Kreislaufwirtschaft, Kabinett

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm

04.06.2026 - 03:30:00 | boerse-global.de

Kabinett verabschiedet Zwölf-Punkte-Plan für Kreislaufwirtschaft mit 260 Millionen Euro Soforthilfe.

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm - Bild: über boerse-global.de
Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm - Bild: über boerse-global.de

Der Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus im Handwerk steht vor weitreichenden Änderungen. Während neue Transportausnahmen Handwerkern die Arbeit erleichtern, wächst der Druck auf die Politik, die Recyclingquoten drastisch zu erhöhen.

Seit gestern gilt eine Klarstellung der Brandschutzexperten zur sogenannten „Handwerkerregel" (ADR 1.1.3.1 c). Diese erlaubt es, Lithium-Batterien – ob neu, in Werkzeuge integriert oder als Ersatzakkus – ohne vollständige Gefahrgutvorschriften zu transportieren. Voraussetzung: Die Ladung muss gesichert sein, das Volumen pro Verpackungseinheit 450 Liter nicht überschreiten und die „1.000-Punkte-Regel" eingehalten werden. Dabei wird das Batteriegewicht mit dem Faktor drei multipliziert.

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Die Ausnahme gilt ausschließlich für den Transport zur Baustelle und zurück – nicht für Lieferdienste, allgemeine Logistik oder defekte Akkus. Ein wichtiger Schritt, denn die Hersteller bringen immer leistungsstärkere Systeme auf den Markt. Neue Profi-Akkus schaffen bis zu 3.000 Ladezyklen, sind nach IPX5 gegen Strahlwasser geschützt und laden in nur neun Minuten auf 80 Prozent.

Sammelquote alarmiert Umweltschützer

Doch während der Transport geregelt ist, bleibt das Problem der Entsorgung. Umweltorganisationen veröffentlichten Anfang der Woche alarmierende Zahlen: 2025 wurden nur 56 Prozent aller tragbaren Batterien korrekt gesammelt. Bei Lithium-Ionen-Akkus liegt die Quote bei gerade einmal 25 Prozent.

Das ist weit entfernt von den EU-Vorgaben. Ab 2027 schreibt Brüssel eine Sammelquote von 63 Prozent vor. Die Umweltschützer fordern von Bundesumweltminister Carsten Schneider ein Pfandsystem für Lithium-Ionen-Akkus und mehr Herstellerverantwortung bei der Aufklärung der Verbraucher.

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Zwölf-Punkte-Plan für die Kreislaufwirtschaft

Die Bundesregierung reagiert. Gestern verabschiedete das Kabinett ein Zwölf-Punkte-Programm für die Kreislaufwirtschaft. Ziel: Recycling stärken, Importabhängigkeit senken. Konkret fließen 260 Millionen Euro kurzfristig, weitere 305 Millionen sind für 2027 bis 2030 eingeplant.

Zum Maßnahmenpaket gehören digitale Produktpässe für mehr Transparenz, ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten sowie neue Regeln für Textilabfälle und die öffentliche Beschaffung. „Eine starke Kreislaufwirtschaft macht uns unabhängiger von Ölimporten und Materialien aus autoritären Regimen", betonte Minister Schneider. Bis Ende 2027 soll der Plan umgesetzt sein.

Industrie setzt auf Recycling-Offensive

Parallel zu den politischen Weichenstellungen tut sich etwas in der Industrie. Ein deutsches Recycling-Start-up und ein norwegischer Materialhersteller unterzeichneten Anfang Juni eine Absichtserklärung: Gemeinsam wollen sie Graphit aus alten Batterien zurückgewinnen – mit einer Quote von über 90 Prozent für Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Mangan. Der CO?-Fußabdruck der Produktion soll um bis zu 80 Prozent sinken.

Und die Forschung sucht nach Alternativen. In Aachen testen Wissenschaftler derzeit Natrium-Ionen-Batterien. Sie liefern zwar weniger Energie und haben eine kürzere Lebensdauer, kommen aber ohne kritische Rohstoffe aus. Das könnte langfristig die Abhängigkeit von Lieferketten verringern und die Entsorgung im Handwerk vereinfachen.

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