Start-ups, Arbeitsmarkt

Pausder: Start-ups schaffen 100.000 neue Jobs in vier Jahren

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 21:13 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Chefin des Deutschen Start-up-Verbands, Verena Pausder, sieht in der deutschen Start-up-Szene ein großes Beschäftigungspotenzial und fordert mehr Kapital und weniger Bürokratie für Gründer. Zugleich verweist sie auf konkrete Beispiele aus Raumfahrt und Energietechnologie, die Europas Rolle stärken sollen.

Start-up-Verbandschefin: 100.000 neue Jobs durch Start-ups
Verena Pausder (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Chefin des Deutschen Start-up-Verbands, Verena Pausder, sieht in der Start-up-Branche ein erhebliches Potenzial für zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland. In den großen Start-ups seien in den vergangenen vier Jahren 100.000 neue Stellen entstanden, sagte sie im „Interview der Woche“ der ARD.

Pausder erwartet weiteren Beschäftigungszuwachs

Vor diesem Hintergrund geht Pausder davon aus, dass Wirtschaftskraft und Zahl der geschaffenen Jobs in den kommenden Jahren deutlich weiter steigen werden. Allein im ersten Halbjahr seien 3.000 Tech-Start-ups gegründet worden. Den aktuellen Gründungsboom führt sie jedoch nicht auf politische Entscheidungen zurück, sondern darauf, dass er sich trotz der Rahmenbedingungen entwickelt habe.

Kritik an langen Gründungsprozessen

Pausder betont, dass Gründungen in Deutschland oft wochenlang dauern, während dies in anderen EU-Ländern innerhalb von 24 Stunden möglich sei. Die Vielzahl neuer Unternehmen sei daher eher Ausdruck eines starken Gründungswillens als eines besonders gründerfreundlichen Umfelds. Die Verbandschefin spricht von einem „enormen Wunsch, Neues in die Welt zu setzen“ und verweist auf eine wachsende Bereitschaft, berufliche Sicherheit zugunsten von Unternehmertum aufzugeben.

Beispiele Isar Aerospace und Proxima Fusion

Als Beispiele für optimistisch getriebene Start-ups nennt Pausder das Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace, das bald bis zu 40 Trägerraketen für Satelliten pro Jahr bauen könnte. Zudem verweist sie auf Proxima Fusion, das an einem ersten Fusionskraftwerk in Deutschland mit magnetbasierter Technologie arbeitet. Diese Firmen stünden für den Anspruch, die Welt zu verbessern und Europa technologisch stärker sichtbar zu machen.

Win-Initiative und Investitionen in Venture Capital

Pausder erkennt in der Bundesregierung ein Umdenken und verweist auf die Win-Initiative, die noch von der Ampelregierung angestoßen wurde. Demnach wollen Versicherungen und Pensionskassen 12,5 Milliarden Euro direkt in Venture Capital investieren. Bislang seien jedoch erst 2,3 Milliarden Euro zugesagt worden.

Forderung nach mehr Tempo bei Kapitalzusagen

Aus Sicht der Verbandschefin müsste die Politik stärker nachfragen, warum die zugesagten Mittel noch nicht vollständig bereitstehen. Sie schlägt vor, die beteiligten Akteure ins Kanzleramt einzuladen und gezielt zu klären, wie die Umsetzung beschleunigt werden kann. Kapital aus Versicherungen und Pensionskassen sei besonders attraktiv, weil es weder aus dem Bundeshaushalt stamme noch aus Steuergeldern.

Gründungen an Hochschulen vereinfachen

Pausder fordert zudem, Gründungen direkt an Universitäten einfacher zu machen. Derzeit sei vieles zu komplex, es fehlten Standardverträge und klare Regelungen zur Beteiligung von Professoren und Hochschulen. Gerade dort liege jedoch „das Gold unseres Landes“, mit Weltklasse-Forschung und Innovationen in zentralen Zukunftsfeldern.

Hochschulen als Gründungsquelle

Nach Ansicht der Chefin des Deutschen Start-up-Verbands könnten wissenschaftliche Einrichtungen eine noch stärkere Rolle für die Entstehung neuer Unternehmen spielen. Vereinfachte Abläufe und transparente Beteiligungsmodelle sollen dazu beitragen, dass mehr Ideen aus der Forschung in marktfähige Produkte und Dienstleistungen überführt werden.

Die Aussagen von Verena Pausder fallen in eine Phase, in der die deutsche Politik verstärkt darüber diskutiert, wie mehr privates Kapital in Zukunftstechnologien und junge Unternehmen gelenkt werden kann. Der Deutsche Start-up-Verband hatte wiederholt kritisiert, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei Wagniskapital und digitalen Verwaltungsprozessen zurückliegt. Pausders Hinweis auf lange Gründungsdauern und bürokratische Hürden knüpft an diese Debatte an.

Start-up-Dynamik und Arbeitsmarkt

Die Zahl von 100.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen in großen Start-ups innerhalb von vier Jahren unterstreicht die wachsende Rolle junger Technologieunternehmen für Beschäftigung und Innovation. Gleichzeitig verweist Pausder auf rund 3.000 neu gegründete Tech-Start-ups allein im ersten Halbjahr, was auf einen anhaltenden Gründungsboom hindeutet. Vor dem Hintergrund eines Fachkräftemangels in vielen Branchen werden Start-ups zunehmend als Motor für neue, hochqualifizierte Jobs und für die Ansiedlung zukunftsträchtiger Technologien in Deutschland gesehen.

Kapital, Universitäten und Risiko-Kultur

Mit der Win-Initiative rückt Pausder ein zentrales Instrument in den Fokus, das Versicherungen und Pensionskassen ausdrücklich ermutigen soll, Milliardenbeträge in Wagniskapital zu investieren. Dass bislang nur ein Teil der zugesagten Summe mobilisiert wurde, zeigt, wie zögerlich institutionelle Investoren noch agieren. Zugleich macht Pausder die Hochschulen als bisher unzureichend genutzte Quelle für Gründungen aus: Komplexe Beteiligungsregeln und fehlende Standardverträge bremsen den Transfer von Spitzenforschung in marktfähige Produkte. Ihre Bemerkung, „Krisenzeiten sind auch Unternehmerzeiten“, spiegelt die Beobachtung wider, dass Unsicherheit im klassischen Arbeitsmarkt die Bereitschaft vieler Menschen erhöht, ein eigenes Unternehmen zu wagen.

Ausblick für Standort Deutschland

Die Beispiele Isar Aerospace und Proxima Fusion stehen für Start-ups, die in strategischen Zukunftsfeldern wie Raumfahrt und Energietechnologie aktiv sind und den Anspruch haben, Europa technologisch sichtbarer zu machen. Pausders Forderung nach stärkerer politischer Unterstützung und weniger Risikoaversion zielt darauf, dass Deutschland sich im internationalen Wettbewerb um die innovativsten Gründungen und die klügsten Köpfe nicht abhängen lässt. Entscheidend wird sein, ob regulatorische Bremsen gelockert, Kapitalströme beschleunigt und die Potenziale der Hochschulen für Gründungen systematisch erschlossen werden.

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