Minijob-Reform: Gastronomie fürchtet Verlust von 50% der Kräfte
25.06.2026 - 19:10:08 | boerse-global.de
Gleich zwei politische Vorhaben bedrohen ihre Geschäftsgrundlage: die geplante Sozialversicherungspflicht für Minijobs und ein neues Arbeitszeitgesetz. Verbände sprechen von einem „massiven Verlust an Flexibilität".
Minijob-Reform: Bis zu 50 Prozent der Kräfte könnten gehen
Ein Vorschlag der Rentenkommission sieht vor, den Sonderstatus von Minijobs weitgehend abzuschaffen. Künftig sollen diese Stellen – mit Ausnahme von Schülerjobs – voll sozialversicherungspflichtig werden. Die Kommission reagiert damit auf die Sorge vor Altersarmut, besonders bei Frauen.
Für die Gastronomie wäre das ein Schlag ins Kontor. Laut DEHOGA arbeiten bundesweit rund 1,1 Millionen Minijobber in der Branche – das sind etwa 40 Prozent der Beschäftigten. In Sachsen fürchten Betriebe, bis zu die Hälfte ihrer Kräfte zu verlieren. Viele Minijobber wie Studenten schätzen die abgabenfreie Flexibilität. Erste Rückmeldungen zeigen: Steigen die Abgaben, drohen Kündigungen.
Schon jetzt tragen Gastronomen Lohnnebenkosten von bis zu 32,5 Prozent. Ein angekündigter Mindestlohn-Anstieg um vier Prozent käme obendrauf. Denkfabriken sprechen von einem „Kostenschock".
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Arbeitszeitgesetz: Tariflose Betriebe außen vor
Parallel sorgt ein Referentenentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium für Ärger. Künftig sollen Abweichungen von der täglichen Höchstarbeitszeit (acht bis zehn Stunden) nur noch per Tarifvertrag möglich sein. Dazu kommt eine Pflicht zur elektronischen Zeiterfassung.
Der DEHOGA nennt den Entwurf einen „schweren Rückschlag". Das Problem: Die Mehrheit der Gastronomiebetriebe ist tarifungebunden. Sie wären von flexiblen Modellen ausgeschlossen. Während Union und Wirtschaft auf eine allgemeine Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit pochen, bleibt der Entwurf bei strikten Tagesgrenzen.
Umsatzplus, aber die Kosten explodieren
Die politischen Pläne treffen eine angeschlagene Branche. Zwar gab es im Mai ein leichtes Umsatzplus von zwei Prozent zum Vorjahr. Doch die Kosten steigen rasant: Mit 7,3 Prozent verzeichnete die Gastronomie den höchsten Lohnanstieg aller Sektoren.
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Die Insolvenzzahlen steigen. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten sie im Dienstleistungssektor einen neuen Höchststand. In Dresden wurde die höchste Zahl seit 2013 registriert. Viele Betriebe können die Kosten nicht vollständig an die Kunden weitergeben.
Politischer Streit: Merz dafür, Söder dagegen
In der Regierung zeichnen sich Risse ab. Kanzler Merz befürwortet die Rentenpläne. Bayerns Ministerpräsident Söder spricht sich gegen eine Abschaffung der Minijobs aus. Branchenkenner warnen zudem vor einer Zunahme der Schwarzarbeit – wenn Angebot und Nachfrage im legalen Rahmen nicht mehr zusammenpassen.
