Minijob-Reform: Pauschalabgaben sollen auf 39 Prozent steigen
16.06.2026 - 21:43:13 | boerse-global.de
Grund ist ein Gesetzentwurf zur Pflege- und Krankenversicherung, der noch im Juni vom Kabinett beschlossen werden soll.
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Drastischer Anstieg der Abgaben
Die Pläne sehen vor, dass Arbeitgeber für Minijobber deutlich mehr zahlen müssen. Konkret sollen Unternehmen einen Pflegebeitrag von 3,6 Prozent entrichten. Gleichzeitig steigen die Krankenkassenbeiträge für geringfügig Beschäftigte von 13 auf 17,5 Prozent.
Die Verdienstgrenze liegt seit Januar bei 603 Euro. Die Folge: Die gesamten Pauschalabgaben könnten von rund 31 auf über 39 Prozent klettern. HDE-Hauptgeschäftsführer Genth spricht von einer „Kostenexplosion". Die Reform käme einer „Abschaffung der Minijobs durch die Hintertür" gleich.
Gesundheitsministerin Warken (CDU) rechnet dagegen mit Mehreinnahmen zwischen 1,2 und über drei Milliarden Euro jährlich für die Sozialkassen.
Branchen fürchten Jobverluste
Besonders hart träfe es Einzelhandel und Gastgewerbe. Rund 6,8 bis 7 Millionen Minijobber gibt es in Deutschland – davon 800.000 im Einzelhandel. HDE-Präsident von Preen betonte, Minijobs seien für Stoßzeiten essenziell. Er fordert eine Deckelung der Lohnnebenkosten bei 40 Prozent und strukturelle Reformen.
Der Einzelhandel hat bereits in den vergangenen drei Jahren mehr als 70.000 sozialversicherungspflichtige Stellen verloren. Auch der Gebäudereiniger-Verband (BIV) warnt vor einem signifikanten Arbeitsplatzverlust.
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Neuerung bei der Rentenversicherung
Ab 1. Juli 2026 gibt es eine wichtige Änderung: Minijobber können ihre Befreiung von der Rentenversicherungspflicht einmalig widerrufen. Der Widerruf gilt nur für die Zukunft und ist endgültig.
Aktuell sind nur rund 20,9 Prozent der gewerblichen Minijobber rentenversicherungspflichtig. Wer den Widerruf nutzt, zahlt 3,6 Prozent Eigenanteil – der Arbeitgeber legt 15 Prozent drauf. Experten verweisen auf Vorteile wie Zugang zu Reha-Leistungen, Erwerbsminderungsrenten oder Grundrentenzuschläge.
Krankenkassen unter Druck
Die geplanten Abgabenerhöhungen kommen nicht von ungefähr. Die gesetzliche Krankenversicherung steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die Leistungsausgaben stiegen im ersten Quartal um acht Prozent. Für 2027 erwartet Ministerin Warken eine Finanzlücke von rund 18,8 Milliarden Euro.
Hinzu kommt der drohende Arbeitskräftemangel. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt: Bis 2036 fehlen über vier Millionen Arbeitskräfte. 16,5 Millionen Babyboomer gehen in Rente, nur 12,5 Millionen jüngere Kräfte rücken nach.
Das Arbeitsministerium will unterdessen die Arbeitszeit flexibler gestalten – die tägliche soll durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden. Ökonomen wie DIW-Chef Fratzscher sehen das skeptisch.
