Pflegekrise: Brandenburg wirbt 5 Inder an – 6.000 Fachkräfte bis 2040 fehlen
30.05.2026 - 00:30:20 | boerse-global.de
Das Projekt „Deutsches Pflegezertifikat" soll den Weg für internationale Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt ebnen.
Die neuen Mitarbeiter wurden am Freitag offiziell willkommen geheißen. Sie leben bereits seit April in Deutschland und verfügen über Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2. Ausgewählt wurden sie aus einem Pool von 22 Bewerbern.
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Qualifizierung für den deutschen Pflegealltag
Hinter dem Pilotprojekt stehen die Ernst von Bergmann Pflege und die Hoffbauer Pflege. Entwickelt wurde das Konzept in Saarbrücken, getestet wurde es bereits im Saarland. Die Teilnehmer durchlaufen eine 120-stündige Spezialausbildung, die ihre Fähigkeiten an die Anforderungen des deutschen Gesundheitssystems anpasst.
Brandenburgs Gesundheitsminister Wilke (SPD) bezeichnete die Anwerbung ausländischer Fachkräfte als einen wichtigen Baustein zur Stabilisierung der Pflege. „Internationale Rekrutierung allein reicht nicht", so der Minister. Nötig seien auch der erleichterte Quereinstieg, mehr Digitalisierung und der Einsatz von Robotik.
Demografischer Druck wächst
Die Nachfrage nach Pflege in Brandenburg steigt rasant. 2023 waren rund 214.000 Menschen pflegebedürftig. Bis 2030 wird die Zahl auf 227.000 steigen, bis 2040 sogar auf 253.000. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist bereits 65 Jahre oder älter.
Die Folge: ein massiver Personalmangel. Prognosen zufolge fehlen bis 2030 über 3.000 Pflegekräfte, bis 2040 sogar 6.000. „Die demografischen Herausforderungen sind bekannt", sagte Wilke. „Wir müssen jetzt handeln, um die Versorgung zu sichern."
Bundesweite Trends und Hürden
Die Entwicklungen in Brandenburg spiegeln einen bundesweiten Trend wider. Die Bundesagentur für Arbeit meldet: Zwar ist die Zahl der Engpassberufe von 163 auf 157 gesunken – die Wirtschaft schwächelt. Doch der Pflegesektor bleibt kritisch.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Zahl der deutschen Pflegekräfte sank um rund 5.000, während die der ausländischen um 46.000 stieg. BA-Chefin Andrea Nahles betonte: Ohne Zuwanderung könnten viele Kliniken und Heime nicht mehr arbeiten.
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Seit knapp zwei Jahren gibt es die Chancenkarte für Arbeitsmigranten. Bis Februar 2026 wurden rund 19.000 Karten genehmigt. Doch Experten sehen Hürden: Bewerber müssen rund 13.000 bis 14.000 Euro an finanziellen Mitteln nachweisen. Zudem fehlen vielen die geforderten B1-Deutschkenntnisse.
Erfolgsgeschichte aus Vietnam
Der Fokus auf indische Fachkräfte hat Vorbilder. Vor zehn Jahren startete ein Pilotprojekt mit 19 vietnamesischen Pflegekräften in Neu-Isenburg. 16 von ihnen arbeiten bis heute in dem Beruf. Der Erfolg führte zur Anwerbung von 416 weiteren Vietnamesen – und half, den Personalmangel in einer großen Klinik zu beheben.
Doch die finanzielle Lage vieler Kliniken bleibt angespannt. 80 Prozent der Brandenburger Krankenhäuser schreiben rote Zahlen. Weitere Schließungen seien möglich, so Wilke. Ende Juli soll die Kinderklinik in Ludwigsfelde dichtmachen – ein Schritt, der bereits auf heftigen Widerstand stößt.
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