Pflegeausbildung, Euro

Pflegeausbildung: 1491 Euro übertrumpft Finanzbranche

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Pflege-Azubis verdienen im ersten Lehrjahr mit 1491 Euro so viel wie nie zuvor und liegen damit vor Finanz- und Versicherungsberufen.

Pflegeausbildung: Vergütung überholt Banken und Versicherungen
Eine junge Auszubildende in der Pflege in moderner Arbeitskleidung in einem hellen Krankenhausflur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Attraktivität von Pflegeberufen hat in Bezug auf die Ausbildungsvergütung einen neuen Höchststand erreicht. Aktuellen Daten zufolge verdienen Auszubildende in der Pflege im ersten Lehrjahr inzwischen mehr als ihre Kollegen in der Finanz- und Versicherungsbranche.

Mit einer monatlichen Vergütung von 1491 Euro vor Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen liegt die Pflegeausbildung vor der Versicherungswirtschaft (1455 Euro) und dem Bankensektor (1400 Euro).

Deutlicher Anstieg der Löhne über ein Jahrzehnt

Die finanzielle Aufwertung des Pflegeberufs ist Teil eines langfristigen Trends. Laut einer Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen die Bruttolöhne in der Pflege innerhalb von zehn Jahren um 61,6 Prozent. Das durchschnittliche Bruttogehalt liegt demnach bei 4228 Euro.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in vergleichenden Studien wider. Eine Untersuchung von Capital und Embrace aus dem Oktober 2025 bestätigte bereits die Spitzenposition der Pflege bei der Ausbildungsvergütung.

Während Pflege-Auszubildende im ersten Jahr durchschnittlich 1288 Euro erhielten, lagen gewerblich-technische Berufe bei 1161 Euro, die IT-Branche bei 1160 Euro und kaufmännische Berufe bei 1146 Euro. Beim Berufseinstieg nach der Ausbildung nähert sich die Pflege mit 3282 Euro dem IT-Sektor (3299 Euro) an und übertrifft kaufmännische sowie gewerblich-technische Einstiegsgehälter.

Regionale Schwerpunkte und internationale Rekrutierung

Im bundesweiten Vergleich nimmt das Saarland eine führende Rolle ein. Mit 3,10 Pflegeauszubildenden pro 1000 Einwohner galt das Bundesland Ende 2025 als Spitzenreiter in der Ausbildungsquote.

Die Vergütung im Saarland beläuft sich im ersten Lehrjahr auf 1490,69 Euro und soll für das dritte Lehrjahr zum 1. Mai 2026 auf 1653,38 Euro steigen. Die Gesamtzahl der Auszubildenden im Saarland wuchs von 2764 Ende 2022 auf 3121 zum Jahresende 2025.

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Ein wesentlicher Treiber für die Stabilisierung der Ausbildungskapazitäten ist die internationale Zuwanderung. Ende 2025 besaßen 35,4 Prozent der Pflegeauszubildenden im Saarland keinen deutschen Pass, was einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Wert von 18,5 Prozent Ende 2022 darstellt.

Bundesweit ist der Trend zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse ungebrochen: Im Jahr 2025 wurden 86.600 Berufsabschlüsse aus dem Ausland anerkannt, wobei Pflegefachkräfte mit 32.000 Anerkennungen die größte Gruppe vor Ärzten und Ingenieuren bildeten.

Ausbildungskapazitäten und neue Arbeitszeitmodelle

Auch in anderen Regionen werden Rekordzahlen gemeldet. Im Rhein-Neckar-Kreis starteten 151 angehende Pflegefachkräfte in das Schuljahr 2026/27, was einen neuen Höchststand markiert. Um die Ausbildung für eine breitere Zielgruppe attraktiv zu gestalten, werden vermehrt flexible Modelle eingeführt.

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An der Albert-Schweitzer-Schule wurde beispielsweise ein Teilzeitmodell etabliert, das über vier Jahre bei einer Arbeitszeit von 75 Prozent verläuft. Dies richtet sich an eine Altersspanne von 16 bis 56 Jahren.

An bayerischen Fachschulen für Pflege, wie den bfz-Berufsfachschulen, starteten zuletzt bayernweit rund 300 neue Auszubildende, während insgesamt 850 Personen die generalistische Ausbildung durchlaufen. Die Schulleitungen betonen dabei die hohe Praxisnähe und die nahezu garantierte Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis.

Trotz der positiven Trends bleiben Herausforderungen bestehen. An der BG Unfallklinik Murnau bestanden im Kurs 23/26 zwölf Absolventen ihr Examen, während sechs Teilnehmer die Prüfung nicht erfolgreich abschließen konnten. Letztere erhalten im Frühjahr die Möglichkeit zur Wiederholung.

Dennoch konnten neun der Absolventen direkt in ein Beschäftigungsverhältnis an der Klinik übernommen werden. In Mecklenburg-Vorpommern meldete der DRK-Kreisverband Güstrow zum 1. September 2026 ebenfalls den Start von elf neuen Auszubildenden in verschiedenen regionalen Pflegeheimen.

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