Massenentlassungen, BAG-Urteil

Massenentlassungen: BAG-Urteil vom 1. April ändert Spielregeln

19.06.2026 - 16:41:49 | boerse-global.de

BMW, Volkswagen und Evonik reagieren mit verschärften Sparmaßnahmen auf schwache Konjunktur und internationalen Wettbewerbsdruck.

BMW, VW und Evonik: Sparprogramme und Stellenabbau verschärft
Massenentlassungen - Abstrakte Darstellung eines fallenden Finanzdiagramms vor dem Hintergrund eines modernen Büros, das Sparmaßnahmen und Verhandlungen symbolisiert. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Unternehmen reagieren auf schwaches Wirtschaftswachstum und wachsenden internationalen Wettbewerb. Besonders der Stellenabbau bei VW erreicht eine neue Dimension.

BMW: Gespräche mit Betriebsrat geplant

Der Münchner Autobauer bereitet Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über konkrete Sparmaßnahmen vor. Ein Sprecher des Gesamtbetriebsrats bestätigte am Freitag, man arbeite an tragfähigen Lösungen im Dialog mit den Beschäftigten.

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Der Schritt folgt auf eine überraschende Gewinnprognose-Senkung am vergangenen Dienstag. Grund ist unter anderem das enttäuschende China-Geschäft. Bereits im Geschäftsbericht für 2026 hatte BMW einen leichten Beschäftigungsrückgang um bis zu fünf Prozent der rund 150.000 Mitarbeiter in Aussicht gestellt.

Volkswagen: 50.000 Stellen bis 2030

Konzernchef Oliver Blume verteidigte am Donnerstag auf der Hauptversammlung den eingeschlagenen Sparkurs. Bis 2030 sollen konzernweit rund 50.000 Stellen wegfallen – 35.000 bei der Kernmarke VW und 15.000 bei Porsche und Audi.

Von den geplanten Abgängen bei VW sind bereits 28.000 freiwillige Austritte vertraglich vereinbart. Bis Ende 2026 soll die Belegschaft der Kernmarke um 19.000 Mitarbeiter sinken.

Die finanziellen Kennzahlen zeigen die Dringlichkeit: Im ersten Quartal 2026 brach der Gewinn um 28,4 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro ein. Der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis nach Steuern fiel 2025 sogar um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro.

Volkswagen strebt bis 2030 jährliche Netto-Einsparungen von über 6 Milliarden Euro an. Die Umsatzrendite soll bei 8 bis 10 Prozent liegen. Die Fabrikkosten an deutschen Standorten konnten 2025 bereits um über 20 Prozent gesenkt werden.

Doch Analysten übten auf der Hauptversammlung Kritik: Ein Sparprogramm allein sei keine Strategie. VW müsse attraktive Produkte entwickeln. Der Standort Osnabrück hat über 2027 hinaus keine gesicherte Perspektive.

Evonik streicht Tausende Stellen und schließt Standort

Der Spezialchemiekonzern weitet seinen Umbau drastisch aus. Bis Ende 2029 fallen weltweit weitere 3.200 Stellen weg – davon 2.150 in Deutschland. Hinzu kommen rund 2.800 Stellen, die bereits bis Ende 2026 durch laufende Sparprogramme abgebaut werden.

Als Gründe nennt das Unternehmen schwaches Wirtschaftswachstum und härteren internationalen Wettbewerb. Evonik stellt zudem sein Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro ein. Der Bereich ist seit Jahren nicht profitabel. Der Standort Witten mit 266 Beschäftigten wird 2027 geschlossen.

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BAG-Urteile erschweren Massenentlassungen

Die geplanten Personalabbaumaßnahmen könnten von aktuellen Urteilen des Bundesarbeitsgerichts betroffen sein. Am 1. April 2026 stellte das BAG klar: Massenentlassungen sind unwirksam, wenn die vorgeschriebene Anzeige bei der Agentur für Arbeit fehlt oder vor Abschluss der Betriebsratsberatung eingereicht wird.

Diese Fehler sind nicht heilbar. Kündigungsschutzklagen müssen innerhalb von drei Wochen nach Zugang erhoben werden. Für Arbeitgeber wird die korrekte Reihenfolge des Konsultations- und Anzeigeverfahrens damit noch entscheidender.

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