Paketsteuer, Euro

Österreich-Handel: Paketsteuer 2,40 Euro ab Oktober belastet Amazon und Otto

22.06.2026 - 20:03:37 | boerse-global.de

Österreich führt Paketsteuer ein, EU-Zölle steigen. Große Händler wie Amazon und Otto klagen gegen die neuen Abgaben.

Österreich-Paketsteuer 2026: Neue Belastungen für Amazon & Otto
Paketsteuer - Eine grafische Darstellung des grenzüberschreitenden Handels zwischen Deutschland und Österreich mit digitalen Linien und Steuersymbolen. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders große Händler wie Amazon und Otto müssen mit deutlichen Mehrkosten rechnen.

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Unterschiedliche Regeln für Garantie und Reparatur

Bei reinen Garantiefällen fällt in Österreich keine Umsatzsteuer an. Anders sieht es bei Widerrufen aus: Hier ist eine formale Rechnungskorrektur zwingend erforderlich, sonst drohen Probleme beim Vorsteuerabzug.

Kostenpflichtige Reparaturen erfordern besondere Aufmerksamkeit. Unternehmen müssen entweder mit österreichischer Umsatzsteuer fakturieren oder das Reverse-Charge-Verfahren anwenden. Die spezifischen Beleganforderungen sind dabei entscheidend für eine rechtssichere Abwicklung.

Paketsteuer ab Oktober: 2,40 Euro pro Sendung

Ab dem 1. Oktober 2026 führt Österreich eine nationale Paketsteuer ein. Pro Paket werden 2,40 Euro inklusive Umsatzsteuer fällig. Betroffen sind große Online-Händler mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro – schätzungsweise 16 Unternehmen.

Die Einnahmen von rund 280 Millionen Euro jährlich sollen eine Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel gegenfinanzieren. Die Branche reagiert skeptisch: Otto hat bereits eine Klage angekündigt, auch Amazon, eBay und Zalando haben rechtliche Vorbehalte angemeldet.

Zusätzliche Gebühren aus Brüssel

Doch damit nicht genug. Ab Juli kommt ein EU-Pauschalzoll von 3 Euro pro Sendung aus Drittstaaten hinzu. Im November folgt eine EU-Handling-Fee von 2 Euro. Und zum 1. Juli 2026 fällt die Zollfreigrenze für Kleinsendungen bis 150 Euro Warenwert weg.

Amazon reagiert bereits: Der Konzern erhebt eine Pflichtgebühr pro Zollposition für den Direktversand aus Nicht-EU-Ländern.

Rekordumsätze trotz Hindernissen

Der österreichische E-Commerce wächst trotz der regulatorischen Verschärfungen. Die aktuelle E-Commerce-Studie 2026 des Handelsverbands weist für Mai 2025 bis April 2026 Online-Ausgaben von 12,3 Milliarden Euro aus – ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 24 Prozent mehr als 2023.

Rund 5,8 Millionen Österreicher kaufen online ein. Der Mobile Commerce legte massiv um 32 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro zu. Bemerkenswert: 47 Prozent der Ausgaben (rund 5,8 Milliarden Euro) fließen an Händler außerhalb Österreichs. Allein 1,3 Milliarden Euro landen in China bei Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress.

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Strengere Regeln für Betriebsprüfungen

Auch die allgemeinen Steuerprozesse werden verschärft. Eine Reform vom Mai 2026 verpflichtet Betriebe, nach einer Betriebsprüfung proaktiv zu prüfen, ob festgestellte Fehler auch in vorangegangenen Zeiträumen aufgetreten sind. Die Fristen sind kurz: zwei bis vier Wochen. Bei Nichteinhaltung drohen Verzögerungsgelder von bis zu 25.000 Euro.

E-Rechnung wird Pflicht

Die Digitalisierung des Meldewesens schreitet voran. Seit dem 1. Januar 2025 besteht eine Empfangspflicht für E-Rechnungen im B2B-Bereich. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Umsatz von über 800.000 Euro E-Rechnungen ausstellen, ab dem 1. Januar 2028 gilt dies für alle Marktteilnehmer.

Branchenverbände wie der Verband elektronische Rechnung (VeR) empfehlen in einem Strategiepapier vom Mai 2026, künftige digitale Meldesysteme konsequent auf bestehende Infrastrukturen wie Peppol aufzubauen. Das Ziel: Parallelprozesse vermeiden.

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