Maschinensicherheit, Cybersicherheit

Maschinensicherheit ab 2027: Cybersicherheit wird Pflichtbestandteil

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 21:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Verschärfte EU-Vorschriften und Großprojekte wie Siemens in Offenbach treiben die Nachfrage nach Sicherheitsexperten massiv an.

Arbeitssicherheit-Boom: Neue EU-Regeln und Milliarden-Investitionen
Sicherheitsexperten und Teamleiter für Arbeitssicherheit in einem modernen Kontrollraum, die digitale Dashboards überwachen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Deutschland erlebt einen nie dagewesenen Boom im Bereich Arbeitssicherheit. Regulatorische Verschärfungen und riesige Industrieansiedlungen sorgen für hunderte neue Stellen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Qualifikation der Fachkräfte massiv.

Strengere Regeln für Unternehmen

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) überarbeitet aktuell ihre Vorschriften 3 und 4. Das Ziel: Die Prüfung elektrischer Anlagen soll praxisnäher und risikoorientierter werden. Das hohe Schutzniveau bleibt erhalten. Hintergrund sind jährlich rund 2.500 Arbeitsunfälle mit elektrischem Strom. Firmen müssen ihre internen Sicherheitssysteme anpassen – das erfordert Expertise auf Leitungsebene.

Parallel dazu setzt die NIS2-Richtlinie neue Maßstäbe. Unternehmen müssen künftig kontinuierliche Maßnahmen zum Human Risk Management umsetzen. Dazu gehören Sicherheitsüberprüfungen vor Einstellungen und fortlaufende Integritätschecks. Eine einmalige Prüfung reicht nicht mehr. Gefordert ist ein dauerhafter Prozess, der auch die Lieferkette umfasst.

Cybersicherheit wird Teil der Maschinensicherheit

Ab 2027 macht die neue EU-Maschinenverordnung Cybersicherheit zum Pflichtbestandteil. Vernetzte Steuerungen und Fernzugriffe müssen so abgesichert sein, dass sicherheitsrelevante Funktionen nicht manipuliert werden können. HSE-Verantwortliche müssen sich daher verstärkt mit IT-Sicherheit und Normen wie der IEC 62443 auseinandersetzen.

Die Verschmelzung von klassischer Arbeitssicherheit und IT-Sicherheit wird zur Daueraufgabe. Wer hier nicht mitzieht, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern vor allem die Sicherheit der Mitarbeiter.

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Siemens plant 700 neue Jobs in Offenbach

Die industrielle Expansion in Deutschland ist enorm. Siemens errichtet in Offenbach ein neues Vorfertigungswerk für gasisolierte Schaltanlagen. Auf einem ehemaligen Industriegelände entstehen bis 2030 bis zu 700 Arbeitsplätze. Die Produktion läuft im Drei-Schicht-Betrieb. Grund für den Ausbau: der hohe Bedarf an Energieinfrastruktur für Rechenzentren und E-Mobilität.

In Darmstadt hat Merck ein neues Prüfzentrum für Biopharmazeutika eröffnet. Die 2.000 Quadratmeter große Anlage kostete 25 Millionen Euro. Das Zentrum testet monoklonale Antikörper sowie Zell- und Gentherapien unter GMP-Bedingungen. Das stellt höchste Anforderungen an Sicherheits- und Qualitätskontrolle.

Wartungsanlage für 120 Millionen Euro

Auch der Verkehrssektor investiert massiv. In Butzbach nahm kürzlich eine 120 Millionen Euro teure Wartungsanlage für Eisenbahnfahrzeuge den Betrieb auf. Zwei Wartungshallen, eine Radsatzbearbeitungshalle und rund 80 Mitarbeiter. Solche hochspezialisierten Anlagen erfordern eine kontinuierliche Überwachung der Betriebssicherheit und der Umweltauflagen.

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Mit den wachsenden industriellen Anforderungen steigen auch die gesetzlichen Pflichten zur Dokumentation der Betriebssicherheit massiv an. Nutzen Sie bewährte Checklisten und Vorlagen, um rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen, die jeder behördlichen Prüfung standhalten. Kostenlose Vorlagen und Checklisten zur GBU sichern

Der Bedarf an Sicherheitsfachkräften ist entsprechend hoch. Besonders in Nordrhein-Westfalen und Hessen suchen Unternehmen händeringend Personal. Firmen wie die ias AG, STRABAG, die Deutsche Post, REMONDIS und die Stute Nahrungsmittelwerke schreiben aktuell Stellen aus.

Gehälter und neue Rekrutierungswege

Was verdient man in der Branche? Im Bereich Umwelttechnik liegt das Durchschnittsgehalt bei etwa 57.211 Euro pro Jahr. Die Spanne reicht von rund 49.800 bis knapp 68.000 Euro. Für Führungspositionen in der Arbeitsvorbereitung werden durchschnittlich 4.223 Euro pro Monat gezahlt, Spitzengehälter erreichen bis zu 5.756 Euro.

Der Fachkräftemangel zwingt zu kreativen Lösungen. Die Stadt Heidelberg veranstaltete Mitte Juli ein Speeddating für Fachkräfte. Bewerber und Träger treffen sich in kurzen Gesprächen – effizient und zielgerichtet. Ein Modell, das auch für technische Sicherheitsberufe zunehmend interessant wird.

Versorgungsunternehmen wie Mainova investieren massiv in die Ausbildung. Das Unternehmen erweitert sein Ausbildungszentrum in Frankfurt bis 2028 von 2.800 auf 7.700 Quadratmeter. Künftig sollen dort jährlich 100 Nachwuchskräfte qualifiziert werden.

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