Kreislaufwirtschaft, Kabinett

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt Aktionsprogramm mit zentraler Plattform

Veröffentlicht: 03.06.2026 um 07:00 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das Bundeskabinett verabschiedet ein neues Programm zur Kreislaufwirtschaft. Umweltverbände fordern mehr Verbindlichkeit, während Unternehmen bereits wirtschaftliche Erfolge melden.

Broadcom: La encrucijada previa a resultados - Bild: über boerse-global.de
Broadcom: La encrucijada previa a resultados - Bild: über boerse-global.de

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) setzt damit auf mehr Ressourcensicherheit und weniger Rohstoffverbrauch – mithilfe einer zentralen Plattform für die Wirtschaft.

Umweltverbände fordern mehr Verbindlichkeit

Der WWF kritisiert das Programm als zu unverbindlich. Die angestrebten Ziele seien nicht ausreichend festgeschrieben. Dabei zeigen aktuelle Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) vom Dienstag: Kreislaufstrategien lohnen sich bereits. Sieben von zehn Industrieunternehmen berichten von wirtschaftlichen Erfolgen mit solchen Modellen.

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Doch das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Allein der Wert der Rohstoffe in ungenutzten Handys in Deutschland lag 2023 bei rund 240 Millionen Euro. Bisher setzen nur neun Prozent der Unternehmen Künstliche Intelligenz für Reparatur- und Recyclingprozesse ein. Hier liegt enormer Nachholbedarf.

Logistik setzt auf echte Emissionsreduktion

Große Logistikkonzerne verabschieden sich vom CO2-Ausgleich durch Zertifikate. Stattdessen senken sie Emissionen direkt im eigenen Netzwerk. Die Deutsche Post DHL führt zum 1. September den Service „GoGreen Plus" ein – und ersetzt damit das bisherige Kompensationsmodell. Grund sind unter anderem neue EU-Regeln gegen Greenwashing.

Der Ansatz heißt „Insetting": Die Reduktion erfolgt direkt im Transportbetrieb. DHL investiert bereits rund eine Milliarde Euro jährlich in die Dekarbonisierung. Der neue Service soll künftig 85 Prozent aller adressierten Briefe und Werbesendungen abdecken.

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Flottenausbau mit Flüssiggas

Auch in der Schifffahrt tut sich etwas. Die Reederei GNV (zur MSC Group gehörend) baut ihre Mittelmeer-Kapazitäten aus – mit Schiffen, die auf Flüssigerdgas (LNG) setzen. Die Fähre „GNV Aurora" wurde am Montag in Tanger getauft. Sie soll ab sofort auf der Route Genua–Barcelona–Tanger Med verkehren. Das Schwesterschiff „GNV Virgo" folgt am 1. Juli.

Hintergrund ist ein 1,3 Milliarden Euro schwerer Flottenerneuerungsplan. Pro Einheit sollen die CO2-Emissionen um bis zu 50 Prozent sinken. Vier weitere Neubauten sind ab 2027 geplant.

Lagerhäuser wachsen in die Höhe

Der Druck auf Grundstücke in Ballungsräumen verändert die Logistikimmobilien-Branche. Neue Forschungsergebnisse von Dienstag zeigen: Obwohl die Neuvermietung von Industrie- und Logistikflächen im ersten Quartal 2026 um 21 Prozent auf 526.000 Quadratmeter einbrach, boomen mehrstöckige Lagerhäuser.

Projekte wie „Mach²" in Hamburg zeigen, dass vertikales Bauen die hohen Grundstückskosten abfedern kann – und gleichzeitig ESG-Anforderungen erfüllt.

Lidl eröffnet Riesenstandort in Bietigheim

In Baden-Württemberg hat Lidl am Montag ein neues Verwaltungs- und Distributionszentrum in Betrieb genommen. Die Anlage auf einem ehemaligen Militärgelände umfasst 154.000 Quadratmeter. Der Primärenergiebedarf liegt 75 Prozent unter dem eines vergleichbaren Standardgebäudes.

Das Dach begrünt auf 18.000 Quadratmetern. Eine Photovoltaikanlage mit 1,4 MWp deckt rund 20 Prozent des Strombedarfs. Ab Juli soll das Zentrum bis zu 100 Filialen beliefern.

Unternehmen setzen wieder auf Eigenregie

Ein strategischer Wandel zeichnet sich im Supply-Chain-Management ab. Die Miebach-Outsourcing-Studie 2026 zeigt: Zwar erwarten 65 Prozent der befragten Logistikexperten mehr Outsourcing. Doch deutsche Versender werden vorsichtiger. Rund 72 Prozent planen Insourcing-Maßnahmen. Die hohe Abhängigkeit von Dienstleistern gilt als Hauptrisiko.

Digitaler Produktpass nimmt Form an

Der ZVEI präsentiert heute den „Digitalen Produktpass 4.0" (DPP 4.0). Das digitale Werkzeug integriert die Standards „Digitales Typenschild" und „Verwaltungsschale". Ziel ist der einfache Austausch von Product-Carbon-Footprint-Daten (PCF) entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Solarzellen auf dem Lkw-Dach

Das europäische Pilotprojekt SolarMoves – mit Beteiligung des Fraunhofer ISE – meldet vielversprechende Ergebnisse. Werden Fahrzeuge zwischen 2024 und 2030 mit integrierten Solarzellen ausgestattet, könnte der externe Strombedarf bis 2030 um 15,6 TWh sinken.

Die Zahlen sind beeindruckend: Solarzellen auf Lkw können bis zu 110 kWh pro Tag erzeugen. Pkw in Südeuropa könnten bis zu 80 Prozent ihres Energiebedarfs durch die integrierte Solartechnik decken.

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