Lohnfortzahlung, Koalition

Lohnfortzahlung: Koalition plant Karenztag ab erstem Krankheitstag

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krankenstand fällt auf 5,3 Prozent, doch psychische Erkrankungen steigen um neun Prozent. Politische Debatte um Lohnfortzahlung und Karenztag verschärft sich.

DAK-Report: Krankenstand sinkt leicht, psychische Leiden nehmen zu
Ein moderner, aufgeräumter Schreibtisch mit einem Laptop und einem Glas Wasser als Symbol für betriebliche Gesundheitsförderung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Krankenstand der bei der DAK-Gesundheit versicherten Arbeitnehmer ist im ersten Halbjahr 2026 geringfügig zurückgegangen. Nach einer aktuellen Auswertung der Krankenkasse lag der Anteil der Krankmeldungen bei 5,3 Prozent, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Wert von 5,4 Prozent verzeichnet worden war. Auch die durchschnittliche Anzahl der Fehltage sank leicht von 9,9 auf 9,6 Tage pro Versicherten.

Psychische Erkrankungen als häufigste Ursache für Fehlzeiten

Trotz des allgemeinen Rückgangs zeigen die Daten der DAK signifikante Verschiebungen bei den Krankheitsursachen. Psychische Erkrankungen stellten mit 184 Fehltagen je 100 Versicherte die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit dar, was einer Steigerung von 9 Prozent entspricht. Im Gegensatz dazu verzeichneten Atemwegserkrankungen einen deutlichen Rückgang um 21 Prozent auf 175 Tage. Muskel-Skelett-Erkrankungen rangierten mit 174 Tagen an dritter Stelle.

Die Analyse, die auf den Daten von rund 2,2 Millionen Beschäftigten basiert, verdeutlicht zudem Unterschiede in den Altersgruppen. Während bei den unter 55-Jährigen ein Rückgang der Krankschreibungen beobachtet wurde, stieg die Quote bei den über 60-Jährigen um 0,3 Prozentpunkte an. Die durchschnittliche Dauer einer einzelnen Erkrankung lag bei 9,7 Tagen, was eine leichte Zunahme gegenüber dem Vorjahreswert von 9,5 Tagen bedeutet.

Regionale Unterschiede und Unterstützung für Prävention

Die regionalen Auswertungen offenbaren ein differenziertes Bild über die Bundesländer hinweg. In Sachsen-Anhalt sank der Krankenstand von 6,6 Prozent im Vorjahr auf nun 6,3 Prozent. Dabei gingen die Fehlzeiten aufgrund von Atemwegserkrankungen um 22 Prozent zurück, während psychische Leiden um 12 Prozent zunahmen. In Bremen wurde ein Rückgang des Krankenstandes von 5,7 auf 5,1 Prozent registriert. Auch hier blieben psychische Erkrankungen trotz eines Rückgangs um 19 Prozent die häufigste Ursache.

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Thüringen verzeichnete hingegen einen leichten Anstieg des Krankenstandes von 6,0 auf 6,1 Prozent. In diesem Bundesland, für das die Daten von 46.600 Beschäftigten ausgewertet wurden, stellten Muskel-Skelett-Erkrankungen den häufigsten Grund für Fehlzeiten dar. Psychische Erkrankungen führten in Thüringen zu einer durchschnittlichen Abwesenheitsdauer von 31,5 Tagen.

DAK-Chef Storm sowie die Landesleiter Kaiser, Meyrich und Rühe begrüßten im Zuge der Veröffentlichung die geplante Präventionsoffensive sowie das Instrument der Teilkrankschreibung.

Debatte um strengere Regeln für die Lohnfortzahlung

Parallel zur Bekanntgabe der aktuellen Zahlen verschärft sich die politische Diskussion um die Ausgestaltung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die schwarz-rote Koalition plant Berichten zufolge die Einführung einer verpflichtenden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag. Zudem steht die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung im Raum. Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Wiedereinführung eines sogenannten Karenztages, den Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bereits im Herbst 2025 vorgeschlagen hatte. Demnach würden Arbeitnehmer am ersten Tag ihrer Erkrankung keine Lohnfortzahlung erhalten.

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Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) untermauert den wirtschaftlichen Druck auf die Unternehmen mit Zahlen: Die Kosten für die Lohnfortzahlung seien innerhalb von drei Jahren um 10 Milliarden Euro gestiegen.

Widerstand von Gewerkschaften und Medizinern

Die Pläne der Bundesregierung stoßen auf deutliche Kritik. Anja Piel vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) warnte vor einer Überlastung der Arztpraxen und möglichen Einbußen bei der Produktivität. Auch aus der Ärzteschaft kommt Widerstand; Hausärzte kritisierten die Vorhaben ebenso wie die Krankenkassen, die den Nutzen der Reformen bezweifeln.

Großunternehmen reagieren abwartend. Der Chemiekonzern BASF, bei dem ein ärztliches Attest derzeit erst ab dem vierten Krankheitstag erforderlich ist, kündigte an, eine gesetzliche Anpassung erst nach Vorlage eines konkreten Gesetzentwurfs zu prüfen. Der BASF-Betriebsratsvorsitzende Sinischa Horvat sprach sich gegen eine Verschärfung der bestehenden Regulierungen aus.

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