Pflegekrise, Fachkräfte

Pflegekrise: 350.000 Fachkräfte fehlen bis 2033, Löhne steigen

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 00:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Fachkräftemangel in Pflege und Medizin erreicht neue Rekordwerte. Gehälter steigen, während Politik und Kliniken nach Lösungen suchen.

Personalkrise in Kliniken: Neue Höchststände bei offenen Stellen
Eine Gruppe von Gesundheitsmanagern, die in einem modernen Büro zusammenarbeiten und digitale Daten analysieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Regionale Arbeitsagenturen melden neue Höchststände bei unbesetzten Stellen – besonders in medizinischen Gesundheitsberufen.

In Sachsen-Anhalt stieg die Zahl der Berufsgruppen mit gravierenden Besetzungsengpässen auf 22, nach 20 im Vorjahr. In Thüringen sind es 21. Betroffen sind neben der Pflege auch medizinische Gesundheitsberufe und technische Disziplinen wie die Automatisierungstechnik.

Markus Behrens von der Regionaldirektion erklärt: Nur ein geringer Anteil der Arbeitslosen sucht gezielt in diesen Engpassberufen nach einer Beschäftigung.

Saarland: Medizinische Berufe am stärksten betroffen

Auch im Saarland zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Juni 2026 waren 7.700 offene Stellen registriert. Mit 792 unbesetzten Positionen bildeten medizinische Gesundheitsberufe die größte Gruppe. Im nicht-medizinischen Gesundheitswesen kamen 380 offene Stellen hinzu.

Der demografische Wandel verschärft die Lage zusätzlich. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert: Das Erwerbspersonenpotenzial sinkt bis 2036 um 4,3 Millionen auf rund 51 Millionen. Jährlich scheiden 1,3 Millionen Menschen aus – nur 0,8 Millionen rücken nach.

Der Deutsche Pflegerat warnt: Bis 2033 könnten über 350.000 Pflegekräfte fehlen. Ein Drittel des aktuellen Personals geht dann altersbedingt in Rente.

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Gehälter im Gesundheitsmanagement steigen

Der Fachkräftemangel treibt die Vergütung. Das Durchschnittsgehalt im Gesundheitsmanagement liegt 2026 bei 59.148 Euro brutto jährlich. Die Spanne reicht von 48.130 bis 70.937 Euro. Berufseinsteiger verdienen etwa 51.924 Euro, erfahrene Kräfte im Schnitt 67.250 Euro.

Noch höher wird im Bereich Digital Health gezahlt: Hier liegt das Durchschnittsgehalt bei 65.856 Euro brutto. Arbeitgeber sind neben Universitätskliniken auch private Betreiber wie die Schön Klinik oder Korian sowie spezialisierte Unternehmen wie lifespin oder REALEYES.

Düsseldorf setzt auf VR und KI für gesündere Mitarbeiter

Um Fachkräfte zu halten, investieren Kommunen und Firmen verstärkt in betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Die Landeshauptstadt Düsseldorf wurde am 9. Juli 2026 mit einem Gesundheitspreis der AOK ausgezeichnet. Zu den prämierten Maßnahmen gehörten Virtual Reality (VR), KI-gestützte Ergonomie-Coaches und die Ausbildung von 300 Ersthelfenden für mentale Gesundheit.

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Parallel gewinnt die betriebliche Krankenversicherung (bKV) an Attraktivität, besonders im Mittelstand. Unternehmen setzen auf diese Zusatzleistungen, um sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren – während die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) unter finanziellem Druck steht.

Bundesrat beschließt 550 Millionen Entlastung

Am 10. Juli 2026 stimmte der Bundesrat dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu. Die Reform entlastet Kliniken mit rund 550 Millionen Euro. Davon entfallen 100 Millionen auf Universitätskliniken, 450 Millionen werden über einen Rechnungszuschlag bereitgestellt. Für 2027 bis 2029 wurde zudem eine Obergrenze für Kostensteigerungen festgelegt.

Doch Interessenvertreter wie der Deutsche Pflegerat fordern mehr: eine vollständige Tarifrefinanzierung und den Ausbau neuer Berufsbilder wie Community Health Nurses oder School Health Nurses.

Das Gesundheitsmanagement steht vor einer doppelten Aufgabe: personelle Lücken füllen und neue Versorgungsmodelle unter schwierigen demografischen Bedingungen etablieren.

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