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Mercedes-Benz: 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich gefordert

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mercedes-Benz verknüpft deutsche Produktionskapazitäten mit längeren Arbeitszeiten. Die IG Metall kündigt Proteste gegen die Pläne an.

Mercedes-Benz fordert 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich
Eine leere, moderne industrielle Fertigungshalle mit großen Maschinen und Robotern in einer sachlichen, hellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Mercedes-Benz strebt eine deutliche Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit an seinen deutschen Standorten an. Die Unternehmensführung fordert eine Ausweitung von derzeit 35 auf 40 Stunden, ohne dafür einen Lohnausgleich zu gewähren. Wie aus Berichten von Mitte September 2026 hervorgeht, knüpft der Automobilhersteller den Erhalt der deutschen Produktionskapazitäten an diese Bedingung.

Sollte die Forderung abgelehnt werden, drohe die Schließung eines deutschen Werks sowie eine verstärkte Verlagerung der Produktion nach Osteuropa. Welcher Standort konkret von einer Schließung betroffen sein könnte, blieb zunächst offen.

Massive Kostenvorteile an internationalen Standorten

Hintergrund der Forderungen ist ein erhebliches Gefälle bei den Produktionskosten. Nach internen Berechnungen des Managements, die im Rahmen einer Betriebsversammlung präsentiert wurden, liegen die Arbeitskosten an ausländischen Standorten bei vergleichbarer Produktivität massiv unter dem deutschen Niveau.

So seien die Kosten im rumänischen Cugir um 81,7 Prozent und im polnischen Jawor um 76,5 Prozent niedriger als in Deutschland. Für das ungarische Werk in Kecskemét wird ein Kostenvorteil von 75 Prozent angegeben, während der US-Standort in Tuscaloosa 17,9 Prozent unter dem deutschen Kostenniveau liege.

Besonders der Standort Kecskemét gewinnt für die globale Strategie an Bedeutung. Dort wurde die Kapazität Mitte Juli von 200.000 auf 400.000 Fahrzeuge verdoppelt, wofür Mercedes-Benz rund 1 Milliarde Euro investierte.

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Das Unternehmen beziffert die Faktorkosten in Ungarn auf insgesamt 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Untermauert wird diese Diskrepanz durch Daten von Eurostat aus dem Jahr 2025, wonach eine Industrie-Arbeitsstunde in Deutschland 49,50 Euro kostete, während sie in Ungarn lediglich mit 15,60 Euro zu Buche schlug.

Kritik der Arbeitnehmervertreter und bestehende Garantien

Die IG Metall reagierte mit scharfer Kritik auf die Pläne. Nach Berechnungen der Gewerkschaft entsprächen fünf unbezahlte Mehrstunden pro Woche einer Kürzung des Jahresentgelts um 20 Prozent. Bezogen auf den Stundenlohn liege die faktische Absenkung bei rund 12,5 Prozent. Für den 21. September wurde bereits ein Aktionstag angekündigt, um gegen die Pläne zu protestieren.

Ein wesentlicher Streitpunkt ist die bestehende Beschäftigungssicherung. Diese gilt laut verschiedenen Berichten bis Ende 2034 beziehungsweise bis in das Jahr 2035 hinein. Trotz dieser Vereinbarungen hat Mercedes-Benz in der jüngeren Vergangenheit bereits Personal abgebaut; so verließen über 5.000 Beschäftigte das Unternehmen gegen Zahlung einer Abfindung.

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Der Vorstand sieht zudem Spielraum für weiteren Personalabbau: Durch Fluktuation und Renteneintritte sei eine Reduktion der Belegschaft um rund 14 Prozent möglich. Als weitere belastende Kostenfaktoren nannte das Management eine im Vergleich hohe Krankenquote sowie die Anzahl der Feiertage in Deutschland.

Strategische Ausrichtung und Produktionsziele

Trotz der Drohungen mit Werksschließungen liegt bisher kein formeller Beschluss von Vorstand oder Aufsichtsrat zu einer Standortaufgabe vor. Die aktuelle Produktionsleistung in Deutschland beläuft sich auf etwa 900.000 Fahrzeuge, was einem Rückgang von 100.000 Einheiten gegenüber dem Jahr 2024 entspricht.

Global verfolgt der Konzern jedoch ehrgeizige Wachstumsziele. Bis zum Jahr 2028 soll der weltweite Ausstoß auf 2,2 Millionen Einheiten steigen. Ob und in welchem Umfang deutsche Werke an diesem Wachstum teilhaben, dürfte maßgeblich vom Ausgang der Verhandlungen über die Arbeitszeitflexibilisierung abhängen. Das Management stellt die bisherige 35-Stunden-Woche angesichts des internationalen Wettbewerbsdrucks grundlegend infrage.

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