Neue Rechtsform für Unternehmensnachfolge: Thorsten Luber warnt vor Vermögensbindung / Nachfolgeexperte kritisiert Ewigkeitsprinzip und warnt vor weniger Flexibilität, Innovation und Finanzierung
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:07 Uhr | presseportal, AD HOC NEWSDer Unternehmensnachfolgeexperte und Strategieberater Thorsten Luber warnt vor den langfristigen Folgen des Modells. "Die Ziele, die mit der neuen Rechtsform verfolgt werden, sind nachvollziehbar. Unternehmer wollen ihr Lebenswerk erhalten, geeignete Nachfolger einsetzen, Mitarbeiter beteiligen und verhindern, dass gewachsene Strukturen leichtfertig zerstört werden. Für all diese Aufgaben gibt es allerdings bereits heute weitreichende und bewährte Gestaltungsmöglichkeiten", erklärt Luber.
Gesellschaftsverträge, testamentarische Regelungen, Familiengesellschaften oder Stiftungsmodelle ermöglichten bereits heute umfangreiche Vorgaben für die Unternehmensnachfolge. Auch für die wirtschaftliche Beteiligung von Mitarbeitern stünden verschiedene etablierte Modelle zur Verfügung. Nach Ansicht Lubers liegt gerade in dieser Vielfalt ein wesentlicher Vorteil: Nachfolgelösungen können auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten und bei veränderten Bedingungen angepasst werden.
Unabänderliche Entscheidungen für eine unbekannte Zukunft
Besonders kritisch bewertet Luber die geplante dauerhafte Vermögensbindung. Nach dem Rahmenkonzept soll die Entscheidung für die neue Rechtsform grundsätzlich unumkehrbar sein. Damit würden heute Eigentumsstrukturen für Unternehmen festgelegt, die möglicherweise noch in mehreren Jahrzehnten unter völlig anderen wirtschaftlichen und technologischen Bedingungen bestehen.
"Niemand kann heute seriös vorhersehen, welche Geschäftsmodelle, Technologien, Finanzierungsformen oder Unternehmensstrukturen in zehn, dreißig oder fünfzig Jahren notwendig sein werden. Unternehmensnachfolge braucht Leitplanken, sie braucht aber ebenso Gestaltungsspielraum", sagt Luber.
Gerade die technologische Entwicklung erhöhe den Anpassungsdruck auf Unternehmen. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik veränderten Produktionsprozesse und Dienstleistungen bereits heute grundlegend. Unternehmen könnten künftig erhebliche zusätzliche Investitionen benötigen, neue Kapitalgeber aufnehmen, sich mit anderen Unternehmen zusammenschließen oder ihr Geschäftsmodell vollständig verändern müssen.
Eine auf Dauer angelegte Eigentumsstruktur müsse solche Entwicklungen ermöglichen. "Eine Regelung, die heute Sicherheit schaffen soll, kann irgendwann selbst zu einem Hindernis für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens werden", so Luber.
Eigentum schafft wirtschaftliche Anreize
Neben der fehlenden Flexibilität sieht Luber ein grundsätzlicheres Problem in der Trennung von Eigentum und wirtschaftlichem Erfolg. Unternehmertum beruhe darauf, dass diejenigen, die Kapital einsetzen und Risiken übernehmen, von erfolgreichen Entscheidungen profitieren und gleichzeitig die wirtschaftlichen Folgen von Fehlentscheidungen tragen.
"Eigentum, Risiko, Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg stehen in einem engen Zusammenhang. Wer eigenes Kapital einsetzt, hat einen unmittelbaren Anreiz, dieses Kapital produktiv einzusetzen, Innovationen voranzutreiben und langfristig Unternehmenswert zu schaffen", erklärt Luber.
Dieser Zusammenhang sei auch für Mitarbeiterbeteiligungen relevant. Eine tatsächliche wirtschaftliche Beteiligung am Unternehmenserfolg könne einen wesentlich stärkeren Anreiz schaffen als eine Struktur, in der Verantwortung übertragen werde, der wirtschaftliche Wertzuwachs aber dauerhaft im Unternehmen verbleibe.
Ähnliche Fragen stellen sich aus Lubers Sicht bei der Finanzierung von Wachstum und Transformation. Externe Kapitalgeber erwarteten eine angemessene Rendite für die übernommenen Risiken. Je stärker wirtschaftliche Beteiligungsmöglichkeiten eingeschränkt würden, desto schwieriger könne die Kapitalbeschaffung in Situationen werden, in denen Unternehmen größere Investitionen nicht aus eigener Kraft finanzieren können.
"Märkte leben von Veränderung"
Luber warnt deshalb auch vor den gesamtwirtschaftlichen Folgen, sollte sich die neue Rechtsform langfristig in größerem Umfang etablieren. Unternehmen, deren Eigentums-, Finanzierungs- und Entscheidungsstrukturen dauerhaft gebunden seien, könnten in einer sich schnell verändernden Wirtschaft an Anpassungsfähigkeit verlieren.
"Wo notwendige Veränderungen ausbleiben, geraten Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze und letztlich auch Steueraufkommen unter Druck. Im schlimmsten Fall bleiben Unternehmensstrukturen erhalten, deren wirtschaftliche Grundlage längst verschwunden ist. Märkte leben von Veränderung. Ewigkeitsgarantien folgen der entgegengesetzten Logik", erklärt Luber.
Aus seiner Sicht sollte der Gesetzgeber deshalb zunächst bestehende Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge einfacher und praktikabler gestalten, bevor eine zusätzliche Rechtsform geschaffen wird. "Unternehmer können schon heute sehr weitreichend Vorsorge für ihre Nachfolge treffen. Eine gute Nachfolgeregelung muss Sicherheit schaffen und gleichzeitig kommenden Generationen genügend Freiheit lassen, unter völlig anderen Bedingungen eigene unternehmerische Entscheidungen zu treffen."
Über Thorsten Luber
Thorsten Luber ist Diplom-Kaufmann, Buchautor sowie Gründer und Inhaber von Luber Consulting mit Sitz in Bonn, eine der führenden deutschsprachigen Boutique-Beratungen für Strategie und Unternehmensnachfolge im inhabergeführten Mittelstand. Er hat unter anderem Spitzenunternehmen wie BMW, BASF, DHL, Fresenius Medical Care und Boehringer Ingelheim in strategischen Projekten beraten und begleitet.
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