Psychische Leiden: +50% mehr Diagnosen im Zehnjahresvergleich
08.06.2026 - 00:09:18 | boerse-global.de
Das zeigt eine neue Metastudie, die im Juni 2026 in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour veröffentlicht wurde.
Forschende aus Salzburg, Bochum, Karlsruhe und Mannheim werteten Daten von über 8.000 Personen aus 67 Einzelstudien aus. Das Ergebnis: Körperliche Aktivität im Alltag steigert sowohl das Energieniveau als auch die Stimmung. Besonders stark profitierten Personen mit anfangs niedrigem Wohlbefinden.
Krankenstände bleiben auf hohem Niveau
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Die Dringlichkeit solcher Maßnahmen belegen aktuelle Zahlen der Krankenkassen. Laut BKK Dachverband lag der Krankenstand 2025 bei 5,83 Prozent – deutlich über dem Vor-Pandemie-Niveau. Den größten Anteil machten Muskel-Skelett-Erkrankungen aus.
Noch alarmierender ist die Entwicklung bei psychischen Leiden. Der AOK-Fehlzeiten-Report verzeichnet einen Anstieg um 47 Prozent zwischen 2014 und 2024. Der BKK Dachverband meldet für den Zehnjahresvergleich bis 2026 sogar rund 50 Prozent mehr psychische Diagnosen.
Als Ursachen gelten eine alternde Belegschaft und veränderte Arbeitsbedingungen. Ein Eurobarometer von 2023 zeigte: 50 Prozent der Arbeitnehmer leiden unter Zeitdruck, 35 Prozent klagen über Kopfschmerzen, 28 Prozent über allgemeine körperliche Beschwerden.
EU investiert 1,23 Milliarden in Gesundheitskampagnen
Politik und Wirtschaft reagieren. Das EU4Health-Programm stellt 1,23 Milliarden Euro für verschiedene Kampagnen bereit. Zentral ist die Initiative „Gesunde Arbeitsplätze 2026–2028“, koordiniert von der EU-Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz (EU-OSHA). Schwerpunkt: Prävention psychosozialer Risiken und Entstigmatisierung psychischer Probleme.
In Deutschland bieten Anbieter wie „Work & Move“ oder „nevio.workplace“ Systemlösungen an, die Bewegung direkt in den Büroalltag integrieren. Auch die Rentenversicherung hat mit „RV Fit“ ein Programm für Präventionsleistungen bei fortlaufender Lohnzahlung aufgelegt.
Pilates-Studie: Ältere profitieren besonders
Dass bereits kurze Interventionen wirken, zeigt eine Studie im Fachmagazin Life aus diesem Jahr. Forscher untersuchten ein vierwöchiges Pilates-Programm – dreimal wöchentlich für etwa eine Stunde.
Bei 30 inaktiven Frauen maßen sie signifikante Verbesserungen bei Ruheherzfrequenz, Blutdruck und Nüchternblutzucker. Auch das Stresshormon Cortisol sank. Besonders bemerkenswert: Probandinnen zwischen 50 und 60 Jahren zeigten stärkere gesundheitliche Verbesserungen als jüngere.
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„Kollege Hund“ und Shared Desks
Neben Sport gewinnen auch organisatorische Aspekte an Bedeutung. Am 11. Juni 2026 findet der bundesweite Aktionstag „Kollege Hund“ statt – rund 1.000 Unternehmen machen mit. Umfragen zufolge sind für 57 Prozent der Arbeitnehmer haustierfreundliche Regelungen ein relevanter Faktor bei der Jobwahl.
Parallel dazu diskutiert die Branche Shared-Desk-Modelle. Sie bieten Flexibilität und Platzersparnis, bringen aber laut Experten auch Herausforderungen – etwa bei der sozialen Nähe und persönlichen Arbeitsplatzgestaltung.
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