Österreich ab Juli: Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittel auf 4,9%
26.06.2026 - 19:48:13 | boerse-global.de
In Österreich tritt am 1. Juli eine komplexe Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittel in Kraft. In Deutschland sorgt derweil ein Vorschlag zur Reform der Minijobs für Unruhe.
Österreich: Günstigere Semmeln, teure Laugenstangen
Ab Juli gilt in Österreich für viele Lebensmittel ein reduzierter Steuersatz von 4,9 Prozent statt bisher 10 Prozent. Die Wirtschaft ist alles andere als begeistert. Der Grund: Die Einstufung orientiert sich an Zoll-Codes, nicht an Produktnamen.
Die Folge ist absurd. Einfache Semmeln werden günstiger, Laugenstangen und Croissants nicht. Naturjoghurt und Butter profitieren, Fruchtjoghurt und Kräuterbutter bleiben teuer. Der Lebensmittelhandel hat bereits rund 6 Millionen Euro in die technische Umstellung investiert. Kleine Händler zahlen pro Kasse 4.000 bis 5.000 Euro.
Auch die Gastronomie schlägt Alarm. Die Steuersenkung gilt primär für Mitnahme-Produkte. Wer im Restaurant isst, zahlt weiter den höheren Satz. Wirte befürchten einen Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Außer-Haus-Verkauf.
Deutschland: Minijobs vor dem Aus?
Ein Vorschlag der Rentenkommission sorgt in Deutschland für Diskussionen. Die Idee: Minijobs stärker in die Sozialversicherungspflicht einbinden oder ganz abschaffen. Aktuell gibt es rund 6,8 Millionen Minijobber, im März waren es sogar 7,51 Millionen.
Konkret würde das bedeuten: Bei einem Monatsverdienst von 603 Euro würden Eigenbeiträge fällig. Das Nettoeinkommen könnte auf rund 547 Euro sinken. Gastronomie-Experte Kemal Üres warnt vor den Folgen. Flexible Arbeitsmodelle seien für die Branche unverzichtbar, um Urlaubs- und Krankheitszeiten abzufedern. Ohne diese Flexibilität drohten Betriebsschließungen bis zum Winter.
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Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet zudem mit einem Anstieg der Schwarzarbeit. Das Volumen der Schattenwirtschaft könnte 2027 um etwa 25 Milliarden Euro zunehmen.
Zusätzliche Belastung durch Rentenreform
Die Minijob-Debatte ist nicht alles. Ab 2028 soll ein verpflichtender Zusatzbeitrag von 2 Prozent für eine kapitalgedeckte Rentensäule kommen. Kritiker warnen vor einer doppelten Belastung der jungen Generation: Sie zahlen für heutige Rentner und müssen gleichzeitig selbst vorsorgen. Steigende Lohnnebenkosten könnten zudem das Wirtschaftswachstum schwächen.
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Hamburg als warnendes Beispiel
Die wirtschaftliche Lage ist bereits angespannt. Hamburg zeigt, wie es laufen kann. 2025 verzeichnete die dortige Gastronomie 105 Insolvenzen – ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2024. Neben steigenden Kosten machen Baustellen und mangelnde Planungssicherheit den Betrieben zu schaffen.
Positive Signale für Reiseanbieter
Es gibt auch gute Nachrichten. Die Bundesregierung plant, die Entgelte für den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) zu halbieren. Ab November 2026 sinkt der Beitragssatz auf 0,25 Prozent des Umsatzes. Das entlastet die Branche um jährlich rund 70 Millionen Euro. Der Schritt kommt nach einer Phase hoher Belastungen: Nach der FTI-Insolvenz 2024 regulierte der DRSF Ansprüche von rund 172.000 Antragstellern in Höhe von etwa 245 Millionen Euro.
