Hydration Break am Persischen Golf: Globale Wirtschaft bleibt unter Druck / Coface stuft Risikobewertung für acht Länder herab
30.06.2026 - 10:25:00 | presseportal.de
Nach mehr als fünfzehn Wochen Konflikt sorgt das "Memorandum of Understanding" zwischen den USA und Iran vorübergehend für Beruhigung in der Region. Doch diese Atempause darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Auswirkungen des Konflikts deutlich größer sind als ursprünglich angenommen und eine Schlüsselregion der Weltwirtschaft nachhaltig erschüttert haben. "Die Straße von Hormus ist und bleibt ein zentraler Engpass für den Transport von Öl, Gas und wichtigen Vorprodukten. Besonders Südostasien und Ostafrika sind stark betroffen. Eine schnelle Normalisierung ist derzeit nicht in Sicht", erklärt Coface-Volkswirt Markus Kuger.
Lieferketten im Stress: Energiepreise und Engpässe belasten Unternehmen
Die Weltwirtschaft konnte den Schock bislang vergleichsweise gut verkraften, etwa durch aufgebaute Lagerbestände und Anpassungen auf der Nachfrageseite. Diese Puffer stoßen jedoch zunehmend an ihre Grenzen. Produktionsstopps in einzelnen Branchen, steigende Inflation und restriktivere Finanzierungsbedingungen sind erste Belastungssignale. Gleichzeitig verfügen Regierungen nur über begrenzten Spielraum, um Konjunktur und Einkommen zu stützen. Vor diesem Hintergrund senkt Coface seine globale Wachstumsprognose auf 2,3 Prozent für 2026 und 2,5 Prozent für 2027 - ein kumulierter Rückgang um 0,6 Prozentpunkte.
Parallel stehen die globalen Lieferketten erneut massiv unter Druck. Die nahezu vollständige Schließung der Straße von Hormus - im Mai passierten nur noch 145 Schiffe die wichtige Handelsroute, verglichen mit über 3.300 im Vorjahr - hat den internationalen Transport massiv beeinträchtigt. Gleichzeitig treiben hohe Energiepreise, bei einem erwarteten durchschnittlichen Ölpreis von 85 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2026, die Kosten für Transport und Produktion weiter in die Höhe. "Unternehmen berichten bereits von längeren Lieferzeiten, steigenden Kosten und ersten Engpässen. Viele reagieren mit vorsorglichem Lageraufbau, was Liquidität bindet und die Margen zusätzlich belastet", erklärt Markus Kuger. Gleichzeitig erwartet Coface einen deutlichen Anstieg der weltweiten Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent, mit besonders starken Zuwächsen unter anderem in den USA, Frankreich und Japan.
Konflikt trifft Regionen mit unterschiedlicher Wucht
Die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts sind weltweit spürbar, treffen die verschiedenen Regionen jedoch unterschiedlich stark:
Länderrisiken: Herabstufungen in mehreren Regionen
Im aktuellen Risk Review hat Coface die Länderrisikobewertung für mehrere Volkswirtschaften nach unten angepasst. Das Länderrisiko beschreibt das allgemeine Umfeld eines Landes, um lokale Kreditrisiken zu bewerten und einordnen zu können.
Besonders betroffen sind Volkswirtschaften in Asien, insbesondere in Südostasien. Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Vietnam wurden jeweils von A4 auf B herabgestuft. Treiber sind vor allem steigende Importkosten, Währungsabwertungen sowie zunehmende finanzielle und fiskalische Risiken. "Konkret belasten höhere Energieimportkosten, wachsende Inflation und ein zunehmender Druck auf den Außenhandel die wirtschaftliche Stabilität dieser Länder. In Vietnam kommen zusätzlich steigende Produktionskosten und zunehmende Lieferkettenprobleme hinzu", sagt Markus Kuger. Auch Kambodscha wurde herabgestuft, von C auf D. Ausschlaggebend sind hier insbesondere die starke Abhängigkeit von Energieimporten sowie die spürbar gestiegenen Kosten, die die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich belasten.
In Afrika verschlechtert sich das Risikoumfeld ebenfalls spürbar: Tansania wurde von B auf C und Madagaskar von C auf D herabgestuft. Neben steigenden Energie- und Transportkosten wirken sich hier vor allem Inflation, schwächere Nachfrage und strukturelle Verwundbarkeiten belastend aus. Auch rohstoffabhängige Staaten bleiben nicht verschont: Kuwait wurde von A4 auf B abgestuft, da die starke Abhängigkeit vom Öltransport durch die Straße von Hormus das Land besonders anfällig für die aktuellen Störungen macht.
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