Merz fordert Plaza-Abkommen 2.0: EU soll gegen Chinas Währung handeln
23.06.2026 - 00:01:02 | boerse-global.de
Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach könnte das deutsche BIP bis 2028 um 43 Milliarden Euro höher liegen – bei einem fairen Wechselkurs.
Die Simulation, gefördert vom Auswärtigen Amt, rechnet mit einer Yuan-Aufwertung von 40 Prozent gegenüber dem Euro. Das wäre nötig, um die Wettbewerbsverzerrungen im bilateralen Handel zu korrigieren.
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Chinas Währungsmanagement als Subvention
IW-Experte Jürgen Matthes sieht im aktuellen Kursmanagement einen massiven Eingriff in den freien Welthandel. „Die Unterbewertung fungiert faktisch wie eine Subvention für chinesische Exporte", so Matthes. Gleichzeitig erschwere sie deutschen Firmen den Marktzugang in China.
Das Handelsdefizit Deutschlands mit China lag 2025 bei rund 90 Milliarden Euro. Eine Yuan-Aufwertung könnte laut Studienautoren auch Peking nützen: Sie stärkt die Kaufkraft chinesischer Konsumenten und fördert die Binnennachfrage.
Merz fordert „Plaza-Abkommen 2.0"
Bundeskanzler Friedrich Merz macht jetzt Druck. Vor dem EU-Gipfel sprach er sich für eine entschlossene Reaktion aus. Sein Vorbild: das Plaza-Abkommen von 1985, das den Dollar damals gezielt abwertete. Merz fordert von der EU-Kommission schärfere handelspolitische Schutzinstrumente.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil untermauerte die Position bei einer Rede in Berlin. Er kritisierte unfaire Handelspraktiken und drängte auf einen neuen Kurs gegenüber Peking. Neben der Währungsthematik forderte Klingbeil mehr Unabhängigkeit bei digitaler Infrastruktur und KI-Forschung.
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Die EU-Kommission plant bereits ein Instrument, um die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen aus China zu reduzieren. Peking hatte im April 2025 Exportkontrollen verhängt. Das gesamte EU-Handelsdefizit mit China lag 2025 bei 360 Milliarden Euro.
IfW warnt vor Eskalation
Nicht alle Ökonomen teilen den Kurs. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel warnt vor protektionistischen Maßnahmen. Die Forscher Julian Hinz und Katharina Erhardt sehen erhebliche Risiken durch Zölle und Anti-Dumping-Verfahren.
Ihre Sorge: eine zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft und mögliche Gegenreaktionen Chinas. Statt auf Handelsbarrieren zu setzen, empfehlen die Kieler Experten mehr Innovationen für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit.
China baut parallel an einer eigenen Finanzinfrastruktur. Systeme wie CIPS und verstärkte Yuan-Swap-Linien sollen die globale Rolle der Währung unabhängig vom westlichen Finanzsystem ausweiten.
