Pestizid-Rückstände: Zwei Drittel der Tests zeigen verbotene Stoffe
19.06.2026 - 18:17:31 | boerse-global.de
Gleichzeitig scheitert die geplante Pestizid-Reform im Rat. Wissenschaftler schlagen Alarm.
Forscher warnen vor Schwächung des Vorsorgeprinzips
27 europäische Forschungseinrichtungen veröffentlichen eine kritische Analyse im Fachjournal „Science“. Unter Leitung der Universitäten Freiburg und Göteborg warnen die Experten vor einem Abbau von Schutzmechanismen.
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Ihr Hauptkritikpunkt: Das Reformpaket sieht den Wegfall der regelmäßigen Neubewertung von Pestizid-Wirkstoffen vor. Bisher war diese alle zehn Jahre Pflicht. Künftig droht eine unbegrenzte Zulassung ohne systematisches Monitoring. Die Forscher erinnern daran, dass seit 2011 insgesamt 59 Wirkstoffen die Neuzulassung verweigert wurde.
Die Wissenschaftler schlagen eine Alternative vor: jährlich 15 Millionen Euro über drei Jahre, um den Zulassungsstau zu beheben. Zudem fordern sie eine EU-weite Verteilung der Prüfaufgaben und öffentliche Studien.
Parlament stimmt für Lockerung bei Neuer Gentechnik
Einen Tag zuvor fällt eine weitreichende Entscheidung. Das EU-Parlament stimmt für eine Verordnung, die Pflanzen der Kategorie NGT-1 von strengen Zulassungsprüfungen und der Kennzeichnungspflicht befreit. Nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren sollen die neuen Regeln greifen.
Die Reaktionen sind heftig. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) sehen das Vorsorgeprinzip gebrochen. Ohne Kennzeichnung gehe die Transparenz für Verbraucher verloren. Bio-Landwirte stünden vor enormen Herausforderungen.
Auch Saatgutunternehmen warnen: Die wachsende Patentierbarkeit von Pflanzen schaffe neue Abhängigkeiten von großen Agrarkonzernen.
Hohe Pestizidbelastung in aktuellen Tests
Die politischen Debatten bekommen neue Nahrung durch konkrete Zahlen. Foodwatch testet im Mai 64 Produkte wie Gewürze, Tee und Reis in mehreren EU-Ländern. Ergebnis: Zwei Drittel der Proben enthalten Pestizide, die in der EU gar nicht zugelassen sind.
Besonders dramatisch ist die Lage bei Kräutern und Tees. In Kreuzkümmel-Proben findet sich das Herbizid Flamprop – bis zum 387-Fachen des erlaubten Grenzwerts. Auch 13 von 14 untersuchten Grün- und Weißtees weisen Rückstände verbotener Substanzen auf.
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Einigung bei Saatgutverordnung erzielt
Nicht alle Verhandlungen enden im Stillstand. EU-Kommission, Parlament und Rat einigen sich auf eine neue Saatgutverordnung. Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) begrüßt die Reform. Sie soll die Biodiversität durch regionale Sorten stärken und Regeln im Binnenmarkt vereinfachen.
Doch die Stimmung in der Branche bleibt angespannt. Umfragen zeigen: Rund 30 Prozent der europäischen Betriebe erwägen, ihr Sortenangebot zu reduzieren. Grund sind steigende bürokratische Anforderungen.
