Psychische, Gesundheit

Psychische Gesundheit bei der Arbeit: EU-OSHA startet Kampagne bis 2028

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Initiative für 2026 bis 2028 soll psychische Risiken im Berufsleben stärker ins Bewusstsein rücken und betriebliche Prävention fördern.

EU-OSHA startet Kampagne für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz
Ein heller, minimalistischer Büroraum mit großen Fenstern, Blick ins Grüne und einer ruhigen, entspannten Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat gemeinsam mit EU-Kommissarin Roxana Mînzatu eine neue Initiative ins Leben gerufen.

Die Kampagne trägt den Titel „Gesunde Arbeitsplätze 2026–2028: Gemeinsam für die psychische Gesundheit bei der Arbeit“ und wurde am 13. Oktober 2026 im Brüsseler Charlemagne-Gebäude offiziell vorgestellt. Ziel der mehrjährigen Maßnahme ist es, das Bewusstsein für seelische Belastungen im Berufsalltag zu schärfen und die Prävention in den Betrieben zu verbessern.

Psychische Belastungen belasten Millionen Beschäftigte

Erhebungen der EU-OSHA verdeutlichen die Dringlichkeit der Initiative. Demnach berichten 45 Prozent der Beschäftigten in der Europäischen Union von Risiken für ihr psychisches Wohlbefinden an ihrem Arbeitsplatz.

Zudem gaben 29 Prozent an, im letzten Jahr unter arbeitsbedingtem Stress, Depressionen oder Angstzuständen gelitten zu haben. Diese Quote stieg im Vergleich zum Jahr 2022 um zwei Prozentpunkte, wie aus einer Erhebung unter gut 25.000 Arbeitnehmern in allen 27 EU-Mitgliedstaaten hervorgeht.

Besonders gravierend stellt sich die Situation im Gesundheits- und Pflegesektor dar, der EU-weit über 21,5 Millionen Beschäftigte umfasst; dort ist nahezu jede dritte Arbeitskraft betroffen.

Gleichzeitig scheuen viele Erwerbstätige eine offene Kommunikation: Laut EU-OSHA befürchten 48 Prozent der Arbeitnehmer berufliche Nachteile, wenn sie über psychische Probleme sprechen. Demgegenüber verfügen nach Angaben der Agentur lediglich zwei von von fünf europäischen Unternehmen über feste Routinen, um arbeitsbedingtem Stress gezielt vorzubeugen.

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Fünf Schwerpunkte und enorme Folgekosten

Die Kampagne der EU-OSHA gliedert sich in fünf zentrale Handlungsschwerpunkte:
- Die Bewertung und Bewältigung psychosozialer Risiken,
- der Umgang mit Mobbing, sexueller Belästigung und Gewalt,
- die Wechselwirkungen zwischen physischen Risiken und der psychischen Gesundheit,
- der Fokus auf psychosoziale Gefährdungen im Gesundheits- und Sozialwesen,
- sowie allgemeine Maßnahmen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Problematik sind beträchtlich. Laut Daten der EU-OSHA verursachen psychische Erkrankungen im Arbeitsleben jährliche Kosten von über 600 Milliarden Euro in der Europäischen Union.

Berechnungen der OECD zeigen zudem, dass Depressionen, Angstzustände und Alkoholmissbrauch die Lebenserwartung in Europa über die kommenden 25 Jahre hinweg um 2,5 Jahre senken und für 28.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich sein könnten.

Defizite in den Betrieben und weitere Termine

Ergebnisse der Betriebsbefragung ESENER 2024 der EU-OSHA verdeutlichen bestehende Hürden auf betrieblicher Ebene. So betrachten 56 Prozent der europäischen Organisationen den Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten oder Schülern als Risiko. Ein Viertel der Organisationen erkennt psychosoziale Risiken überhaupt nicht an.

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Zudem sank der Anteil der Betriebe mit Mitbestimmung bei Arbeitsschutzmaßnahmen zwischen 2019 und 2024 von 61 Prozent auf 55 Prozent. Rund 21 Prozent der Arbeitsstätten mit psychosozialen Risikofaktoren stuften diese als schwerer handhabbar ein als andere Gefährdungen.

Im Rahmen der Kampagne steht vom 19. bis 24. Oktober 2026 zunächst die Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz an. Auf nationaler Ebene folgt unter anderem am 9. November 2026 eine Eröffnungskonferenz des EU-OSHA-Liaison-Büros in Litauen (VDI) in Vilnius.

Partner aus der Praxis schließen sich der Initiative bereits an, darunter der europäische Krankenhaus- und Gesundheitsverband HOSPEEM als offizieller Kampagnenpartner. Weitere Interessierte können sich nach Angaben der EU-OSHA noch bis zum 15. Januar 2027 für eine Partnerschaft bewerben.

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