Minijobs, Bundesregierung

Minijobs: Bundesregierung plant Abschaffung für 6,8 Millionen

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 14:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant, den Sonderstatus von Minijobs weitgehend abzuschaffen. Nur Schüler sollen ausgenommen bleiben.

Minijob-Reform: Millionen Jobs vor dem Aus?
Eine Euro-Münze liegt auf einer Tastatur, im Hintergrund verschwommen ein Homeoffice-Arbeitsplatz. Symbolisiert Minijob-Reformen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung will die geringfügige Beschäftigung grundlegend umkrempeln. Nur für Schüler soll das Modell erhalten bleiben.

Ende des Sonderstatus

Aktuelle Pläne sehen vor, den Sonderstatus von Minijobs im Steuer- und Sozialrecht weitgehend zu streichen. Ziel: Die Beschäftigungsverhältnisse in sozialversicherungspflichtige Jobs überführen. Betroffen wären Millionen Arbeitnehmer – allein im ersten Quartal 2026 waren bundesweit 6,8 Millionen Menschen geringfügig beschäftigt.

Erst Anfang des Jahres war die Verdienstgrenze auf 603 Euro angehoben worden. Jetzt kippt die Regierung das Modell offenbar komplett.

Pflicht zur Rentenversicherung

Die Alterssicherungskommission empfiehlt eine obligatorische Einbeziehung der verbleibenden Minijobs in die gesetzliche Rentenversicherung. Bisher können sich Beschäftigte davon befreien lassen. Die Folge: Von den gewerblichen Minijobbern zahlten zuletzt lediglich 20,9 Prozent Rentenbeiträge.

Seit Juli 2026 besteht immerhin die Option, eine frühere Befreiung rückgängig zu machen. Doch das reicht der Kommission nicht.

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Scharfe Kritik aus Wirtschaft und Politik

Die Reformpläne stoßen auf massiven Widerstand. In einem gemeinsamen Brandbrief warnten der Handelsverband Deutschland (HDE) und weitere Organisationen vor den Folgen. Besonders der Einzelhandel und das Gastgewerbe – mit mehr als einer Million Minijobbern – wären hart getroffen.

DEHOGA-Präsident Zöllick und BDA-Präsident Dulger äußerten deutliche Kritik. Auch CSU-Chef Markus Söder sprach sich für den Erhalt des Modells aus. Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John warnt vor sozialen Folgen: Eine Abschaffung könne Tätigkeiten in die Schwarzarbeit treiben.

Befürworter setzen auf bessere soziale Absicherung. Kritiker befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen und sinkende Flexibilität für Unternehmen und private Haushalte.

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Fachkräftemangel und neue Arbeitsmodelle

Ungeachtet der Minijob-Debatte zeigt der Arbeitsmarkt eine anhaltende Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften. Flexible Arbeitsformen wie Homeoffice gewinnen weiter an Bedeutung.

In Bad Kreuznach werden etwa Junior Accountants und Buchhalter mit Homeoffice-Option gesucht. In Regensburg sucht man Personal für Prozess- und Systembetreuung – nach der Einarbeitung ebenfalls mit Homeoffice-Möglichkeit. Die Stelle ist zunächst bis Ende 2026 befristet. In Lindau sind IT-Experten für Cloud-Systeme und Microsoft 365 gefragt.

Die Stadt Heidelberg setzt auf ein besonderes Format: Mitte Juli organisierte sie ein Speeddating für Kita-Fachkräfte. Mehrere Träger kamen in kurzen Gesprächsrunden direkt mit Bewerbern zusammen. Der Bedarf an Personal zieht sich quer durch alle Beschäftigungsformen.

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