Psychische Belastungen: Unternehmen reagieren auf Technostress und Hitze
27.06.2026 - 06:32:17 | boerse-global.de
Auf dem 11. Präventionsforum der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) am 23. Juni in Berlin diskutierten Fachleute, wie Betriebe auf die steigenden Anforderungen reagieren können.
Steigende Fehlzeiten durch psychische Störungen
Die Zahlen sind alarmierend: Psychische Störungen waren 2024 die dritthäufigste Ursache für Krankschreibungen. Ein Haupttreiber: die Digitalisierung. Sie führt zu sogenanntem Technostress – einer Dauerbelastung durch ständige Erreichbarkeit und Informationsflut.
Die NPK will diese Erkenntnisse in eine nationale Präventionsstrategie einfließen lassen. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte ein Online-Workshop der Industrie- und Handelskammern aus Magdeburg und Halle am 26. Juni. Dort lernten Ausbildungsverantwortliche, wie sie psychische Probleme bei Nachwuchskräften frühzeitig erkennen und ansprechen können.
BGM als strategische Investition
Experte Frederik Hillenbach betont: Gesundheitsmanagement ist keine Kostenstelle, sondern eine strategische Investition. Gerade angesichts von Fachkräftemangel und steigenden Krankenständen sichert es langfristig die Arbeitsfähigkeit.
Dass sich dieser Ansatz auszahlt, zeigt die Verleihung des BGF-Preises 2026 am 11. Juni in Wien. Der Salzburger Betrieb ISOCELL wurde für seine strukturelle Verankerung von Gesundheitsmaßnahmen ausgezeichnet. Dazu gehören eine Steuerungsgruppe, regelmäßige Gesundheitszirkel und Bewegungsangebote speziell für das Lagerteam.
Um psychische Belastungen und Fehlzeiten im Betrieb proaktiv zu senken, benötigen Sicherheitsfachkräfte und Arbeitgeber rechtssichere Instrumente. Diese kostenlosen Muster-Vorlagen helfen Ihnen, psychische Gefahren frühzeitig zu erkennen und die gesetzliche Dokumentationspflicht nach § 5 ArbSchG mühelos zu erfüllen. Sifa-Profis setzen auf diese Excel-Vorlage zur Gefährdungsbeurteilung
Auch kleinere Unternehmen ziehen nach: Der Eventdienstleister debug aus Münster setzt auf Rückenschulungen und ergonomische Hilfsmittel. Diese Maßnahmen werden nach § 20 SGB V von den Krankenkassen gefördert.
Wenn die Hitze zur Gefahr wird
Temperaturen über 40 Grad in Sachsen und Niedersachsen – die aktuelle Hitzewelle stellt Betriebe vor akute Herausforderungen. Krankenhäuser melden ein erhöhtes Patientenaufkommen durch Dehydrierung und Kreislaufprobleme.
Die Unternehmen reagieren: Sie passen Arbeitsabläufe an, etablieren eine aktive Trinkkultur und setzen auf gezielte Lüftungskonzepte in den Morgenstunden. Langfristig soll das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Gesundheit bereits bei Kindern geschärft werden. Das digitale Präventionsprogramm „KlimaChecker" startet dazu im kommenden Schuljahr 2026/2027 in Bayern.
Angesichts steigender Fehlzeiten und neuer Belastungen am Arbeitsplatz wird ein rechtssicheres Gesundheitsmanagement für Betriebe zur Pflicht. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie das Betriebliche Eingliederungsmanagement rechtssicher gestalten und den Arbeitsplatz Ihrer Mitarbeiter nachhaltig schützen. BEM-Gespräch steht an? Diese Fehler können Arbeitnehmer und Betriebsräte teuer zu stehen kommen
Neue Gesetze, neue Qualifikationen
Auch die Politik reagiert. In Thüringen legte Gesundheitsministerin Katharina Schenk einen Gesetzentwurf vor, der die Aufgaben der Gesundheitsämter neu regelt. Ziel: die Gesundheitsförderung in Betrieben und Bildungseinrichtungen stärken und die Behörden digitalisieren.
Parallel steigt der Bedarf an Fachpersonal. Das IST-Studieninstitut startet zum 1. Juli eine Weiterbildung zum Manager für Gesundheit im Betrieb. Die Universität zu Köln bietet ihren Beschäftigten ab Ende Juni Termine zur Stress-Resilienz an. Und die Volkshochschulen in Norderstedt und Detmold-Lemgo stellen ab dem 29. Juni neue Programme mit Schwerpunkt Prävention online.
