Österreich plant Lohnnebenkosten-Senkung: 1,5 Mrd. Euro ab 2028
23.06.2026 - 00:01:28 | boerse-global.de
Die Gegenfinanzierung sorgt jedoch für massive Kritik.
Das Paket aus ÖVP, SPÖ und Neos liegt seit dem 10. Juni im Nationalrat. Im Zentrum steht die Entlastung der Unternehmen. Doch die Begleitmaßnahmen stoßen auf breiten Widerstand.
Höhere Steuern für große Gewinne
Anzeige: Die geplante Lohnnebenkosten-Senkung ab 2028 bringt Entlastung, doch die Gegenfinanzierung durch höhere Körperschaftsteuer und Bankenabgabe belastet viele Unternehmen. Wer jetzt seine Steuer- und Personalstruktur optimiert, kann die Nettoentlastung maximieren. Jetzt kostenlosen Optimierungs-Report anfordern
Die Senkung soll vor allem durch eine Reform der Körperschaftsteuer finanziert werden. Der Regelsatz bleibt bei 23 Prozent. Für Gewinne über einer Million Euro gilt ab 2027 ein Satz von 24 Prozent.
Die Regierung erwartet dadurch Mehreinnahmen von 200 Millionen Euro im Jahr 2027 und rund 350 Millionen Euro ab 2028.
Zusätzlich wird die Bankenabgabe befristet angehoben. In den Jahren 2027 und 2028 soll sie jeweils 300 Millionen Euro einbringen. 2029 sinkt sie auf 90 Millionen Euro.
Die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammer kritisieren die Pläne scharf. Zwar begrüßen sie die Entlastung bei den Lohnnebenkosten, die höhere Körperschaftsteuer sehen sie jedoch als investitionshemmend. Der Rechtsanwaltskammertag warnt vor einer abschreckenden Wirkung auf internationale Investoren.
Fiskalrat: Defizitziele in Gefahr
Die Oesterreichische Nationalbank und der Fiskalrat sehen ein hohes Risiko, dass das Budgetdefizit bis 2028 nicht unter die 3-Prozent-Marke fällt. Der Fiskalrat prognostiziert für 2026 ein Defizit von 3,9 Prozent. Bis 2028 soll es lediglich auf 3,8 Prozent sinken.
Um das Defizitverfahren erfolgreich zu beenden, wäre eine zusätzliche Konsolidierung von 5,7 Milliarden Euro nötig. Hauptursachen für die angespannte Haushaltslage sind steigende Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Pensionen sowie wachsende Zinslasten und die allgemeine Wachstumsschwäche.
Rechnungshof vermisst Reformen
Der Rechnungshof übt fundamentale Kritik am Budgetpaket. In einer Stellungnahme bemängelt er, dass echte Reformen in Bildung, Energie, Pflege und Gesundheit fehlten. Stattdessen erhöhe die Regierung die Steuerrechtskomplexität.
Besonders kritisch sieht der Rechnungshof die Abschaffung der Telearbeitspauschale und den Wegfall der Sachbezugs-Befreiung für Elektro-Dienstwagen. Der ÖAMTC warnt, dass letzteres die Elektromobilität ausbremst.
Auch das zweite verpflichtende Kindergartenjahr in Wien steht in der Kritik. Die veranschlagten 80 Millionen Euro reichen laut Experten nicht aus.
Arbeitnehmervertreter laufen Sturm
Der Österreichische Gewerkschaftsbund und die Arbeiterkammer kritisieren die Belastung niedriger Einkommen. Die Anpassung der Familienleistungen an die Inflation bleibe im dritten Jahr in Folge aus. Zudem drohten Kürzungen bei der Notstandshilfe.
Anzeige: Budgetdefizit von 3,8 Prozent bis 2028? Der Fiskalrat warnt: Ohne zusätzliche Konsolidierung von 5,7 Milliarden Euro droht ein Defizitverfahren. Unternehmen müssen jetzt ihre Finanzplanung anpassen, um steigende Zinslasten und Reformstau zu kompensieren. Finanzplanungs-Leitfaden jetzt sichern
Der ÖGB fordert erneut die Einführung von Vermögenssteuern zur Budgetsanierung.
Weitere Kritikpunkte: die geplante Anhebung der Alkoholsteuer und Änderungen im Pensionssystem. Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst kritisiert die Senkung der Grenze für den Pensionssicherungsbeitrag von 150 auf 100 Prozent. Für betroffene Pensionisten könnte das eine Belastung von über 1.000 Euro pro Jahr bedeuten.
Der Seniorenrat schließt sich der Kritik an. Die Regierung steht vor der Herausforderung, das Paket im Parlament gegen den Widerstand nahezu aller Interessengruppen zu verteidigen.
