Mindestlohn 13,90 Euro: Geringverdiener profitieren mit 9,8 Prozent Plus
17.06.2026 - 09:42:10 | boerse-global.de
Die Reallöhne stiegen um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt Nord mitteilt. Die Nominallöhne legten sogar um 4,7 Prozent zu – nach Abzug der Inflation bleibt ein spürbares Plus.
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Geringverdiener profitieren besonders
Vor allem die unteren Einkommensgruppen freuen sich über kräftige Zuwächse. Beim unteren Fünftel der Lohnskala stiegen die Nominallöhne um 9,8 Prozent. Grund ist die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro pro Stunde. Auch Minijobber verdienten mehr: plus 3,9 Prozent bei einer Grenze von 603 Euro.
Auszubildende profitierten von der Mindestausbildungsvergütung. Ihre Bezüge stiegen um 6,6 Prozent. Die oberen 20 Prozent der Einkommensbezieher kamen dagegen nur auf 3,7 Prozent Plus. Bei Vollzeitbeschäftigten lagen Frauen mit 4,6 Prozent leicht vor Männern mit 4,4 Prozent.
Tarifbindung sichert Extra-Zahlungen
Neben den Gehältern spielen Sonderzahlungen eine wichtige Rolle. Laut Hans-Böckler-Stiftung erhielten nur 44 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft Urlaubsgeld. Mit Tarifvertrag waren es 73 Prozent, ohne nur 35 Prozent.
Die Höhe variiert stark: In der Holz- und Kunststoffbranche in Westfalen gab es Spitzenwerte von 2.904 Euro. Die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern zahlte nur 186 Euro. Die Hamburger Metall- und Elektroindustrie erzielte zuletzt einen Tarifabschluss von 5,1 Prozent mehr Lohn.
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Industrie kämpft mit Auslastung
Trotz Lohnsteigerungen läuft es in der Hamburger Industrie nicht rund. Laut Nordmetall-Frühjahrsumfrage liegt die Kapazitätsauslastung bei 81,4 Prozent – der tiefste Stand seit der Corona-Pandemie. Während Luftfahrt und Schiffbau boomen, leiden andere Betriebe unter Auftragsmangel. Fast 60 Prozent der Unternehmen sehen den Standort Deutschland kritisch, jedes vierte plant Produktionsverlagerungen.
Immerhin: Der Fachkräftemangel entspannt sich. Das KfW-ifo-Barometer zeigt: Nur noch 21 Prozent der Unternehmen klagen über fehlendes Personal – halb so viele wie 2022. Das Bauhauptgewerbe bleibt mit knapp einem Drittel betroffener Firmen die große Ausnahme.
Wohnkosten fressen Gehaltsplus auf
Die gestiegenen Reallöhne werden durch hohe Lebenshaltungskosten relativiert. Das Haspa-Trendbarometer Wohnen zeigt: 93 Prozent der Hamburger fürchten weiter steigende Wohnkosten. Rund 60 Prozent der Haushalte geben bereits 30 bis 50 Prozent ihres Nettoeinkommens für Miete und Nebenkosten aus.
78 Prozent sind mit ihrer Wohnsituation zufrieden. Doch der Traum vom Eigenheim bleibt für viele unerreichbar. In der Generation Z wünschen sich 75 Prozent ein Eigenheim – die Eigentumsquote liegt aber bei nur rund 20 Prozent. Hohe Kaufnebenkosten und eine Grunderwerbsteuer von 5,5 Prozent sind massive Hürden.
