Kreislaufwirtschaft, Kabinett

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm

03.06.2026 - 16:31:09 | boerse-global.de

Bundeskabinett verabschiedet Aktionsprogramm für Kreislaufwirtschaft. Industrie und Umweltverbände kritisieren das Paket als unzureichend.

Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm - Bild: über boerse-global.de
Kreislaufwirtschaft: Kabinett beschließt 565-Millionen-Programm - Bild: über boerse-global.de

Juni 2026 ein Aktionsprogramm für die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen. Mit 260 Millionen Euro Förderung bis 2029 will die Bundesregierung die Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduzieren – doch Wirtschaftsverbände und Umweltorganisationen zeigen sich enttäuscht.

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Milliarden-Chance oder Tropfen auf den heißen Stein?

Die Strategie zielt darauf ab, Lebenszyklen von Materialien zu verlängern und Recyclingquoten zu erhöhen. Besonders im Fokus: strategisch wichtige Rohstoffe wie Lithium, Nickel und Seltene Erden, deren Lieferketten zunehmend unter geopolitischen Spannungen leiden.

Neben den 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sind weitere 305 Millionen Euro aus Klimaschutzprogrammen vorgesehen. Konkret geplant sind eine Vernetzungsplattform, digitale Produktpässe für mehr Transparenz in Lieferketten sowie ein neues Textilgesetz. Auch ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten steht auf der Agenda. Die umfassende Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes soll bis Mitte 2027 folgen.

BDI: „Nicht ansatzweise ausreichend“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisierte das Paket als zu kleinteilig. Dabei zeigt eine vom BDI in Auftrag gegebene BCG-Studie das enorme Potenzial: 20 bis 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte könnten bis 2045 durch Recycling ersetzt werden. Die Bruttowertschöpfung der Kreislaufwirtschaft könnte sich demnach auf rund 125 Milliarden Euro verdoppeln.

Die Dringlichkeit unterstreicht eine Deloitte-Umfrage: 61 Prozent der Unternehmen sehen geopolitische Risiken für ihre Wertschöpfungsketten als stark oder sehr stark an.

Auch Umweltverbände wie der WWF übten Kritik. Ihnen fehlen verbindliche Ziele zur Senkung des Rohstoffverbrauchs und konkrete Vorgaben für die öffentliche Beschaffung.

Bauwirtschaft warnt vor Rechtsunsicherheit

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) begrüßte zwar die geplante Novelle der Ersatzbaustoffverordnung, bemängelte jedoch das Fehlen eines rechtssicheren „Ende-der-Abfall-Eigenschaft“ für mineralische Recyclingmaterialien. Solange recycelte Baustoffe weiterhin als Abfall stigmatisiert würden, bleibe der Markt blockiert.

Chemiebranche unter Druck

Bereits am 1. Juni 2026 traf sich die Branche in Berlin zum Folgetreffen der „Chemie-Agenda“. Während das Wirtschaftsministerium eine positive Zwischenbilanz zog, warnte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) vor massivem Druck und weiteren regulatorischen Belastungen. Die Gewerkschaft IGBCE forderte strukturpolitische Begleitung für mögliche Konsolidierungen.

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Lieferengpässe verschärfen sich

Die Entscheidung des Kabinetts fällt in eine Zeit zunehmender Versorgungsschwierigkeiten. Das Ifo-Institut meldete am 2. Juni 2026: 15,9 Prozent der Industrieunternehmen klagten im Mai über Materialengpässe – fast dreimal so viele wie im Januar (5,8 Prozent).

Besonders betroffen ist die Chemieindustrie mit 31,2 Prozent, gefolgt von der Elektroindustrie (rund 25 Prozent) sowie der Gummi- und Kunststoffbranche (23,7 Prozent). Ifo-Experten führen die Störungen vor allem auf geopolitische Spannungen und regionale Konflikte zurück.

Sondervermögen: Nur jeder zweite Euro erreicht sein Ziel

Ein weiteres Problem offenbarte ein Monitoringbericht des Finanzministeriums vom 1. Juni 2026. Demnach wurden 2025 nur 74 Prozent der bereitgestellten Bundesmittel aus den Sondervermögen für Infrastruktur abgerufen. Ein Fortschrittsindikator zeigt lediglich eine Zielerreichung von 54 Prozent. Experten weisen darauf hin, dass das für 2026 prognostizierte BIP-Wachstum von 0,5 Prozent fast ausschließlich auf Investitionen aus diesen Töpfen zurückgeht – ein fragiles Fundament.

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