Pflege in Brandenburg: Beschäftigte fehlen im Schnitt 31,4 Tage
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Ausfalltage aufgrund psychischer Erkrankungen haben bei den versicherten Beschäftigten der Krankenkasse AOK binnen eines Jahrzehnts drastisch zugenommen.
Wie aus dem Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervorgeht, kletterte das Volumen psychisch bedingter Fehltage in den vergangenen zehn Jahren um knapp 42 Prozent. Während im Jahr 2016 noch 284 Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) je 100 Mitglieder verzeichnet worden waren, lag dieser Wert im Jahr 2025 bei 403 Tagen.
Auch die Diagnosen rund um das Burnout-Syndrom verzeichneten eine deutliche Zunahme: Die entsprechenden Ausfalltage stiegen seit 2016 um 77 Prozent von 11,0 auf 19,5 Tage je 100 AOK-Mitglieder.
Bei den psychischen Erkrankungen insgesamt registrierte die Kasse im Jahr 2025 zwar 14,1 AU-Fälle je 100 Mitglieder, diese waren jedoch von einer überdurchschnittlich langen Falldauer von 28,5 Tagen geprägt.
Zum Vergleich führten Atemwegserkrankungen zwar zu 80,3 Fällen je 100 Mitglieder, dauerten im Schnitt jedoch nur 5,7 Tage. Die längsten Fehlzeiten verursachte die Diagnosegruppe der Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, gefolgt von depressiven Episoden.
Belastungsspitzen im Dialogmarketing und in der Pflege
Über alle Krankheitsarten hinweg lag das Gesamtniveau der Ausfälle 2025 bei 23,3 AU-Tagen je AOK-Mitglied. Damit zeichnet sich eine leichte Entspannung ab, nachdem 2022 noch 24,5 Fehltage registriert worden waren und die Werte für 2023 sowie 2024 bei jeweils 23,9 Tagen lagen.
Wer sich mit der Zunahme von Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz befasst, muss frühzeitig gegensteuern, um die eigene Gesundheit zu schützen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt fünf Sofortmaßnahmen für mehr Ausgeglichenheit im stressigen Berufsalltag. Work-Life-Balance E-Book kostenlos herunterladen
Parallel dazu wuchsen die finanziellen Aufwendungen: Die Ausgaben für das Krankengeld beliefen sich im Jahr 2025 auf 21,6 Milliarden Euro, was einem Anteil von 6,1 Prozent an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Vor zehn Jahren lagen diese Ausgaben noch bei 11,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,2 Prozent.
Besonders exponiert zeigten sich bestimmte Berufsgruppen. Die höchsten Fallzahlen im Jahr 2025 traten laut WIdO im Dialogmarketing mit 39 AU-Fällen je 100 Mitglieder auf. Hohe Raten wiesen zudem die Haus- und Familienpflege mit 25,6 Fällen sowie die Altenpflege mit 24,9 Fällen auf.
Ergänzende Daten der Techniker Krankenkasse (TK) zeichnen für Pflegekräfte ein ähnliches Bild: TK-versicherte Pflegebeschäftigte kamen 2025 in Brandenburg im Schnitt auf 31,4 Fehltage – davon 29,6 in der Krankenpflege und 35,9 in der Altenpflege –, während der Durchschnitt über alle Berufe im Land bei 21 Tagen lag. In Berlin summierten sich die Fehltage bei Pflegekräften auf 26,9 Tage gegenüber 17,7 Tagen im Gesamtdurchschnitt aller dortigen TK-Versicherten.
Um psychische Belastungen im Betrieb frühzeitig zu erkennen und rechtssicher zu dokumentieren, sind klare Prozesse für Verantwortliche unerlässlich. Erfahrene Arbeitsschutz-Profis nutzen hierfür spezialisierte Vorlagen, um Überlastungsgefahren effektiv zu begegnen. Kostenloses Paket mit Excel-Gefährdungsbeurteilung sichern
Psychische Leiden rücken kassenübergreifend in den Fokus
Die Verschiebungen im Krankheitsgeschehen spiegeln sich auch in weiteren Erhebungen wider. Nach Erkenntnissen aus dem Report der DAK sind psychische Krankheiten im Jahr 2026 erstmalig die häufigste Ursache von Arbeitsausfällen; im Jahr 2024 standen dort im zweiten Jahr in Folge Depressionen an der Spitze der Fehltage.
In Österreich verwies die Studienautorin Christine Mayrhuber im Rahmen des Wifo-Fehlzeitenreports darauf, dass psychische Erkrankungen knapp zwölf Prozent aller Krankenstandstage ausmachen. Zudem machten Langzeitkrankenstände im Jahr 2024 zwar nur 3,1 Prozent aller Fälle aus, zeichneten aber für knapp 40 Prozent aller Krankenstandstage verantwortlich.
Ursachen für die Belastungen im Pflegebereich verdeutlicht ein Faktenblatt der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) auf Basis der Erwerbstätigenbefragung 2024. Im Vergleich zu anderen Berufen sind Pflegekräfte deutlich höheren psychischen wie physischen Reizen ausgesetzt: 66 bis 71 Prozent der Pflegekräfte berichteten über starken Termin- und Leistungsdruck (andere Berufe: 43 Prozent), und 61 bis 79 Prozent erlebten häufige Arbeitsunterbrechungen (andere Berufe: 43 Prozent).
Gefühlsmäßig belastende Situationen nannten 25 bis 29 Prozent der Pflegebeschäftigten, verglichen mit elf Prozent in den übrigen Berufsgruppen. Gleichzeitig verfügen sie über geringere Autonomie bei der Pausengestaltung, finden in ihrer Tätigkeit mit 92 bis 97 Prozent jedoch überdurchschnittlich oft einen ausgeprägten Sinn.
