Niedersachsen, Zehn-Punkte-Plan

Niedersachsen: Zehn-Punkte-Plan für 15.800 arbeitslose Behinderte

05.07.2026 - 17:34:26 | boerse-global.de

Klage auf Mindestlohn für behinderte Menschen in Werkstätten könnte bundesweit Entgeltstrukturen verändern.

Arbeitsgericht Münster: Mindestlohn-Klage für Werkstatt-Beschäftigte
Niedersachsen - Menschen mit Behinderungen arbeiten in einer modernen Werkstatt, die Hände bei verschiedenen Tätigkeiten im Vordergrund. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Es geht um die Bezahlung von Menschen mit Behinderungen in den Freckenhorster Werkstätten im Kreis Warendorf. Die Klage fordert den gesetzlichen Mindestlohn – und nicht das übliche System aus Grundbetrag, Steigerungsbeträgen und Arbeitsförderungsgeld.

Das öffentliche Interesse ist enorm. Sogar die BBC berichtet über den Fall aus Westfalen. Das Urteil könnte richtungsweisend sein für die gesamte Entgeltstruktur in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM).

Schweiz als Parallelfall

Auch die Schweiz diskutiert über Mindestlöhne. Die Städte Zürich und Winterthur stehen unter Zeitdruck. Sie müssen ihre kommunalen Regelungen von bis zu 23,90 CHF pro Stunde umsetzen. Ein Bundesgesetz könnte diese kantonale Regelungen übersteuern – sofern kein Bestandsschutz gilt. Das Schweizer Bundesgericht hatte die Mindestlöhne im Juni 2026 für rechtmäßig erklärt.

Niedersachsen legt Zehn-Punkte-Plan vor

Parallel zu den juristischen Auseinandersetzungen reagiert die Politik. Niedersachsens Arbeits- und Sozialminister Dr. Andreas Philippi stellte am 4. Juli einen Zehn-Punkte-Plan vor. Er soll die Inklusion schwerbehinderter Menschen fördern.

Die Zahlen zeigen die Dringlichkeit: Im Juni 2026 waren rund 15.800 schwerbehinderte Personen in Niedersachsen arbeitslos gemeldet. Der Plan sieht finanzielle Anreize für Arbeitgeber vor, plus verstärkte Netzwerkarbeit und transparentere Beratung. Ziel ist die gleichberechtigte Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt.

Anzeige

Um die Teilhabe im Betrieb aktiv zu fördern, benötigen Verantwortliche rechtssichere Instrumente wie die Inklusionsvereinbarung. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen in 5 Schritten, wie Sie eine rechtsgültige Vereinbarung abschließen und Inklusionsziele im Unternehmen verbindlich festlegen. Kostenlose Muster-Inklusionsvereinbarung jetzt herunterladen

Scharfe Kritik an Sparplänen

Während Initiativen für mehr Inklusion starten, wächst der Widerstand gegen geplante Kürzungen. Der Deutsche Behindertenrat (DBR) kritisierte ein Beschlusspapier der Bundes- und Landespolitik vom 25. Juni scharf. Die DBR-Sprecherin Michaela Engelmeier warnte vor einer Aushöhlung von Teilhaberechten.

Instrumente wie das „Pooling“ von Leistungen oder pauschale Geldzahlungen stoßen auf Ablehnung. Für den DBR ist Teilhabe ein unveräußerliches Menschenrecht.

Erste Insolvenz im sozialen Sektor

Der wirtschaftliche Druck zeigt bereits konkrete Folgen. Die evangelisch-reformierte Kirche in Leer meldete Anfang Juli die Zahlungsunfähigkeit der Arbeit & Soziales gGmbH. Gründe: steigende Lohnkosten, hohe Mieten und wachsende technische Anforderungen. 41 Mitarbeitende sind betroffen, ebenso verschiedene soziale Angebote.

Anzeige

Wenn gesundheitliche Einschränkungen das Arbeitsverhältnis belasten, ist ein professionelles Eingliederungsmanagement entscheidend für den Erhalt des Arbeitsplatzes. Erhalten Sie eine praxisnahe BEM-Anleitung inklusive Gesprächsleitfaden und Muster-Betriebsvereinbarung, um Betroffene rechtssicher zu unterstützen. Kostenlose BEM-Anleitung mit Mustervorlagen sichern

Fortschritte beim Gewaltschutz

Trotz der Spannungsfelder gibt es positive Entwicklungen. Im Projekt „Gemeinsam stark“ in Rheinland-Pfalz wurden über 60 Trainer für Gewaltschutz zertifiziert. Die Ausbildung umfasst Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Ziel ist es, Gewalt besser zu erkennen und Hilfe zugänglich zu machen.

Hintergrund: Ein erheblicher Teil der Werkstattbeschäftigten hat bereits Erfahrungen mit seelischer, körperlicher oder sexueller Gewalt gemacht.

de | wirtschaft | 69698340 |