Luftverkehrsteuer, Bundestag

Luftverkehrsteuer sinkt: Bundestag beschließt Kehrtwende

22.05.2026 - 12:43:37 | boerse-global.de

Die schwarz-rote Koalition korrigiert die Steuererhöhung von 2024. Ab Juli 2026 gelten niedrigere Sätze für alle Distanzklassen.

Luftverkehrsteuer sinkt: Bundestag beschließt Kehrtwende - Foto: über boerse-global.de
Luftverkehrsteuer sinkt: Bundestag beschließt Kehrtwende - Foto: über boerse-global.de

Ab dem 1. Juli 2026 gelten wieder die alten Steuersätze – ein Erfolg für die Luftfahrtbranche nach monatelangem Lobbying.

Die Entscheidung fiel am 21. Mai 2026, nachdem der Bundestag das „Zweite Gesetz zur Änderung des Luftverkehrsteuergesetzes“ verabschiedet hatte. Damit korrigiert die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz eine Steuererhöhung der Vorgängerregierung, die die deutschen Flughäfen im internationalen Wettbewerb massiv unter Druck gesetzt hatte.

Die neuen Steuersätze im Detail

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Das Bundesfinanzministerium hatte die konkreten Änderungen bereits im April 2026 vorgelegt. Die Luftverkehrsteuer wird in drei Distanzklassen gesenkt:

  • Kurzstrecken (Europa und angrenzende Regionen): von 15,53 Euro auf 13,03 Euro pro Passagier
  • Mittelstrecken (2.500 bis 6.000 Kilometer): von 39,34 Euro auf 33,01 Euro
  • Langstrecken (Interkontinentalflüge): von 70,83 Euro auf 59,43 Euro

Die Steuerausfälle sind beträchtlich: Rund 170 Millionen Euro weniger Einnahmen erwartet der Bund für das zweite Halbjahr 2026, in den Folgejahren jährlich 330 bis 355 Millionen Euro. Finanzstaatssekretärin Britta Reinhold betonte bei der Parlamentsdebatte, die Senkung sei ein zentraler Punkt des Koalitionsvertrags zwischen CDU und SPD.

Warum die Wende nötig wurde

Der deutsche Luftverkehr hinkt der Erholung in anderen EU-Staaten hinterher. Daten des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) zeigen: Die Passagierzahlen an deutschen Airports lagen Anfang 2026 noch rund zwölf Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Viele europäische Konkurrenzstandorte hatten die alten Werte längst übertroffen.

Die Ursache liegt in den hohen Standortkosten. Eine Analyse der Lufthansa Group vom Oktober 2025 belegte, dass sich Steuern und Gebühren an deutschen Flughäfen seit 2019 mehr als verdoppelt hatten. Der BDL hatte bereits 2024 und 2025 nachgewiesen, dass ein Mittelstreckenflug ab Deutschland tausende Euro teurer ist als ab Madrid oder Rom.

Die Folgen waren dramatisch: Ryanair schloss 2024 sein Berliner Base, EasyJet reduzierte die Kapazitäten massiv. Und auch die Lufthansa reagierte: Erst im Mai 2026 bestätigte der Konzern, bis zu 100 wöchentliche Inlandsflüge zu streichen – betroffen sind unrentable Kurzstrecken von Frankfurt und München nach Münster, Dresden und Bremen.

Politische Kontroversen

Die Steuersenkung spaltet die politische Landschaft. Während die Branche jubelt, schlagen Umweltverbände und die Opposition scharf Alarm. Vertreter der Grünen bezeichneten die Entscheidung als „klimapolitisch unverantwortlich“ und forderten, die entgangenen Einnahmen stattdessen in die Schieneninfrastruktur zu investieren. Kritiker sehen zudem einen Widerspruch: Während die Flugsteuer sinkt, steht das Deutschlandticket unter Preisdruck.

Die Bundesregierung will die Haushaltslücke durch Umschichtungen schließen. Einige Gesetzesentwürfe aus dem April 2026 sahen vor, die Mindereinnahmen durch höhere Lohnsteuern auf Kerosinhändler auszugleichen. Allerdings gibt es keine rechtliche Handhabe, die Airlines zwingt, die Steuerersparnis an die Kunden weiterzugeben. Das Finanzministerium „erwartet“ zwar eine Weitergabe – doch Branchenexperten warnen, dass steigende Sicherheitsgebühren und Treibstoffkosten den Spielraum auffressen könnten.

Reicht die Entlastung?

Die Steuersenkung ist nur ein Teil einer größeren Strategie zur Stabilisierung des Luftverkehrsstandorts Deutschland. Der BDL und der Flughafenverband ADV hatten bereits Ende 2025 und Anfang 2026 betont, dass der reine Steuerrückgang nicht ausreichen werde.

Weitere Belastungen bleiben:

  • Die Luftsicherheitsgebühren waren Anfang 2025 drastisch gestiegen
  • Die Kosten des europäischen Emissionshandels (ETS) belasten die Bilanzen
  • Die Pflicht zur Beimischung von Sustainable Aviation Fuels (SAF) wird neue Kosten verursachen

Immerhin: Unternehmensreisebüros rechnen mit einer leichten Entlastung der Geschäftsreisebudgets um 1,5 bis zwei Prozent für Flüge ab Deutschland. Das könnte einige Firmen dazu bewegen, wieder verstärkt deutsche Drehkreuze statt ausländische Alternativen zu nutzen.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Die Branche wird die Entwicklung ab dem 1. Juli genau beobachten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte mehrfach gewarnt, dass ohne spürbare Gebührenentlastung weitere Streichungen im Inlandsnetz unvermeidlich seien. Der BDL forderte bereits im Mai 2026 zusätzliche Entlastungen bei der Flugsicherung und den Sicherheitskosten.

Ob die Steuersenkung den Abwärtstrend stoppen kann, bleibt abzuwarten. Die langfristige Erholung des Sektors hängt nicht nur von der deutschen Steuerpolitik ab, sondern auch von der globalen Konjunktur und dem erfolgreichen Umbau zu klimaneutralem Fliegen. Die politische Debatte um die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz wird die Koalition noch lange begleiten.

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