Netzausbau: EU plant 584 Milliarden Euro Investitionen bis 2030
21.06.2026 - 20:07:44 | boerse-global.de
Seit 2019 fielen für Redispatch-Maßnahmen rund 14,4 Milliarden Euro an.
Netzengpässe kosten Milliarden
Unter Redispatch versteht die Bundesregierung eine geografische Umverteilung der Stromeinspeisung. Dabei wird keine zusätzliche Energie erzeugt, sondern die Last im Netz stabilisiert. Seit 2019 wurden auf diesem Weg 70.399 Gigawattstunden (GWh) eingespeist. Hinzu kommen über 4 Milliarden Euro Kompensationen für Anlagen, die gedrosselt werden mussten.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte am heutigen Sonntag, dass jährlich Strom im Wert von rund 3 Milliarden Euro ungenutzt bleibe. Er werde schlicht „weggeworfen“, weil die Netzkapazitäten für den Transport nicht ausreichen. Diese Ineffizienzen schlagen sich direkt in den Netzentgelten nieder – und damit auf der Stromrechnung der Verbraucher.
EU plant 584 Milliarden für die Netze
Um den Herausforderungen zu begegnen, sind europaweit massive Investitionen geplant. Die EU-Kommission beziffert den Bedarf für die Stromnetze bis 2030 auf rund 584 Milliarden Euro. Auch in Österreich wird mit einem Investitionsbedarf von etwa 53 Milliarden Euro bis 2040 gerechnet. Der Energieversorger EVN will dafür bis 2030 jährlich rund eine Milliarde Euro investieren, der Großteil fließt in das Netz in Niederösterreich.
In Deutschland treibt die Wemag Netz GmbH ein Großprojekt voran. In Mecklenburg-Vorpommern entsteht ein Umspannwerk für knapp 140 Millionen Euro. Die Anlage bei Herzberg soll eine Leistung von bis zu 2,2 Gigawatt bewältigen und an das 380-kV-Netz von 50Hertz angeschlossen werden. Die Inbetriebnahme ist für 2030 geplant.
Preisspitzen trotz Solarrekorden
Der schleppende Netzausbau führt in Kombination mit extremen Wetterlagen zu einer hohen Volatilität der Strompreise. Heute stieg der Preis für eine Megawattstunde (MWh) auf über 500 Euro – Grund war eine hohe Last durch Klimaanlagen bei gleichzeitig sinkender Solarstromerzeugung am Abend. Demgegenüber standen Ereignisse wie am 1. Mai, als Überkapazitäten zu Negativpreisen von minus 500 Euro pro MWh führten.
Trotz der Netzprobleme unterstreicht die Branche die ökonomische Bedeutung der Photovoltaik. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) vom gestrigen Samstag wurden zwischen 2020 und 2025 knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom erzeugt. Das habe fossile Importe im Wert von rund 20 Milliarden Euro ersetzt und Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro vermieden. Im zweiten Quartal 2025 erreichte der Solarstrom mit 98 Terawattstunden einen neuen Rekordwert.
EU setzt auf Smart Meter
Die EU-Kommission reagiert auf die angespannte Lage mit neuen Gesetzesinitiativen. Im Mai und Juni wurden Pläne für einen Gesetzesvorschlag konkretisiert, der strukturell günstigere Strompreise ermöglichen soll. Ein Kernpunkt ist die Beschleunigung des Einsatzes intelligenter Stromzähler (Smart Meter). Während in Österreich Ende 2024 eine Quote von 96,9 Prozent erreicht wurde, diskutiert die deutsche Bundesnetzagentur noch über eine Reform der Netzentgelte. Dynamische Tarife für Speicher werden in Deutschland frühestens für 2030 erwartet, eine flächendeckende Umsetzung ist bis 2033 geplant.
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EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera wies Anfang Juni darauf hin: Die Digitalisierung des Energiesystems sei entscheidend, um die Kosten langfristig zu senken und den steigenden Strombedarf zu bewältigen – etwa durch den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz.
