Defizit, Finanzminister

Österreich-Budget 2027/ 28: Defizit auf 3,0 Prozent bis 2028

10.06.2026 - 19:33:29 | boerse-global.de

Finanzminister Marterbauer präsentiert Sparpaket zur Defizitreduktion auf drei Prozent bis 2028, trotz steigender Schuldenquote.

Österreichs Budget 2027/28: Sparen für Maastricht-Vorgaben
Defizit - Eine grafische Darstellung eines Finanzdiagramms, das einen Abwärtstrend im Defizit zeigt, mit subtilen österreichischen Farben im Hintergrund. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ziel: Das gesamtstaatliche Defizit bis 2028 auf die Maastricht-Grenze von 3,0 Prozent des BIP drücken. Damit soll das laufende EU-Defizitverfahren beendet werden. Netto will die Regierung 2,5 Milliarden Euro einsparen – durch Umschichtungen, Kürzungen im Klimabereich und eine Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028.

Schulden steigen trotz Sparens

Der Plan sieht eine schrittweise Reduktion des Defizits vor: von prognostizierten 4,2 Prozent im Jahr 2025 auf 3,5 Prozent 2027 und schließlich 3,0 Prozent 2028. Das Bundesdefizit allein liegt 2027 bei 15,5 Milliarden Euro, 2028 bei 13,2 Milliarden Euro.

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Doch die Schuldenquote steigt kurzfristig weiter – von 82,9 Prozent 2026 auf 83,6 Prozent 2027 und 83,8 Prozent 2028. Bis 2031 könnte sie sogar auf 85 Prozent klettern, die Zinslast dann auf 2,5 Prozent des BIP wachsen. Marterbauer spricht von einem „Budget ohne Puffer“ – stark abhängig von Konjunktur und geopolitischen Risiken.

Unternehmen und Banken zahlen

44 Prozent der Konsolidierung tragen Unternehmen und Banken. Kernstück: eine progressive Körperschaftsteuer ab 2028. Liegen Gewinne über einer Million Euro, steigt der Steuersatz von 23 auf 24 Prozent. Das soll 2028 Mehreinnahmen von 200 Millionen Euro bringen, später bis zu 350 Millionen.

Die Bankenabgabe wird bis 2029 verlängert – jährlich 300 Millionen Euro für den Staat. Hinzu kommen höhere Dividenden staatlicher Beteiligungen: 143 Millionen von der ÖBAG, 160 Millionen vom Verbund. Und der Gewinnfreibetrag wird von 2027 bis 2029 auf Realwirtschaftsgüter beschränkt – weitere 200 Millionen.

Lohnnebenkosten runter, Beiträge rauf

Die große Ankündigung: eine Senkung der Lohnnebenkosten um zwei Milliarden Euro ab 2028. Möglich machen soll das ein Prozentpunkt weniger beim Familienlastenausgleichsfonds (FLAF). Zur Gegenfinanzierung zahlen Unternehmen künftig FLAF-Beiträge auch für Mitarbeiter über 60 – das bringt 500 Millionen Euro.

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Doch Arbeitnehmer und Geringverdiener werden stärker belastet. Die Arbeitslosenversicherungsbeiträge steigen für sie – bis zu 380 Millionen Euro jährlich für den Bund. Die Höchstbeitragsgrundlage in der Sozialversicherung wird um 200 Euro angehoben. Und die Pensionsanpassung bleibt unter der Inflationsrate – das entlastet das Budget um 559 Millionen Euro. Familienleistungen werden zwei Jahre nicht an die Inflation angepasst.

Klimaförderung gekürzt, Sicherheit gestärkt

Die dicksten Einsparungen auf der Ausgabenseite treffen den Umweltbereich: 2027 werden die Fördermittel um 405 Millionen auf 965 Millionen Euro gekürzt. Der Fördersatz für Wärmepumpen sinkt von 30 auf 20 Prozent. Die „Geräte-Retter-Prämie“ fällt ganz weg.

Auch bei der Digitalisierung von Schulen wird gespart: Tablets gibt es künftig erst ab der 6. statt der 5. Schulstufe – Einsparung von 80 Millionen Euro bis 2028.

Mehr Geld fließt dagegen in Sicherheit und Bildung – zumindest teilweise. Das Verteidigungsbudget steigt auf ein Prozent des BIP, ein Plus von fast 390 Millionen Euro für 2027. Auch für Pflege, Arbeitsmarkt und ein zweites kostenloses Kindergartenjahr sind zusätzliche Mittel vorgesehen. Die Unibudgets werden dagegen 2027 um rund 135 Millionen Euro gekürzt. Marterbauer spricht von einer „konjunkturschonenden Sanierung“.

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