Niederlande, US-Gesetz

Niederlande lehnen US-Gesetz zu Chip-Exporten nach China ab

14.05.2026 - 20:35:54 | boerse-global.de

Den Haag weist den MATCH Act zurück, der US-Exportkontrollen für ASML-Lithografiesysteme vorschreibt. Der Streit belastet die transatlantischen Beziehungen.

Niederlande lehnen US-Gesetz zu Chip-Exporten nach China ab - Foto: über boerse-global.de
Niederlande lehnen US-Gesetz zu Chip-Exporten nach China ab - Foto: über boerse-global.de

Die niederländische Regierung verweigert sich einem neuen US-Gesetzesvorhaben, das die Exporte von Halbleiterfertigungsanlagen nach China weiter einschränken soll. Handelsminister Sjoerdsma stellte in einer Stellungnahme klar, dass die Niederlande den sogenannten „MATCH Act" nicht akzeptieren werden. Das Gesetz würde Verbündete zwingen, die US-Exportkontrollen für Lithografiesysteme des Technologiekonzerns ASML zu übernehmen. Der Schritt zeigt wachsende Spannungen zwischen den transatlantischen Partnern über wirtschaftliche Souveränität.

Die diplomatische Zurückweisung folgt auf monatelangen Druck aus Washington. Premierminister Jetten hatte bereits bei einem USA-Besuch im April Bedenken geäußert. Die niederländische Regierung argumentiert, das geplante Gesetz habe eine „unakzeptable extraterritoriale Wirkung" auf niederländische Unternehmen und umgehe die nationale Autorität des Landes über seine eigene Industriepolitik.

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Der MATCH Act und die Frage der Souveränität

Im Zentrum des Streits steht der MATCH Act, ein Gesetzesrahmen, der die Exportpolitik von US-Verbündeten an amerikanische Sicherheitsziele angleichen soll. Konkret würde das Gesetz Länder mit wichtigen Technologieherstellern verpflichten, die US-Restriktionen für Lithografiesysteme auf dem chinesischen Markt zu übernehmen. Sjoerdsmas Antwort vom 12. Mai 2026 machte deutlich: Die Niederlande sind nicht bereit, ein solches Mandat zu akzeptieren.

Die Regierung in Den Haag plädiert stattdessen für einen multilateralen Ansatz bei Exportkontrollen. Jetten hatte im Frühjahr die Sorge geäußert, dass US-Handelsmaßnahmen zunehmend die strategische Autonomie der EU-Mitgliedstaaten untergraben. Für ASML, den weltweit führenden Anbieter von Lithografieausrüstung, bleibt der chinesische Markt zentral. Finanzberichte aus dem Jahr 2025 zeigen, dass ASML rund ein Drittel seines Gesamtumsatzes – etwa 29,1 Prozent – mit Kunden in China erzielte. Ein plötzlicher Abbruch dieser Geschäfte unter US-Druck wäre ein schwerer Schlag für die finanzielle Stabilität des Konzerns.

Transatlantische Handelskonflikte und globale Compliance

Der Streit um ASML ist Teil eines größeren Musters. Auch die Schweiz steht unter Druck: Neue US-Strafzölle könnten bereits im Juli 2026 in Kraft treten. Helene Budliger Artieda, Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), wandte sich in einem Brief an die Trump-Administration, um die Maßnahmen abzuwenden. Sie argumentierte, der bilaterale Handel zwischen der Schweiz und den USA sei inklusive Dienstleistungen ausgeglichen. Die Schweizer Industrie arbeite derzeit mit etwa 80 Prozent Kapazität ohne Überproduktion. Die Regierung in Bern arbeitet an einem rechtsverbindlichen Handelsabkommen bis zum Sommer.

Parallel dazu haben US-Behörden die Strafverfolgung gegen Umgehungen der Exportkontrollen verschärft. Zwischen 2024 und Ende 2025 zerschlugen US-Ermittler einen Schmuggelring, der illegal KI-Hardware im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro nach China transportiert hatte. Die Operation „Gatekeeper" endete im Dezember 2025 mit der Beschlagnahme von über 50 Millionen Euro Vermögenswerten. Im März 2026 wurden Anklagen gegen drei Personen erhoben, darunter ein Mitgründer von Supermicro, wegen des Schmuggels von NVIDIA H200 GPUs über Thailand.

Europas neuer Bürokratie-Berg: Das CO2-Grenzausgleichssystem

Während Exportkontrollen die Hightech-Diplomatie dominieren, kämpfen europäische Importeure und Exporteure mit einer neuen Welle administrativer Komplexität. Der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ist am 1. Januar 2026 in seine vollständige Umsetzungsphase getreten. Importeure von Stahl, Aluminium, Düngemitteln und Wasserstoff müssen nun CO2-Zertifikate kaufen. Der Preis liegt derzeit zwischen 70 und 100 Euro pro Tonne CO2.

Der bürokratische Aufwand ist enorm: Das Regelwerk umfasst rund 2.000 Seiten, die Liste der Standardwerte für Emissionen weitere 1.600 Seiten. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind überfordert – ihnen fehlen spezialisierte Abteilungen für die quartalsweisen Berichtspflichten und die vorgeschriebene Einbindung externer Prüfer. Abhilfe schafft zunehmend Technologie: Eine neue Cloud-basierte SaaS-Plattform mit Google Gemini KI hilft Händlern, elfstellige deutsche Zolltarifnummern mit einer Treffergenauigkeit von 99 Prozent zu identifizieren.

Die Intensität der Zollkontrollen zeigt sich auch in regionalen Berichten. Das Hauptzollamt Duisburg meldete für 2025 Gesamteinnahmen von 7 Milliarden Euro, darunter 245 Millionen Euro Zölle für die EU. Die Behörde bearbeitete über 5 Millionen Warenpositionen und leitete 5.500 Verfahren ein.

Analyse: Wo liegen die Grenzen der US-Dominanz?

Die Weigerung der Niederlande, den MATCH Act zu akzeptieren, zeigt eine Grenze auf: Europäische Regierungen sind nicht bereit, die wirtschaftliche Eindämmung Chinas um jeden Preis mitzutragen. ASMLs Abhängigkeit von chinesischen Einnahmen macht die Position Den Haags nicht nur zu einer Frage der Souveränität, sondern des wirtschaftlichen Überlebens für den wichtigsten Technologiekonzern des Landes.

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Gleichzeitig treibt Europa seine eigene grüne Industriewende voran. Die EU-Kommission bereitet derzeit Regeln für den Abzug von CO2-Preisen vor, die in Drittländern gezahlt wurden. 158 Unternehmen und Verbände weltweit haben dazu Stellungnahmen eingereicht, darunter viele aus China und der Türkei. Europa mag US-Exportvorgaben ablehnen – eigene Regulierungsstandards setzt es jedoch umso entschlossener durch.

Ausblick: Ein entscheidender Sommer für den Welthandel

Die kommenden Monate werden über mehrere hochriskante Handelskonflikte entscheiden. Die Niederlande und die USA werden wohl weiter verhandeln, um einen Kompromiss zu finden, der Sicherheitsinteressen wahrt, ohne ASMLs Geschäftsmodell zu zerstören. Die Schweiz will bis Juli ein Handelsabkommen abschließen, um neue Zölle zu vermeiden.

Der Markt für Handels-Compliance und KI-gestützte Automatisierung wird weiter wachsen. Die TÜV SÜD Akademie und verschiedene Industrie- und Handelskammern haben spezielle Schulungen für Exportkontrollen und Zollorganisation für den Sommer und Herbst 2026 angesetzt. Die Spannung zwischen geopolitischer Sicherheit und globalisiertem Handel bleibt die zentrale Herausforderung der Handelswelt Mitte der 2020er Jahre.

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