Öffentlicher Dienst: 2,5 Millionen bekommen 5,5% mehr Gehalt
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 17:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Tabellenentgelte steigen um 5,5 Prozent. Doch die Bundesregierung kündigte im Juli 2026 weitere strukturelle Änderungen an – mit Folgen für Bürokratie, Befristungen und Krankschreibungen.
Was Beschäftigte jetzt verdienen
Die neuen Gehaltssätze zeigen deutliche Unterschiede je nach Entgeltgruppe. In der EG 3 (Stufe 1) liegt das Einstiegsgehalt bei 2.340 Euro brutto. Beschäftigte in der EG 5 erhalten 2.750 Euro, in der EG 9a sind es 3.540 Euro. Im höheren Dienst verdienen Angestellte in der EG 13 rund 5.010 Euro, in der EG 15 bis zu 6.200 Euro.
Neben dem Grundgehalt gibt es eine Jahressonderzahlung zwischen 60 und 90 Prozent des Septembergehalts. Der Urlaubsanspruch beträgt 30 Tage bei einer Fünf-Tage-Woche. Im Juni wird ein zusätzliches Urlaubsgeld von 255,65 Euro ausgezahlt. Die regelmäßige Arbeitszeit liegt beim Bund bei 39 Stunden pro Woche – in den meisten Kommunen ebenso.
Kanzler Merz kündigt Reformpaket an
In einer Regierungserklärung am 9. Juli 2026 skizzierte Bundeskanzler Merz weitreichende Pläne für den öffentlichen Sektor. Ein Kernpunkt: der Bürokratieabbau. Die Beweislast bei Berichtspflichten soll umgekehrt werden. Zudem sollen Genehmigungen künftig nach vier Monaten automatisch als erteilt gelten – eine sogenannte Genehmigungsfiktion.
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Für die Personalplanung ist eine Ausweitung der sachgrundlosen Befristung geplant. Diese soll auf bis zu 48 Monate verlängert werden können – befristet bis 2030. Die Kommunen dürfen sich über finanzielle Entlastung freuen: Kosten aus Landesleistungsgesetzen will der Bund zu einem hohen Prozentsatz ausgleichen.
Neue Regeln bei Krankheit und Versicherung
Am 10. Juli 2026 verabschiedete der Bundestag das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Ab dem 1. Januar 2027 wird ein Teilkrankengeld eingeführt. Versicherte können dann bei einer Teilkrankschreibung in drei Stufen (25, 50 oder 75 Prozent) wieder arbeiten – vorausgesetzt, Arzt und Arbeitgeber stimmen zu. Der Höchstsatz für das Krankengeld liegt 2026 bei 135,63 Euro brutto pro Tag.
Die Bundesregierung plant zudem eine Verschärfung der Attestpflicht. Arbeitnehmer sollen künftig schon ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen müssen. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Für Beamte gilt vorerst die alte Regelung: Ein Attest ist nur auf Verlangen des Dienstvorgesetzten nötig. Juristen weisen auf das Günstigkeitsprinzip hin – bestehende Arbeitsverträge mit besseren Regelungen könnten geschützt sein.
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Ausblick: Tarifrunde 2027 und regionale Entwicklungen
Die nächste große Tarifrunde für den TVöD wird Anfang 2027 erwartet. Schon jetzt zeichnen sich in Teilbereichen Entwicklungen ab. Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Niedersachsen gibt es eine Einigung: Ab 2028 sinkt die Arbeitszeit auf 38,5 Stunden. Das Urlaubsgeld steigt dort bereits 2026 auf 600 Euro.
Für untere und mittlere Einkommensgruppen stellt die Politik steuerliche Entlastungen in Aussicht. Eine Familie mit 60.000 Euro Jahreseinkommen könnte ab 2027 rund 600 Euro pro Jahr weniger zahlen. Gleichzeitig steigen die Zuzahlungen bei Medikamenten auf mindestens 7,50 und maximal 15 Euro. Auch sinkende Festzuschüsse beim Zahnersatz werden erwartet.
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