Lohntransparenz: Deutschland verpasst EU-Frist, Umsetzung erst 2027
07.06.2026 - 17:37:42 | boerse-global.de
Juni 2026 umgesetzt sein müssen. Deutschland hat die Frist verstreichen lassen. Unternehmen stehen nun vor rechtlicher Unsicherheit – und der Wettbewerb um Fachkräfte in der Lohnabrechnung verschärft sich.
Verspätete Umsetzung droht teuer zu werden
Seit dem 7. Juni verstößt Deutschland gegen EU-Recht. Die Ampelkoalition konnte sich nicht auf eine Ausgestaltung des Gesetzes einigen. Die Umsetzung ist jetzt für Anfang 2027 geplant. Die EU-Kommission kann ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten.
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Die Richtlinie soll den Gender Pay Gap schließen. Der lag in Deutschland 2024 bei 15,6 Prozent – deutlich über dem EU-Schnitt von rund 11,1 Prozent. Geplant sind ein individuelles Auskunftsrecht für Beschäftigte und Berichtspflichten für Unternehmen ab 100 Mitarbeitern. Die Frage nach dem bisherigen Gehalt in Vorstellungsgesprächen soll künftig tabu sein.
Familienministerin Karin Prien will eine bürokratiearme Umsetzung. Juristen rechnen bereits mit einer Klagewelle. Denn die Beweislast bei Entgeltklagen soll künftig bei den Arbeitgebern liegen.
Boom am Arbeitsmarkt für Lohnabrechner
Der regulatorische Druck trifft auf einen angespannten Arbeitsmarkt. Am 7. Juni waren bundesweit 866 offene Positionen im Bereich Abrechnung ausgeschrieben. Das Durchschnittsgehalt liegt bei rund 55.000 Euro pro Jahr. Allein in München gab es 35 Vakanzen für Lohnbuchhalter.
Ein Beispiel: In Gärtringen sucht ein Unternehmen zum 1. Juli 2026 einen Senior HR Spezialisten für die Entgeltabrechnung. Voraussetzung: Kenntnisse in der Software LOGA. Die Vergütung orientiert sich am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD-B 9b). In der Schweiz werden für Payroll-Manager im unteren Quartil rund 106.250 CHF geboten.
KI verändert die Branche grundlegend
Die Digitalisierung treibt den Wandel massiv voran. Laut einer Studie von SD Worx investieren 48 Prozent der deutschen Personalverantwortlichen in Künstliche Intelligenz. Im Vorjahr waren es noch 38 Prozent.
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Bereits 40 Prozent der Unternehmen nutzen KI direkt bei der Lohnabrechnung. 47 Prozent der Arbeitgeber geben an, dass durch KI Aufgaben wegfallen. 45 Prozent führen angepasste Workflows ein. Der EU AI Act setzt den regulatorischen Rahmen. Fast die Hälfte der Arbeitgeber hat bereits spezifische KI-Richtlinien implementiert.
Fachkräftemangel bleibt strukturelles Problem
Die Lage im Payroll-Bereich ist Teil eines größeren Problems. Eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2025 zeigte Engpässe in der Pflege sowie in technischen Berufen. In der Softwareentwicklung hat sich die Lage im Saarland dagegen entspannt.
Die Gewinnung von Experten wird durch Abwanderung erschwert. 2025 verließen rund 295.000 Fachkräfte Deutschland. Drei Viertel von ihnen hatten einen Hochschulabschluss. Hauptgründe: hohe Abgabenlast und bürokratische Hürden.
Unternehmen müssen also nicht nur die neuen Transparenzregeln umsetzen. Sie müssen auch attraktiver werden. Studien zufolge planen über 50 Prozent der Beschäftigten, ihre künftigen Auskunftsrechte aktiv zu nutzen.
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