Mercedes-Benz: 90.000 Beschäftigte warten bis April 2027 auf Sonderzahlung
27.06.2026 - 02:01:04 | boerse-global.de
Rund 90.000 Tarifbeschäftigte in Deutschland müssen länger auf eine vereinbarte Sonderzahlung warten. Zudem prüft der Vorstand eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich.
Verschiebung des Transformationsbausteins auf 2027
Mercedes-Benz hat die Auszahlung des sogenannten Transformationsbausteins verschoben. Die Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts war ursprünglich für Juli 2026 vorgesehen. Jetzt soll sie erst im April 2027 fließen.
Der Vorstand hält sich sogar die Option offen, die Zahlung ganz zu streichen – falls sich die wirtschaftliche Lage nicht stabilisiert. In Branchenkreisen ist von Einsparungen im hohen zweistelligen Millionenbereich die Rede.
Gewinneinbruch als Auslöser
Der Sparkurs hat handfeste Gründe. Bereits 2025 brach der Gewinn von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro ein. Im ersten Quartal 2026 sank das Konzernergebnis um weitere 17,2 Prozent.
Das Management nennt mehrere Belastungsfaktoren: den verschärften Wettbewerb in China, geopolitische Spannungen und die hohen Energiepreise in Deutschland. Mit dem Sparprogramm „Next Level Performance“ will der Vorstand die Kostenstrukturen grundlegend anpassen.
Besonders kritisch ist die Lage am Standort Deutschland. Hier arbeiten zwei Drittel der Belegschaft, aber nur rund 15 Prozent des weltweiten Absatzes werden hier generiert.
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Rückkehr zur 40-Stunden-Woche?
Ein weiterer Knackpunkt: die Arbeitszeit. Aktuell liegt sie bei 35 Stunden pro Woche. Das Management prüft eine Verlängerung – ohne Lohnausgleich. Aufsichtsratschef Brudermüller spricht sich sogar explizit für die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche aus.
Zusätzlich stehen Überlegungen im Raum, Teile der Produktion und Verwaltung ins Ausland zu verlagern. Der Vorstand verweist auf hohe Krankenstände und eine geringere Anzahl effektiver Arbeitstage in Deutschland.
Scharfe Kritik vom Betriebsrat
Die Arbeitnehmervertreter reagieren mit deutlicher Ablehnung. Der Gesamtbetriebsrat kritisiert die Verschiebung der Sonderzahlung als einseitige Entscheidung des Vorstands. Die Mitbestimmungsgremien seien nicht ausreichend eingebunden worden.
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Bei der geforderten Arbeitszeitverlängerung verweisen die Arbeitnehmervertreter auf die Zuständigkeit der Tarifparteien. Forderungen nach Mehrarbeit ohne finanziellen Ausgleich widersprächen den bestehenden Tarifverträgen. Die Botschaft ist klar: Die Transformation des Unternehmens darf nicht allein zu Lasten der Beschäftigten in Deutschland gehen.
