Kreativraum-Skandal: 906.000 statt 99.000 Euro – Geschäftsführer weg
12.06.2026 - 20:42:06 | boerse-global.de
Die Trägerversammlung des Jobcenters Bremen hat Geschäftsführer Thorsten Spinn am heutigen Freitag mit sofortiger Wirkung entlassen. Grund sind massive Kostenüberschreitungen bei der Einrichtung von Funktionsräumen und Vorwürfe mangelnder Transparenz. Die kommissarische Leitung übernimmt die bisherige Vertreterin Wiebke Müller.
Kreativraum wird zum Millionen-Grab
Im Zentrum der Kritik steht ein sogenannter Kreativraum in der Utbremer Straße. Der rund 98 Quadratmeter große Raum wurde mit Designermöbeln ausgestattet – die Kosten explodierten auf rund 906.000 Euro. Ursprünglich waren nur 99.000 Euro eingeplant. In einer früheren Phase hatte die Geschäftsführung die Summe noch mit etwa 600.000 Euro angegeben.
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Auch das Frauenprojekt „Frida“ (Frauen in der Arbeitswelt) geriet in den Fokus. Die Trägerversammlung hatte dafür knapp 100.000 Euro bewilligt – tatsächlich wurden rund 293.000 Euro ausgegeben. Insgesamt schlagen beide Projekte mit etwa 1,2 Millionen Euro zu Buche. Die Maßnahmen wurden zwischen 2022 und 2024 umgesetzt.
Vertrauen nachhaltig erschüttert
Arbeitssenatorin Claudia Schilling (SPD) begründete die Abberufung mit einem nachhaltigen Vertrauensverlust. Die Trägerversammlung, der neben der Stadt Bremen auch die Bundesagentur für Arbeit angehört, war über die tatsächlichen Kosten nicht informiert worden. Das Gremium kündigte eine vollständige Aufklärung und die Prüfung weiterer Konsequenzen an.
Die Opposition reagierte scharf. Vertreter von CDU und FDP sprachen von maßloser Steuergeldverschwendung und forderten eine politische Aufarbeitung. Der Bremer Erwerbslosenverband nannte die Investitionen angesichts der Aufgaben des Jobcenters zynisch.
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Behörde mit Vorgeschichte
Die Personalentscheidung kommt nicht aus dem Nichts. Bereits 2024 geriet das Jobcenter in eine Budgetkrise – das Eingliederungsbudget für Qualifizierungen war fast aufgebraucht, der Etat für 2025 musste angezapft werden. Anfang 2026 gab es zudem Verzögerungen bei Auszahlungen an Leistungsempfänger.
Für zusätzliche Schlagzeilen sorgte die fristlose Kündigung eines Mitarbeiters. Dieser hatte in einer Fernsehdokumentation behauptet, dass viele Angaben von Leistungsempfängern fehlerhaft seien. Die Behörde betont jedoch: Die Abberufung des Geschäftsführers steht in keinem direkten Zusammenhang mit dieser Personalie, sondern primär mit den finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Kreativraum.
