Lübeck klagt vor Bundesverwaltungsgericht gegen Fehmarnbelt-Anbindung
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 23:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Hansestadt Lübeck hat juristische Schritte gegen die geplante Schienenanbindung der Festen Fehmarnbeltquerung eingeleitet. Wie aus Berichten vom 12. September 2026 hervorgeht, reichte die Stadt Klage beim Bundesverwaltungsgericht gegen den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamts ein. Damit nutzt die Kommune den rechtlichen Spielraum kurz vor Ablauf der Klagefrist, die am kommenden Montag endet.
Im Kern der Auseinandersetzung steht die Sorge der Stadtverwaltung um die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) begründete das Vorgehen damit, dass die aktuellen Planungen keine nachhaltige Gesamtlösung für den Schienenverkehr darstellten.
Die Stadt befürchtet demnach, dass die Kapazitäten der Zulaufstrecken nicht ausreichen, um die künftigen Verkehrsströme zwischen Skandinavien und dem europäischen Festland effizient abzuwickeln.
Forderung nach Infrastrukturausbau am Hauptbahnhof
Ein zentraler Aspekt der lübeckischen Forderungen ist die Erweiterung der Gleisanlagen. Die Stadt verlangt den Bau eines dritten und vierten Gleises im Bereich nördlich des Hauptbahnhofs. Ohne diesen Ausbau drohen nach Einschätzung der Verantwortlichen Engpässe, die überregionale Auswirkungen auf den Taktverkehr und den Gütertransport haben könnten.
Diese Position wird durch interne Untersuchungen gestützt. Bereits Anfang des Jahres kam eine Studie der Stadt zu dem Ergebnis, dass das vorhandene Bahnnetz nicht für das erwartete Verkehrsaufkommen gewappnet sei. Die Experten sahen demnach erhebliche Defizite in der Belastbarkeit der Schienenwege, die durch die Fertigstellung der Tunnelquerung entstehen werden.
Risiken für den Hafen und den Arbeitsmarkt
Die Stadt Lübeck hat Klage beim Bundesverwaltungsgericht gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Schienen-Hinterlandanbindung eingereicht — die Klagefrist endet am kommenden Montag. Im Kern steht die Frage, ob die Zulaufstrecken die künftigen Verkehrsströme zwischen Skandinavien und dem Festland überhaupt aufnehmen können. Wer in Logistik-Immobilien am Korridor investiert ist, sollte die Kapazitätsfrage nördlich des Hauptbahnhofs jetzt einordnen. Kostenlose Standort-Analyse Fehmarnbelt-Korridor anfordern
Neben den verkehrstechnischen Bedenken führt die Stadt auch schwerwiegende wirtschaftliche Argumente an. Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) verwies auf die potenzielle Gefährdung von Arbeitsplätzen in der Region. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem Port of Lübeck.
Da die Erreichbarkeit der kommunalen Häfen durch Einschränkungen im Bahnverkehr gefährdet sein könnte, sieht die Stadt die Wettbewerbsfähigkeit ihres Hafensektors bedroht. Die Anbindung an das Hinterland gilt als entscheidender Faktor für die Logistikbranche am Standort.
Zeitplan und Dimension des Tunnelprojekts
Das Gesamtprojekt der Festen Fehmarnbeltquerung wird von der Projektgesellschaft Femern A/S verantwortet. Der Absenktunnel zwischen Puttgarden und dem dänischen Rødbyhavn soll eine Länge von 18 Kilometern erreichen. Er ist als kombinierte Verbindung konzipiert, die sowohl eine vierspurige Autobahn als auch zweigleisige Schienenwege umfasst.
Bausenatorin Joanna Hagen verweist auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen und die Erreichbarkeit des Port of Lübeck — die kommunalen Häfen hängen an einer funktionierenden Bahnanbindung ins Hinterland. Solange das Klageverfahren läuft, bleibt offen, ob die geplanten Gleiskapazitäten ausreichen. Dieser Leitfaden zeigt, welche Infrastruktur-Risiken für Hafen- und Gewerbestandorte daraus entstehen. Checkliste Infrastruktur-Investmentrisiken jetzt sichern
Hinsichtlich des Zeitplans gab Femern A/S bekannt, dass eine Fertigstellung des Tunnels erst nach 2030 zu erwarten sei. Nach der Inbetriebnahme soll die Querung die Reisezeiten massiv verkürzen: Kraftfahrzeuge werden den Tunnel voraussichtlich in zehn Minuten durchfahren können, während für Züge eine Fahrtzeit von sieben Minuten veranschlagt wird.
Die Klage der Stadt Lübeck zielt darauf ab, dass die deutsche Schieneninfrastruktur bis zu diesem Zeitpunkt so dimensioniert ist, dass sie die neuen Lasten ohne lokale Nachteile aufnehmen kann.
