Luftverkehr, Flughafen Frankfurt

Luftverkehr: Deutsche Drehkreuze verlieren Flüge nach Fernost und Afrika

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 11:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutsche Flughäfen verlieren bei Verbindungen nach Fernost, Südostasien und Afrika an Bedeutung. Eine Studie von BDL und DLR führt den Trend unter anderem auf höhere europäische Umwelt- und Standortkosten zurück.

Europäische Drehkreuze wie Frankfurt verlieren bei bestimmten Verkehren zunehmend an Bedeutung. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
Europäische Drehkreuze wie Frankfurt verlieren bei bestimmten Verkehren zunehmend an Bedeutung. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa

Flüge von Deutschland nach Fernost und Südostasien werden immer häufiger über Drehkreuze außerhalb Europas geleitet, während Frankfurt und München an Bedeutung verlieren.

Außereuropäische Drehkreuze gewinnen

Das geht aus einer Analyse des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervor. Demnach liefen 2024 rund 54 Prozent der Flüge von Deutschland nach Fernost und Südostasien über Drehkreuze außerhalb der Europäischen Union.

2019 hatte der Anteil knapp 44 Prozent betragen, 2010 waren es den Angaben zufolge knapp 34 Prozent. Besonders häufig werden demnach Drehkreuze in der Golfregion und in der Türkei genutzt.

Frankfurt und München verlieren Anteile

Der Anteil der deutschen Drehkreuze Frankfurt am Main und München an den Flügen in Richtung Fernost und Südostasien sank laut Studie von rund 56 Prozent im Jahr 2010 auf rund 36 Prozent im Jahr 2024. Auch Verbindungen nach Afrika werden demnach zunehmend über außereuropäische Drehkreuze geführt.

Emissionshandel als Wettbewerbsfaktor

Als einen Grund nennen die Autoren das europäische Emissionshandelssystem. Europäische Fluggesellschaften müssten für Zubringerflüge zu ihren europäischen Heimatdrehkreuzen Emissionszertifikate erwerben.

Für Zubringer zu außereuropäischen Drehkreuzen wie Dubai gelte dies nicht in gleicher Weise. Europäische Airlines hätten dadurch einen Wettbewerbsnachteil, heißt es in der Analyse.

Langsamere Erholung nach der Pandemie

Besonders in Deutschland hat sich der Luftverkehr der Studie zufolge nach der Corona-Krise deutlich langsamer erholt als im globalen Vergleich. BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang sprach von einer „schleichenden Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr“.

Deutschland brauche niedrigere Standortkosten und gleiche Wettbewerbsbedingungen bei den Klimaschutzregeln, sagte Lang.

Wettbewerb um Umsteigeverbindungen

Die Studie beschreibt keinen Einbruch des weltweiten Luftverkehrs, sondern eine Verschiebung der Umsteigepunkte. Für Reisende aus Deutschland bedeutet das: Ziele in Ostasien oder Afrika werden häufiger über Flughäfen in der Golfregion oder in der Türkei erreicht, statt über Frankfurt oder München. Diese Drehkreuze bündeln große internationale Verkehrsströme und können dadurch viele Langstreckenverbindungen mit Zubringerflügen verbinden.

Der von BDL und DLR genannte Kostenunterschied betrifft vor allem europäische Airlines. Beim EU-Emissionshandel müssen sie für bestimmte Flüge innerhalb des europäischen Luftverkehrssystems Emissionszertifikate erwerben. Ein Zubringer zu einem außereuropäischen Drehkreuz wie Dubai unterliegt diesen Vorgaben in der beschriebenen Form nicht. Hinzu kommen weitere Standortfaktoren wie Gebühren, Steuern, Regulierung und die Auslastung von Flugzeugen.

Bedeutung für Deutschland

Der Verlust von Umsteigeverkehren kann Flughäfen, Airlines und verbundene Dienstleister treffen. Weniger gebündelte Nachfrage erschwert zusätzliche Langstreckenangebote und kann die internationale Erreichbarkeit deutscher Regionen verschlechtern. Für Passagiere können außereuropäische Umsteigeverbindungen zugleich mehr Auswahl bieten, die Reise aber von Entwicklungen an einzelnen internationalen Knotenpunkten abhängiger machen.

Politisch zeigt die Analyse den Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit. Einheitlichere Regeln könnten Wettbewerbsverzerrungen begrenzen; niedrigere Standortkosten würden dagegen den Druck auf öffentliche Einnahmen und Klimaziele erhöhen. Entscheidend bleibt, ob Deutschland und die EU die Erholung des Luftverkehrs mit einer emissionsärmeren, zugleich international konkurrenzfähigen Infrastruktur verbinden.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70231507 |