Psychische Erkrankungen: 42% der Erwerbsminderungsrenten gehen darauf zurück
24.06.2026 - 08:50:46 | boerse-global.de
Beim 11. Präventionsforum in Berlin diskutierten Experten am Dienstag, wie Unternehmen gegensteuern können. Die Zahlen sind alarmierend: 2024 machten psychische Störungen bereits 16,7 Prozent der Krankheitstage aus. Noch dramatischer ist der Effekt auf das vorzeitige Ausscheiden aus dem Job. Rund 42 Prozent der Erwerbsminderungsrenten gehen auf psychische Ursachen zurück.
Steigende Krankheitszahlen machen ein professionelles Eingliederungsmanagement für Betriebe unverzichtbar, um wertvolle Arbeitskräfte langfristig zu halten. Dieser kostenlose Ratgeber bietet Ihnen eine praxisnahe Anleitung zum BEM-Ablauf sowie fertige Gesprächsleitfäden für eine rechtssichere Umsetzung. Kostenlose BEM-Anleitung mit Mustervorlagen jetzt herunterladen
Digitalisierung als Fluch und Segen
Die fortschreitende Digitalisierung spielt dabei eine Doppelrolle. Sie ermöglicht flexiblere Arbeitsmodelle, gilt aber auch als Risikofaktor für die mentale Gesundheit. Unternehmen müssen proaktive Präventionskonzepte entwickeln, sonst drohen lange Ausfallzeiten. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) rückt damit immer stärker in den Fokus.
Kammern und Rentenversicherung bieten Hilfe
Die Deutsche Rentenversicherung Nord unterstützt Betriebe in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit einem kostenlosen Firmenservice. Das Angebot umfasst Beratung zu Präventionsprogrammen wie „RV Fit“ sowie Hilfe bei Rehabilitation und sozialrechtlichen Fragen.
Parallel dazu qualifizieren sich Personalverantwortliche weiter. Die IHK Hameln bot am Dienstag ein Seminar zu rechtlichen und organisatorischen BEM-Grundlagen für Führungskräfte und Betriebsräte an. Ein Aktionstag für Teilqualifizierungen in Hannover zeigte am Montag, wie Mitarbeiter durch modulare Qualifizierungen schrittweise wieder voll einsatzfähig werden.
Strenge Fristen beim Kündigungsschutz
Die BEM-Umsetzung hängt eng mit arbeitsrechtlichen Vorgaben zusammen. Besonders bei schwerbehinderten oder gleichgestellten Arbeitnehmern ist die Zustimmung des Integrationsamts für fristlose Kündigungen zwingend erforderlich. Die Fristen sind knapp: Der Antrag muss innerhalb von zwei Wochen nach Kenntnis des Kündigungsgrundes gestellt werden. Das Amt hat ebenfalls zwei Wochen Zeit für eine Entscheidung. Erfolgt keine Rückmeldung, gilt die Zustimmung als erteilt.
Hochschulen und Kliniken stellen ein
Die Hochschule Fulda bietet ein strukturiertes BEM-Verfahren für Beschäftigte an, die innerhalb der letzten zwölf Monate länger als sechs Wochen krankgeschrieben waren. Spezialisierte Ansprechpartnerinnen koordinieren das Verfahren.
Der Personalbedarf in diesem Bereich wächst. Die Hansestadt Lübeck sucht eine Fachkraft für das BEM – Bewerbungsschluss ist der 14. Juli 2026. Das Universitätsklinikum Münster hat eine unbefristete Referentenstelle ausgeschrieben, um die Beratung für rund 13.000 Mitarbeitende sicherzustellen.
Auszeichnung für ganzheitlichen Ansatz
Die Zurich Österreich erhielt den BGF-Preis 2026 für ihr umfassendes Gesundheitsmanagement. Das Unternehmen adressiert neben der körperlichen auch die mentale und soziale Gesundheit der Belegschaft. Ein Modell, das Schule machen könnte.
