Krankenstand, Psychische

Krankenstand: Psychische Leiden erstmals häufigste Ausfallursache

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krankenstand fällt leicht, doch psychische Erkrankungen werden zur Hauptursache für Fehltage. Politische Pläne zur AU-Pflicht ab Tag eins sorgen für Diskussionen.

DAK meldet sinkenden Krankenstand, psychische Leiden steigen
Ein ärztliches Attest und ein Stethoskop liegen auf einem modernen Schreibtisch im Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die DAK-Gesundheit meldet einen leichten Rückgang des Krankenstandes. Doch ein politischer Beschluss heizt die Debatte neu an.

Weniger Atemwegserkrankungen, mehr psychische Leiden

Im ersten Halbjahr 2026 sank der Krankenstand auf 5,3 Prozent – nach 5,4 Prozent im Vorjahr. Die durchschnittlichen Fehltage pro Beschäftigtem fielen von 9,9 auf 9,6 Tage. Grund ist vor allem der Rückgang bei Atemwegserkrankungen: Die Fallzahlen gingen um 21 Prozent auf 175 Fehltage je 100 Versicherte zurück.

Ganz anders sieht es bei psychischen Erkrankungen aus. Sie stiegen um 9 Prozent auf 184 Fehltage je 100 Versicherte. Damit sind psychische Leiden erstmals die häufigste Ursache für Arbeitsausfälle. Besonders betroffen: die Generation 60+. DAK-Chef Storm fordert daher eine Teilkrankschreibung und mehr Prävention gegen Langzeiterkrankungen.

Regierung plant schärfere Nachweispflicht

Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD beschloss Anfang Juli eine Kehrtwende. Die AU-Bescheinigung soll künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt werden – statt wie bisher ab dem vierten. Gleichzeitig soll die telefonische Krankschreibung aus der Pandemiezeit wieder abgeschafft werden.

Doch die SPD knüpft die Umsetzung an eine Bedingung: Erst wenn eine Termingarantie bei Fachärzten steht, gibt es grünes Licht. Die Union zeigt sich offen für Ausnahmen per Betriebsvereinbarung.

Anzeige

Steigende Krankenzahlen und neue gesetzliche Nachweispflichten fordern Betriebe heraus, den Überblick bei der Arbeitszeitdokumentation zu behalten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die gesetzlichen Vorgaben sicher umsetzen und rechtliche Risiken minimieren. Kostenlosen Leitfaden zur Arbeitszeiterfassung jetzt sichern

Ärzte schlagen Alarm

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung nennt die Pläne „realitätsfern“. Patienten würden für reine Bürokratie in die Praxen getrieben. Pro Praxis könnten täglich bis zu 15 zusätzliche Patienten kommen. Ein Allgemeinmediziner warnt: Gerade bei leichten Infekten sei die telefonische AU sinnvoll, um Ansteckungen im Wartezimmer zu vermeiden.

Auch die Linke im Sächsischen Landtag lehnt die Pläne ab. Fraktionschefin Susanne Schaper befürchtet, dass sich Kranke geschwächt in die Praxis schleppen und ihre Erkrankung verschlimmern. Dabei spielt die telefonische Krankschreibung ohnehin nur eine Nebenrolle: Ihr Anteil liegt bei 0,8 bis 1,2 Prozent aller Bescheinigungen.

Beschäftigte unter Druck

Eine Civey-Umfrage unter 2.000 Erwerbstätigen zeigt: 72 Prozent fühlen sich bei Krankmeldung rechtfertigungspflichtig. Über 95 Prozent gingen schon krank zur Arbeit – aus Angst vor negativen Reaktionen. Eine YouGov-Umfrage ergibt: 59 Prozent der Bevölkerung lehnen die AU-Pflicht ab Tag eins ab.

Anzeige

Langzeiterkrankungen und psychische Belastungen machen ein professionelles Fehlzeitenmanagement für Unternehmen unverzichtbar. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden, wie Sie den BEM-Prozess rechtssicher gestalten und die Arbeitskraft im Betrieb erfolgreich erhalten. BEM-Anleitung inklusive Gesprächsleitfaden kostenlos herunterladen

Das politische Paket enthält weitere Änderungen. So soll die maximale Befristungsdauer ohne Sachgrund von zwei auf vier Jahre steigen. Und für Spitzenverdiener ab 177.500 Euro Jahresbrutto soll der Kündigungsschutz ab 2027 gelockert werden – gegen Abfindung.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69831226 |