Krankenstand: Psychische Leiden verdrängen klassische Erkrankungen
21.06.2026 - 02:40:03 | boerse-global.de
Besonders psychische Leiden verdrängen klassische Erkrankungen von den Spitzenplätzen der Statistik.
Arbeitsschutz-Experten warnen: Ohne eine rechtssichere Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG riskieren Unternehmen nicht nur die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, sondern auch teure rechtliche Konsequenzen. Nutzen Sie diese kostenlosen Excel-Vorlagen und Checklisten, um psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und rechtssicher zu dokumentieren. Kostenlose GBU-Vorlagen und Checklisten jetzt herunterladen
Alarmierende Zahlen aus den Kassen-Daten
Untersuchungen der Barmer und der DAK-Gesundheit für 2025 zeigen eine kritische Entwicklung. In Rheinland-Pfalz erreichten die Krankheitstage einen Wort von 22,5 Tagen pro Erwerbsperson. Der Spitzenreiter: der Kreis Kusel mit 28,6 Tagen. Mainz schnitt mit 17,5 Tagen am besten ab.
Psychische Erkrankungen waren mit durchschnittlich 4,7 Tagen die Hauptursache. Zweibrücken liegt mit 8,0 psychisch bedingten Fehltagen bundesweit an der Spitze.
Die DAK registrierte einen stabilen, aber hohen Krankenstand von 19,5 Tagen pro Beschäftigtem. Besonders auffällig: Der Anstieg bei psychischen Diagnosen um 6,9 Prozent auf 366 Fehltage je 100 Versicherte. Damit verdrängten psychische Leiden die Muskel-Skelett-Erkrankungen auf Platz drei.
Die DAK fordert deshalb einen Krankenstands-Gipfel im Bundeskanzleramt. Zudem brachte sie das Modell einer Teilkrankschreibung ins Gespräch.
Homeoffice als Risikofaktor für die Psyche
Eine Studie der Harvard University in der Fachzeitschrift Science wirft neues Licht auf die Folgen der Remote-Arbeit. Die Forscherinnen Natalia Emanuel, Emma Harrington und Amanda Pallais zeigen: Bis zu einem Drittel des Anstiegs psychischer Erkrankungen seit der Pandemie geht auf das Konto von Heimarbeit.
Besonders betroffen: vollständig remote arbeitende Personen, die allein leben. Diese Gruppe weist eine erhöhte psychische Belastung auf und greift häufiger zu Antidepressiva. Die räumliche Trennung vom Kollegenkreis und die soziale Isolation begünstigen offenbar depressive Symptome.
Schlechte Führung und globale Dimension
Doch nicht nur die Arbeitsform ist das Problem. Professorin Tanja Rabl von der RPTU nennt schlechte Führung, Mobbing und Überlastung als wesentliche Faktoren.
Das bestätigt ein globaler Trend: Eine Studie in The Lancet zeigt, dass weltweit rund 1,2 Milliarden Menschen mit psychischen Erkrankungen leben – eine Verdopplung seit 1990. In Deutschland sind psychische Leiden der häufigste Grund für Frühverrentungen.
Die Landesschüler*innenvertretung Hessen fordert deshalb, bereits frühzeitig den Leistungsdruck zu reduzieren und psychologische Unterstützung auszubauen.
Prävention und Qualifizierung gefragt
Unternehmen und Verbände setzen verstärkt auf Prävention. Das DGB Bildungswerk Bayern richtet sein Programm 2026 auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz aus – besonders mit Blick auf das Superwahljahr der Betriebs- und Personalräte.
Ein rechtssicheres Betriebliches Eingliederungsmanagement ist heute wichtiger denn je, um betroffene Mitarbeiter nachhaltig zu schützen und Arbeitsplätze zu erhalten. Dieser kostenlose Leitfaden bietet Ihnen eine vollständige Anleitung inklusive Muster-Betriebsvereinbarung und einem praktischen Gesprächsleitfaden. Kostenlose BEM-Anleitung inklusive Mustern sichern
Konkrete Angebote gibt es bereits:
- Die IHK Magdeburg bietet am 26. Juni 2026 ein Online-Seminar zur psychischen Gesundheit im Ausbildungsalltag
- Ein Resilienz-Seminar für Fach- und Führungskräfte findet am 9. und 10. Juli 2026 statt
- Dr. Ivon Ames referiert am 22. August 2026 über Gefährdungsbeurteilungen und gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Ziel: erkrankte Mitarbeiter nachhaltig in den Arbeitsprozess zu integrieren. Entsprechende Qualifizierungen sind aufgrund der hohen Nachfrage bereits vielfach ausgebucht.
