Parkinson, Berufskrankheit

Parkinson als Berufskrankheit: Kabinett beschließt Anerkennung für Pestizidkontakt

12.06.2026 - 13:23:01 | boerse-global.de

Das Bundeskabinett erkennt Parkinson als Berufskrankheit an. Betroffene mit Pestizidkontakt erhalten Zugang zu Unfallversicherungsleistungen.

Parkinson als Berufskrankheit: Bundeskabinett beschließt Neuregelung
Parkinson - Eine Nahaufnahme einer verwitterten Bauernhand auf einem Pestizidsprühgerät, mit einem unscharfen Feld im Hintergrund. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Neuregelung betrifft Menschen, die in ihrem Job über längere Zeit bestimmten Pestiziden ausgesetzt waren. Die Bundesregierung folgt damit einer Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats.

Wer profitiert von der Neuregelung?

Die Anerkennung ist an klare Bedingungen geknüpft. Betroffene müssen mindestens 100 Tage Kontakt mit relevanten Pestiziden nachweisen. Die Regelung zielt auf Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft, im Gartenbau sowie in der Schädlingsbekämpfung und Landschaftspflege.

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Durch die Einstufung erhalten Betroffene Zugang zu Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Dazu zählen medizinische Reha-Maßnahmen und ein Anspruch auf Unfallrente. Die Anerkennung erfolgt nicht automatisch – im Einzelfall sind ärztliche Nachweise über den Zusammenhang zwischen Beruf und Erkrankung nötig.

Fast 1.000 Fälle bereits anerkannt

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat mit Stand 31. Mai bereits 967 Fälle offiziell anerkannt. Weitere 1.676 Verfahren befinden sich in der Bearbeitung. Die Parkinson-Stiftung verweist auf Untersuchungen, wonach regelmäßiger Pestizidkontakt das Erkrankungsrisiko verdoppeln kann.

Mit der Entscheidung holt Deutschland zu europäischen Nachbarn auf. In Frankreich und Italien wird Parkinson bereits seit mehr als zehn Jahren unter vergleichbaren Bedingungen als Berufskrankheit anerkannt.

Kritik aus der Wirtschaft

Um die finanzielle Belastung der Landwirtschafts-Sozialversicherung abzufedern, stellt der Bund für 2025/2026 einen Zuschuss von 20 Millionen Euro bereit. Dennoch gibt es Vorbehalte aus der Wirtschaft. Der Deutsche Bauernverband und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zweifeln an der wissenschaftlichen Belastbarkeit der 100-Tage-Grenze. Zudem befürchtet die Branche langfristig steigende Kosten.

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Die Verordnung muss noch den Bundesrat passieren. Dieser beriet heute auch über weitere Sparpakete im Gesundheitswesen – mehrere Bundesländer kündigten bereits Widerstand gegen Kürzungspläne an.

Teil größerer Sozialreformen

Die Anerkennung von Parkinson steht im Kontext umfassender Reformen im Sozial- und Gesundheitssektor. Bundeskanzler Merz betonte gestern im Bundestag die Notwendigkeit von Modernisierungen der Sozialversicherungen. Der Zuschussbedarf für die Rentenkassen wird 2026 auf rund 120 Milliarden Euro geschätzt. Die Koalition plant bis zur Sommerpause ein Gesamtpaket zu Arbeitsmarkt-, Steuer- und Rentenreformen. Während die Regierung um Verständnis wirbt, kritisieren Oppositionsparteien die Pläne als sozialen Rückschritt.

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