NIS-2-Frist verstrichen: 29.500 Unternehmen drohen Bußgelder bis 10 Mio.
16.06.2026 - 19:57:33 | boerse-global.de
Die Fristen für IT-Sicherheit und Entgelttransparenz sind bereits verstrichen. Gleichzeitig zeigt ein Rechtsstreit in Bremen die praktischen Probleme beim Whistleblowing.
Whistleblower-Klage: Kündigung sorgt für Streit
Der Fall von Fred Göcken beschäftigt das Arbeitsgericht Bremen. Der ehemalige Mitarbeiter des Jobcenters wurde entlassen, nachdem er dem ZDF über angebliche Missstände bei Leistungsbeziehern berichtet hatte. Er sprach von einer hohen Quote falscher Angaben.
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Das Jobcenter wirft ihm die Behauptung falscher Tatsachen vor. Eine Einigung kam bisher nicht zustande. Der Fall zeigt: Die EU-Whistleblower-Richtlinie und das deutsche Hinweisgeberschutzgesetz schaffen zwar Rechte – in der Praxis kollidieren sie aber mit Loyalitätspflichten der Arbeitnehmer.
KI automates Compliance: Start-up sammelt Millionen ein
Die Lösung für wachsende Regulierungsflut heißt Automatisierung. adesso ventures beteiligt sich am Berliner Start-up ComplyDo. Das Unternehmen wurde 2025 von Moritz Moser, Matthias Schneider und Leo Schuhmann gegründet.
Ihre Plattform nutzt agentische KI für Governance-, Risiko- und Compliance-Prozesse. Das System soll den manuellen Aufwand für Vorgaben wie NIS-2, den AI Act oder den BSI-Standard C5 um über 80 Prozent reduzieren. Weitere Investoren: Y Combinator und Gokul Rajaram.
NIS-2 und Co.: Diese Fristen sind schon abgelaufen
Das NIS2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz ist seit Dezember 2025 in Kraft. Rund 29.500 Einrichtungen in 18 Sektoren sind betroffen – alle mit mindestens 50 Mitarbeitern oder zehn Millionen Euro Jahresumsatz. Die Registrierungsfrist beim BSI endete am 6. März 2026.
Was droht bei Verstößen? Bußgelder bis zu zehn Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Die Geschäftsleitung haftet persönlich. Auch kleinere Unternehmen geraten über Lieferkettensicherheit in die Pflicht.
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie hätte Deutschland bis zum 7. Juni 2026 umsetzen müssen. Die Bundesregierung plant eine gesetzliche Regelung nun für Anfang 2027. Weitere Neuerungen: Die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing soll ab September 2026 gelten. In der Schweiz wurden bereits Geldwäscheregeln und ein Transparenzregister verabschiedet.
Cybercrime explodiert: KI-Phishing und Datenlecks
Die Bedrohungslage verschärft sich dramatisch. Sparkassen verzeichnen seit Jahresbeginn einen 14-fachen Anstieg von Phishing-Versuchen. 82 Prozent der Angriffe sind KI-generiert. Behörden warnen zudem vor „EvilTokens“, die die Zwei-Faktor-Authentisierung umgehen.
Die Münchner V-Bank meldete ein Datenleck bei einem externen IT-Dienstleister – rund 73.000 Konten betroffen. Die BaFin warnte am heutigen Dienstag vor den nicht zugelassenen Anbietern ibo-services.com und thegermansherpa.com. Verdacht: Identitätsmissbrauch.
BaFin verschärft Regeln für Turbo-Zertifikate
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Die Finanzaufsicht zieht die Zügel an. Eine Studie zeigt: Fast drei Viertel der Privatkunden erleiden mit Turbo-Zertifikaten Verluste. Neue Maßnahmen: verpflichtende Risikowarnungen, Wissensabfragen und ein Verbot von Anreizen wie reduzierten Ordergebühren.
Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch begründet den Schritt mit dem Anlegerschutz. Die Risiken für Kleinanleger seien oft nicht erkennbar.
Im Versicherungssektor kündigte Julia Wiens, Exekutivdirektorin der BaFin, ein Vorantragsverfahren für Proportionalitätsmaßnahmen im Solvency-II-Review an. Das Verfahren startet im August und gibt Versicherern frühe Orientierung über ihre Aufsichtskategorien.
