regelmäßig steuerpflichtige Zuschläge.
Im Online-Handel aus Drittländern kommen ab 1. Juli Neuerungen. Für Sendungen unter 150 Euro Warenwert fällt eine pauschale EU-Zollgebühr von 3 Euro pro Warenkategorie an. Ab Oktober kommt eine Paketsteuer von 2 Euro pro Sendung hinzu – allerdings nur für Versandhändler mit Jahresumsätzen über 100 Millionen Euro.
Rente steigt um 4,24 Prozent
Millionen Rentner bekommen ab Juli mehr Geld. Die Bezüge erhöhen sich um 4,24 Prozent. Der Rentenwert steigt von 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Eine Bruttorente von 1.500 Euro erhöht sich um rund 63,60 Euro. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bleiben netto etwa 55 Euro mehr.
Aus für Bürgergeld: Schärfere Sanktionen
Das Bürgergeld wird durch das sogenannte Grundsicherungsgeld ersetzt. Die Regelsätze für 2026 bleiben zwar unverändert, doch die Reform sieht deutlich schärfere Sanktionen vor. Die bisherige Karenzzeit entfällt, Vermögensfreigrenzen werden gestrichen.
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Bei Terminversäumnissen droht bereits beim ersten Mal eine Kürzung des Regelbedarfs um 30 Prozent. Bei wiederholten Pflichtverletzungen kann die Leistung komplett entzogen werden. Erste Teile der Verschärfungen traten bereits im April in Kraft.
BAG stärkt Rechte bei variabler Vergütung
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat mit einem Urteil vom 22. April die Rechte von Arbeitnehmern bei variablen Gehaltsbestandteilen gestärkt. Versäumt es der Arbeitgeber, Unternehmensziele rechtzeitig vorzugeben, können Beschäftigte Schadensersatz in Höhe des entgangenen Bonus fordern. Das Gericht stellte klar: In solchen Fällen gilt der Arbeitnehmer als zielerreichend – es sei denn, der Arbeitgeber beweist das Gegenteil.
Homeoffice: Keine Betriebsstätte unter 50 Prozent
Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat mit einem Schreiben vom 18. Juni den Betriebsstättenbegriff präzisiert. Die Nutzung eines Homeoffice begründet keine Betriebsstätte des Arbeitgebers, sofern die dort verbrachte Arbeitszeit weniger als 50 Prozent beträgt. Diese Regelung gilt ausdrücklich auch für leitende Angestellte und ist in allen offenen Fällen anzuwenden.
Die bayerische Finanzverwaltung konkretisierte Ende Mai zudem die Besteuerung von Hurdle Shares. Die Ausgabe solcher Anteile zum Nominalwert kann ohne lohnsteuerpflichtigen Sachbezug erfolgen – wenn bestimmte wirtschaftliche Kriterien erfüllt sind und die späteren Erlöse als Kapitalerträge eingestuft werden können.
