Nachhaltigkeitsberichterstattung, Regeln

Nachhaltigkeitsberichterstattung: EU kürzt Regeln für KMU um 55%

11.06.2026 - 23:47:14 | boerse-global.de

EU und Bund vereinfachen Nachhaltigkeitsregeln für KMU. Eine Studie zeigt: 95 Prozent der Firmen nutzen Schätzungen in ihren Berichten.

Nachhaltigkeitsreporting: EU strafft Regeln, Praxis bleibt schätzungsbasiert
Nachhaltigkeitsberichterstattung - Eine stilisierte, leuchtende Infografik mit Datenpunkten und Verbindungslinien vor einem unscharfen Hintergrund eines modernen Bürogebäudes. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleichzeitig arbeiten die Regulierungsbehörden auf europäischer und nationaler Ebene an einer Straffung der Regelwerke. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Die Praxis professionalisiert sich – bleibt aber in hohem Maße auf Schätzungen angewiesen.

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EU und Bund kürzen Regeln für KMU

Die Europäische Kommission und die Bundesregierung haben Maßnahmen eingeleitet, um die Komplexität der Nachhaltigkeitsregeln zu reduzieren. Der Entwurf für die freiwilligen Standards kleiner und mittlerer Unternehmen (VSME) wurde von 66 auf 29 Seiten gekürzt. Für diese Unternehmensgruppe ist zudem eine Deckelung der Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette geplant. In Deutschland verkleinerte man parallel den Sustainable-Finance-Praxisbeirat auf 20 Mitglieder.

In Österreich trat bereits im Februar 2026 das Nachhaltigkeitsberichterstattungsgesetz (NaBeG) in Kraft. Eine KPMG-Analyse mit dem Titel „Real-time ESRS 2026: Austria 40“ untersuchte 40 Berichte der Saison 2025/26. Ergebnis: Der durchschnittliche Umfang sank von 168 auf 143 Seiten. Zentrale Schwerpunkte bildeten Klimawandel, Arbeitskräfte und Unternehmensführung. Auffällig: 95 Prozent der Unternehmen mussten bei ihren Angaben auf Schätzungen zurückgreifen.

Die Science Based Targets initiative (SBTi) veröffentlichte zudem eine neue Version ihres Corporate Net-Zero Standard. Sie sieht Fünfjahreszyklen mit jährlichem Reporting vor. Ab 2035 soll die Nutzung von CO2-Entfernungszertifikaten verpflichtend werden.

Branchen ziehen nach

Unternehmen unterschiedlicher Sektoren passen ihre Berichterstattung und operativen Prozesse an. Der Kaffeeröster Julius Meinl bezieht für seine Standorte in Wien und Vicenza seit Ende 2025 ausschließlich verantwortungsvoll ausgewählten Kaffee. Durch neue Technologien sanken die Emissionen pro Röstvorgang um bis zu 50 Prozent.

Das ZfP Südwürttemberg orientierte sich für seinen Nachhaltigkeitsbericht 2025 erstmals freiwillig an der CSRD und führte eine Wesentlichkeitsanalyse durch. Der Gesundheitskonzern setzt verstärkt auf Photovoltaik und erneuerbare Wärme.

In der Industrie fließen großvolumige Investitionen in die Emissionsminderung. Der Kupferproduzent Aurubis weihte in Hamburg eine erweiterte Abluftanlage für rund 115 Millionen Euro ein. Das System soll diffuse Emissionen um etwa 80 Prozent reduzieren. Die herausgefilterten Metalle werden wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt.

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Gerichte prüfen Klimaversprechen schärfer

Die zunehmende Transparenz führt zu strengerer gerichtlicher Kontrolle. Das Landgericht Köln erließ ein Versäumnisurteil gegen die Bayer AG wegen irreführender Werbung. Der Konzern hatte mit dem Ziel geworben, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen – ohne konkrete Maßnahmen für diese langfristige Ankündigung zu belegen.

Industrievertreter warnen vor den wirtschaftlichen Folgen strenger EU-Vorgaben. Die Führung von Daimler Truck bezeichnete die CO2-Ziele der EU für 2030 als existenzbedrohend. Bei einer Verfehlung drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe pro Prozentpunkt. Hauptprobleme: mangelnde Ladeinfrastruktur und hohe Betriebskosten für schwere Elektro-Lkw. Deren Anteil im europäischen Bestand liegt bei lediglich zwei Prozent.

In der Immobilienbranche wird Nachhaltigkeit zudem verstärkt Teil der technischen Prüfung bei Transaktionen. Experten empfehlen die Integration von ESG-Kriterien in die Due Diligence. So lassen sich Risiken bei Energieeffizienz und EU-Taxonomie-Konformität frühzeitig bewerten.

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