Playmobil-Werk schließt: 350 Jobs weg, Produktion nach Malta
23.06.2026 - 17:03:57 | boerse-global.de
Das Werk im fränkischen Dietenhofen schließt zum 30. Juni 2026. 350 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze.
Die Fertigung der Kunststofffiguren wandert nach Malta und Tschechien ab. Als Gründe nennt das Unternehmen Umsatzrückgänge und die im internationalen Vergleich hohen Lohn- und Energiekosten. Eine Ära der Inlandsproduktion geht damit zu Ende.
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Sozialplan vereinbart – Kritik der Gewerkschaft
Für die betroffenen Mitarbeiter wurde ein Sozialplan ausgehandelt. Er sieht Abfindungen und die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor. Betriebsratschef Michael Ulbrich spricht von einer „Katastrophe" – für viele Beschäftigte sei eine Welt zusammengebrochen.
Die Gewerkschaft IGBCE übt scharfe Kritik an der Kommunikation der Unternehmensführung. Die Verlagerung nach Malta und Tschechien wertet sie als herben Schlag für den Industriestandort Bayern. Die Stimmung bleibt angespannt.
Paradox: Am 23. Juni 2026 stellte Playmobil in Baiersbronn noch neue Sonderfiguren vor – darunter den „Schwarzwald Hannes". Die Figur soll ab Juli online erhältlich sein. An der strategischen Neuausrichtung der Fertigung ändert das nichts.
Trend zur Verlagerung
Playmobil steht nicht allein da. Laut United Interim Wirtschaftsreport 2026 beobachten 48 Prozent der befragten Interim Manager einen starken Trend zur Verlagerung von Produktionskapazitäten nach Osteuropa. Etwa 40 Prozent sehen einen Trend Richtung Asien.
Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter warnt vor einer schleichenden Deindustrialisierung. Seit 2019 habe die Metall- und Elektroindustrie bereits 300.000 Arbeitsplätze verloren. Ursachen sind neben Energiekosten auch Handelskonflikte und der Wettbewerb aus China.
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Weitere Werksschließungen in Deutschland
In Augsburg endet im Juni 2026 die Vliesproduktion im Vileda-Werk der Freudenberg-Gruppe. Rund 120 Mitarbeiter sind betroffen. In Pforzheim baut die Witzenmann-Gruppe etwa 230 Stellen ab – setzt aber auf Freiwilligenprogramme und Altersteilzeit.
Auch im Logistiksektor hält der Konsolidierungsdruck an. Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt schließt Ende September 2026. Ein Einigungsverfahren für einen Sozialplan läuft. Zudem meldeten die Baywa Bau- und Gartenmärkte samt Muttergesellschaft Hellweg Insolvenz in Eigenregie an. Rund 1.300 Beschäftigte an 46 Standorten in Süddeutschland sind verunsichert.
