Nachverhandlungslücke: Studie erklärt 8 Prozent Gehaltsunterschied
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 14:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie der Rockwool Foundation Berlin zeigt: Männer setzen externe Jobangebote gezielter ein, um beim aktuellen Arbeitgeber mehr Gehalt zu fordern. Frauen wechseln dagegen häufiger komplett den Job.
Die Forscher sprechen von einer „Nachverhandlungslücke“. Am Beispiel Schwedens – einem Land mit starker Gleichstellungspolitik – stellten sie fest: Männer verdienen bei identischer Tätigkeit rund 8 Prozent mehr als ihre Kolleginnen. Etwa die Hälfte dieser Differenz lässt sich allein durch das unterschiedliche Verhandlungsverhalten erklären.
Gleiche Angebote, unterschiedliche Nutzung
Die Qualität externer Jobangebote und die Wechselhäufigkeit sind bei beiden Geschlechtern ähnlich. Der entscheidende Unterschied: Männern gelingt es wesentlich besser, diese Angebote in Gehaltserhöhungen umzumünzen – ohne den Arbeitgeber zu wechseln.
Dieser Mechanismus zementiert das Lohngefälle, selbst in Branchen mit vergleichbaren Qualifikationen und Leistungen. Die Forscher sehen darin einen zentralen Faktor für das Fortbestehen des Gender Pay Gaps.
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Neue EU-Regeln, alte Muster
Im Juni 2026 trat die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in Kraft. Sie verpflichtet Unternehmen zu mehr Offenheit bei Gehaltsstrukturen. Ob das reicht? Fachleute bezweifeln, dass sich die durch individuelles Verhandlungsverhalten entstehenden Lücken allein durch Transparenz schließen lassen.
Innerhalb Deutschlands klaffen die Unterschiede ohnehin gewaltig. Der bundesweite Gender Pay Gap liegt bei rund 16 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern meldet dagegen nur etwa 4 Prozent. Grund sind historische Strukturen: eine höhere Erwerbsquote von Frauen und eine bessere Kinderbetreuung. Rund 60 Prozent der Kleinkinder unter drei Jahren besuchen dort eine Krippe. Auch bei den Renten liegt das Land mit zehn Prozent Differenz weit unter dem Bundeswert von 23 Prozent.
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Lohnentwicklung unter Druck
Die Debatte spielt vor einem schwierigen wirtschaftlichen Hintergrund. 2024 lag das durchschnittliche Bruttogehalt in Westdeutschland bei 63.999 Euro, im Osten bei 50.625 Euro – eine Differenz von rund 21 Prozent. Die niedrigsten Werte verzeichneten Sachsen-Anhalt und Thüringen mit etwa 46.700 Euro, Spitzenreiter waren Hessen und Hamburg mit rund 62.900 Euro.
Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Reallöhne immerhin um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch sie liegen weiterhin unter dem Niveau von 2019. In diesem Umfeld wird die Fähigkeit zur Gehaltsnachverhandlung zum entscheidenden Faktor für die persönliche Wohlstandsentwicklung. Die Studie zeigt: Ohne gezielte Gegenmaßnahmen dürften die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Verhandeln die Lohnlücke weiter vergrößern.
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