Reformpaket, Maßnahmen

Reformpaket 2027: 34 Maßnahmen für Steuern, Rente und Arbeitsrecht

03.07.2026 - 04:04:56 | boerse-global.de

Die Regierung beschließt Steuerreform, Arbeitsmarktflexibilisierung und Rentenumbau. Verbände und Gewerkschaften reagieren gespalten.

Koalition einigt sich: 34 Maßnahmen für wirtschaftliche Neuausrichtung
Reformpaket - Eine Hand hält einen Stift über einem Finanzdokument mit Grafiken und Zahlen, symbolisierend bevorstehende Steuer-, Arbeits- und Sozialrechtsreformen. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Insgesamt 34 Einzelmaßnahmen sollen die wirtschaftliche Neuausrichtung vorantreiben. Das Paket umfasst Änderungen im Steuerrecht, eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes sowie einen umfassenden Bürokratieabbau.

Wirtschaftsverbände kritisieren die Pläne teils als unzureichend. Gewerkschaften warnen hingegen vor einem Abbau von Arbeitnehmerrechten.

Steuerliche Entlastungen ab 2027

Ein zentraler Punkt der Einigung ist die Reform der Einkommensteuer. Sie soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Das jährliche Entlastungsvolumen liegt bei rund zehn Milliarden Euro.

Der Grundfreibetrag soll bis 2028 auf etwa 12.900 Euro steigen. Die kalte Progression wird abgeflacht. Auch der Kinderfreibetrag und der Arbeitnehmerpauschbetrag werden angehoben.

Eine Familie mit zwei Kindern und 60.000 Euro Bruttoeinkommen soll ab 2028 über 600 Euro pro Jahr sparen. Das Kindergeld steigt im selben Zeitraum auf 272 Euro pro Monat.

Reichensteuer wird verschärft

Zur Gegenfinanzierung greift die Regierung bei Spitzenverdienern stärker zu. Ab einem Einkommen von 250.000 Euro gilt künftig ein Steuersatz von 45 Prozent. Ab 280.000 Euro steigt er auf 47 Prozent. Der Spitzensteuersatz bleibt bei 42 Prozent stabil.

Auch Minijobs sind betroffen: Die Pauschalsteuer steigt von 2 auf 5 Prozent. Der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent, die Maximalsumme wird auf 900 Euro begrenzt.

Strengere Regeln bei Krankmeldungen

Das Arbeitsrecht wird deutlich verschärft. Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Stattdessen gilt künftig eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Die Regierung begründet den Schritt mit hohen Fehlzeiten und Wettbewerbsnachteilen.

Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen wird ausgeweitet. Künftig sind bis zu 48 Monate Gesamtdauer und sechs Verlängerungen möglich. Auch eine erneute Ersteinstellung beim selben Arbeitgeber wird vereinfacht.

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Beim Kündigungsschutz lockert die Koalition die Regeln für Hochverdiener. Wer mehr als das 1,75-fache der Beitragsbemessungsgrenze verdient – derzeit rund 15.000 Euro brutto monatlich – soll eine Abfindungsoption ohne Angabe sozialer Gründe erhalten.

Rentenreform mit Kapitalrente

Die Alterssicherung wird grundlegend umgestaltet. Bis Ende 2026 will die Koalition 33 Empfehlungen der Rentenkommission umsetzen. Dazu gehört die Einführung einer Kapitalrente. Das Renteneintrittsalter soll schrittweise über 67 Jahre hinaus steigen.

Ein vorzeitiger Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren entfällt künftig. Zudem werden Selbstständige und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen.

Bürokratieabbau mit automatischer Genehmigung

Der Beschluss sieht vor, jede vierte Dokumentationspflicht zu streichen. Berichtspflichten werden pauschal aufgehoben. Ein neuer Mechanismus zur Genehmigungsfiktion soll Anträge nach vier Monaten automatisch als genehmigt gelten lassen – sofern die Behörde bis dahin nicht entschieden hat.

Der Datenschutz wird vereinfacht, der Datenaustausch zwischen Behörden intensiviert.

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Sozialleistungen und Wohnungsbau

Im Sozialrecht gibt es restriktive Maßnahmen. Der Bezug von Sozialleistungen wird an einen rechtmäßigen Aufenthalt geknüpft. Empfänger mit offenem Haftbefehl sollen von Leistungen ausgeschlossen werden. In der Bundesverwaltung ist ein Stellenabbau von acht Prozent geplant.

Eine neue Bundeswohnungsbaugesellschaft soll den Wohnungsbau ankurbeln. Gleichzeitig wurde ein Verbot der Vergesellschaftung privater Mietwohnungen vereinbart.

Die Reaktionen fallen gemischt aus. Wirtschaftsverbände loben den geplanten Bürokratieabbau. Der Bundesverband der Deutschen Industrie kritisiert jedoch das Fehlen kraftvoller Wachstumsimpulse. Gewerkschaftsvertreter sprechen von einer entstehenden Misstrauenskultur gegenüber Arbeitnehmern – besonders mit Blick auf die neuen Regelungen zur Krankschreibung und Befristung.

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