Krankenstand, Lohnfortzahlung

Krankenstand: Lohnfortzahlung kostet Arbeitgeber 85,6 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutsche Unternehmen zahlten 2025 deutlich mehr für Fehlzeiten. Psychische Leiden verursachten besonders viele Ausfalltage, während die Attestpflicht umstritten bleibt.

IW-Studie: Krankheitskosten der Arbeitgeber erreichen 85,6 Milliarden
Ein leerer, moderner Büroarbeitsplatz mit einem Schreibtisch und einem Bürostuhl vor einem großen Fenster. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nach einer aktuellen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist die finanzielle Belastung der Arbeitgeber durch krankheitsbedingte Fehlzeiten auf einen neuen Höchststand gestiegen.

Im Jahr 2025 verzeichneten deutsche Unternehmen Kosten in Höhe von insgesamt 85,6 Milliarden Euro für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Dieser Betrag stellt eine Rekordsumme dar und verdeutlicht die wachsende wirtschaftliche Belastung durch den Krankenstand.

Kostenentwicklung und strukturelle Treiber

Die Gesamtsumme von 85,6 Milliarden Euro setzt sich laut den Berechnungen des IW aus 72,5 Milliarden Euro an Bruttoentgelten sowie 13,1 Milliarden Euro an Arbeitgeber-Sozialbeiträgen zusammen.

Im Vergleich zum Vorjahr 2024, in dem die Kosten noch bei 81,2 Milliarden Euro lagen, ist dies eine deutliche Steigerung. Noch massiver fällt der Vergleich zu einem längeren Zeitraum aus: Gegenüber dem Jahr 2020 stiegen die Kosten um 21 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 33 Prozent entspricht.

Das Institut führt diesen Anstieg auf eine Kombination aus mehreren Faktoren zurück. Neben den gestiegenen Nominallöhnen, die nominal um 23 Prozent zulegten, spielte auch das Beschäftigungswachstum eine zentrale Rolle.

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Die Zahl der Beschäftigten stieg in den vergangenen Jahren um 5 Prozent von 33,3 Millionen auf 34,9 Millionen Personen. Zudem habe die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) im Jahr 2022 dazu beigetragen, dass der Krankenstand statistisch umfassender erfasst wird.

Langfristig betrachtet habe sich der Anteil der Lohnfortzahlung an der gesamten Wirtschaftsleistung verdoppelt: Während dieser Wert im Jahr 2010 noch etwa 1 Prozent betrug, erreichte er im Jahr 2025 rund 2 Prozent des Sozialbudgets.

Krankheitsbilder und statistische Erfassung

Ergänzende Daten der Betriebskrankenkassen (BKK) präzisieren das Bild des Krankenstandes für das Jahr 2025. Demnach lag die Quote bei 5,83 Prozent, wobei statistisch 1,93 Krankheitsfälle pro Beschäftigtem auftraten. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung betrug 11,5 Tage.

Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen der Häufigkeit bestimmter Diagnosen und deren Auswirkung auf die Ausfallzeit. Während psychische Erkrankungen laut IW weniger als 5 Prozent der Gesamtfälle ausmachten, waren sie für 13 Prozent der gesamten Ausfalltage verantwortlich.

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Die BKK bezifferte den Anteil psychischer Leiden an den Fällen auf 5,4 Prozent, wies jedoch auf eine außergewöhnlich lange durchschnittliche Krankheitsdauer von 39,1 Tagen hin. Muskel-Skelett-Erkrankungen stellten mit 12,5 Prozent der Fälle und mehr als 20 Prozent der Fehltage ebenfalls einen erheblichen Kostenfaktor dar.

Politische Diskussion um die Attestpflicht

Angesichts der hohen Kostenbelastung ist in der Politik eine Debatte über die Ausgestaltung der Krankmeldung entbrannt. Die Union hält nach Angaben ihres Abgeordneten Biadacz an einer Vereinbarung zur Einführung einer Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag fest. Dies soll die Hemmschwelle für Krankmeldungen erhöhen und die Kosten für die Unternehmen senken.

Gegenwind kommt jedoch aus der Regierungskoalition. SPD-Chefin Saskia Bas bremste entsprechende Pläne aus und äußerte die Sorge, dass eine frühe Attestpflicht dazu führen könnte, dass bereits leichte Infekte durch den notwendigen Arztbesuch zu längeren Krankschreibungen führen.

Unterstützung erhält sie in dieser Position von Vertretern der Grünen und der FDP. Haßelmann von den Grünen und Kubicki von der FDP lehnen die Attestpflicht ab dem ersten Tag ebenfalls ab. Neben der Diskussion um den Krankenstand forderte Bas zudem eine Übergangsfrist von fünf Jahren bei der Regelung zur Rente mit 63.

Mehr zum Thema bei FOCUS online: „85,6 Milliarden Euro für Lohnfortzahlungen durch mehr Beschäftigte, höhere Löhne, mehr Daten“

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