Pflege-Mindestlohn, Regeln

Pflege-Mindestlohn: Neue Regeln für 1,3 Millionen ab morgen

30.06.2026 - 15:13:41 | boerse-global.de

Die gesetzlichen Lohnuntergrenzen für Pflegekräfte steigen ab morgen. Trotz der Anhebung sehen Gewerkschaften und Marktdaten weiteren Handlungsbedarf.

Pflege-Mindestlohn steigt: Neue Sätze ab Juli 2026 in Kraft
Pflege-Mindestlohn - Nahaufnahme der Hände einer Pflegekraft, die die Hand eines älteren Patienten hält, mit verschwommenen steigenden Finanzdiagrammen im Hintergrund. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die neuen Mindestlohnsätze treten morgen in Kraft – basierend auf Empfehlungen der Pflegekommission. Die Bundesregierung will damit den Beruf attraktiver machen. Arbeitnehmervertreter sehen die Anpassungen kritisch: Sie gehen nicht weit genug, um den Fachkräftemangel zu stoppen.

Was Pflegekräfte künftig verdienen

Die gesetzlichen Lohnuntergrenzen steigen in drei Kategorien:

  • Pflegehilfskräfte: von 16,10 auf 16,52 Euro pro Stunde
  • Qualifizierte Hilfskräfte (mindestens einjährige Ausbildung): von 17,35 auf 17,80 Euro
  • Pflegefachkräfte: von 20,50 auf 21,03 Euro

Die Regelung ist bis September 2028 befristet. Eine weitere Erhöhung ist bereits festgelegt: Zum 1. Juli 2027 steigen die Sätze auf 16,95 Euro (Hilfskräfte), 18,26 Euro (qualifizierte Hilfskräfte) und 21,58 Euro (Fachkräfte). Der Anspruch auf neun Tage Zusatzurlaub pro Jahr bleibt bestehen.

Markt zahlt längst mehr

Die gesetzlichen Mindestlöhne sind für viele Arbeitgeber nur die Untergrenze. Eine Auswertung von über 18.000 Stellenanzeigen der Plattform Pflegia zeigt: Das durchschnittlich niedrigste Angebot für Pflegefachkräfte liegt bei 25,31 Euro pro Stunde – deutlich über der neuen Vorgabe.

Rund 97 Prozent der ausgeschriebenen Fachkraft-Stellen zahlen mehr als den neuen Mindestlohn. In Berlin sind es sogar 99 Prozent. Auch bei Hilfskräften sieht es ähnlich aus: Qualifizierte Hilfskräfte bekommen im Schnitt 20 Euro, ungelernte 19,69 Euro pro Stunde. Der Grund ist simpel: Der Wettbewerb um Personal zwingt Arbeitgeber, über das Minimum zu gehen.

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Gewerkschaft fordert mehr – Kassen unter Druck

ver.di bezeichnet die Erhöhungen als unzureichend. Angesichts der hohen Belastung in der Pflege seien kräftigere Sprünge nötig. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit geben ihnen recht: Rund 17.600 Vollzeitstellen sind derzeit unbesetzt. Bis 2049 könnten bis zu 690.000 Fachkräfte fehlen.

Gleichzeitig geraten die Pflegekassen in eine finanzielle Schieflage. Für 2026 wird eine Lücke von mindestens 2 Milliarden Euro erwartet – im Folgejahr könnten es bis zu 7,5 Milliarden sein. Gesundheitsministerin Nina Warken spricht von einem Sanierungsfall und verweist auf das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG).

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Höhere Kosten für Heimbewohner

Weil die Pflegeleistungen bis 2028 weitgehend eingefroren sind, treiben steigende Personalkosten die Eigenanteile in die Höhe. Bereits im Januar 2026 lag der durchschnittliche Eigenanteil bei 3.245 Euro pro Monat – 261 Euro mehr als im Vorjahr.

Geplante Maßnahmen wie ein Beitragszuschlag für Kinderlose (plus 0,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent) und Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige stoßen auf Kritik. Sozialverbände und die Rheuma-Liga warnen vor einer Destabilisierung der häuslichen Pflege. Sie fordern: Der Bund soll sich stärker an den Kosten beteiligen.

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