Minijob-Reform: Sonderstatus soll für sieben Millionen fallen
26.06.2026 - 00:49:52 | boerse-global.de
Kernpunkt: Der Sonderstatus für Minijobs soll weitgehend fallen.
Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse sollen künftig voll in die gesetzliche Rentenversicherung integriert werden. Ausnahmen plant die Kommission nur für Schüler.
Was sich für Minijobber ändert
Bisher liegt die Verdienstgrenze bei 603 Euro im Monat. Arbeitgeber zahlen Pauschalabgaben von rund 30 Prozent, Arbeitnehmer sind weitgehend abgabenfrei – es sei denn, sie optieren aktiv für die Rentenversicherung.
Das soll sich grundlegend ändern. Künftig entfällt die Steuer- und Abgabenfreiheit für Arbeitnehmer. Bei 603 Euro Monatsverdienst würden dann 130,73 Euro Abgaben anfallen.
Professor Peter Haan von der Freien Universität Berlin bezeichnet die Reform als richtig. Besonders bei Zweitverdienern in verheirateten Haushalten setze die aktuelle Regelung falsche Anreize, die Arbeitszeit auszuweiten.
Sieben Millionen Menschen betroffen
Fast sieben Millionen Menschen in Deutschland arbeiten geringfügig. Genau sind es 6.554.876 Minijobber im gewerblichen Bereich und 252.372 in Privathaushalten.
Die Branchenverteilung ist ungleich: Handel und Gastronomie sind besonders betroffen. Allein im Einzelhandel zählt der Handelsverband Deutschland rund 800.000 geringfügig Beschäftigte.
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Die demografische Analyse zeigt: 55,9 Prozent der Minijobber sind Frauen, 18,3 Prozent haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im Gesundheitswesen spielen Minijobs eine geringere Rolle – in Krankenhäusern gibt es 45.000 bei insgesamt 1,45 Millionen Beschäftigten.
Heftige Kontroversen
Bundeskanzler Merz will die Vorschläge komplett umsetzen. Unterstützung kommt von SPD, Grünen und Linken sowie den Gewerkschaften Verdi und DGB.
Bundesarbeitsministerin Bas mahnt, das Gesamtkonstrukt nicht zu zerreden. Niedersachsens Arbeitsminister Philippi lobt die Einbindung der Beschäftigten in das Rentensystem. Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, kritisiert: Die aktuelle Gestaltung verführe dazu, die Stundenzahl gering zu halten.
Ganz anders die Reaktionen aus der Wirtschaft. CSU-Chef Söder warnt vor einer Abschaffung und mahnt zur Vorsicht. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband spricht von einer Katastrophe für das Gastgewerbe – die Branche würde Flexibilität und Belegschaft verlieren. Auch die Arbeitgeberverbände betonen: Minijobs seien wichtig, um Arbeitspotenzial zu aktivieren.
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Weitere Reformpunkte
Das Papier enthält noch mehr weitreichende Vorschläge:
- Kapitalrente: Eine verpflichtende Kapitalrente nach schwedischem Vorbild
- Renteneintrittsalter: Schrittweise Anhebung um 0,5 Jahre pro Jahrzehnt – Ziel ist 70 Jahre im Jahr 2092
- Studenten und Rentner: Auch für sie soll der Sonderstatus entfallen. Für Studierende bleibt das Werkstudentenprivileg als Alternative im Gespräch
Ein Koalitionsausschuss berät bereits am 1. Juli über den Fahrplan. Erste Gesetzentwürfe werden bis zum Herbst erwartet. Für die Umsetzung sind Übergangsregelungen über mehrere Jahre geplant.
